Digitale Transformation braucht Sprinter und Dauerläufer

In unseren letzten vier Artikeln sprachen wir darüber, welche Faktoren für eine erfolgreiche digitale Transformation entscheidend sind: Schnelligkeit, Validierung, nutzerzentrierte Produkte und Fokus auf Customer Lifetime Value.

Alle vier sind im Management großer Unternehmen relativ neu. Natürlich mussten auch vor zwanzig Jahren Produkte schon interessant und nützlich für den Kunden sein, aber der Deutschen Telekom war es 1998 noch egal, dass Kunden die Tarife nicht verstanden, denn es gab keine Konkurrenz.

Auch Geschwindigkeit war weniger entscheidend. Dass ein Fahrassistent wie ESP (kam 1995 auf den Markt) bis zur Einführung jahrelang in der Entwicklung war, hat der Nutzer nicht mitbekommen - es hat ihn also auch nicht gestört. Dass aber Navigationsgeräte im Gegensatz zu der Navigation im Handy keine ständig aktuellen Daten enthält frustrierte den Verbraucher und führte zum Absatzabsturz.

Eine Eigenschaft aber ist in der digitalen Transformation ebenso entscheidend, wie in der klassischen Entwicklung: Durchhaltevermögen. Der Siegeszug des iPhones mag ein Gegenbeispiel sein und auch, dass Mark Zuckerberg fünf Jahre nach der Gründung Facebooks der jüngste Milliardär der USA war.

Doch in der Regel brauchen Digitalunternehmen eine ebenso lange Anlaufzeit wie klassische Unternehmen. Zalando begann erst in Jahr fünf nach der Gründung Gewinne abzuwerfen und das fünfte Jahr war in der Betriebswirtschaftslehre schon immer ausschlaggebend für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens.

Wenn wir in unseren Inkubatoren mit großen Corporates neue Produkte schaffen, dann sind wir im ersten Jahr die treibende Kraft: Wir haben die Kreativität, die Agilität und die Vision um mit unseren Partner neue Produkte wie den Oilfox zu kreieren und zur Marktreife zu bringen. Wir tun dies in Sprints und dabei halten wir viele Richtungswechsel aus. Danach braucht es aber Dauerläufer, die belastbare Prozesse und Planbarkeit schaffen, um das Unternehmen zum Erfolg zu führen.

Es ist darum albern, dass der agile Nerd derzeit derart zum Held unserer Zeit stilisiert wird (auch wenn wir uns geehrt fühlen). Um digitale Transformation zu schaffen müssen wir Prozesse aufbrechen, wir müssen disruptiv sein – am Ende müssen wir aber auch wieder Stabilität schaffen und für Partner und Kunden berechenbar sein.

Profilbild von Jenni Schwanenberg
Jenni Schwanenberg

ist Innovationsmanagerin bei mantro. Sie war unter anderem Innovationsmanagerin bei der Deutschen Presse Agentur und hat die Startup-Nachwuchsschmiede der deutschen Verlage, den next media accelerator, aufgebaut. Sie ist Expertin für Lean Startup Methoden und Storytelling.

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