In 10 Schritten digital

Internationale Konzerne haben die Digitalisierung längst in Angriff genommen. Doch Mittelständlern fällt es oft schwer, in den Transformationsprozess einzusteigen.

Der Digitalverband Bitkom hat sich dieses Phänomen genauer angeschaut. Er sieht bei der Digitalisierung in Deutschland kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Daher hat der Verband nun den Leitfaden „In 10 Schritten digital“ verfasst, der Mittelständlern konkrete Tipps geben, wie sie ihr Unternehmen Schritt für Schritt in die digitale Welt bringen können. Hier eine Zusammenfassung:

1. Machen Sie Digitalisierung zur Chefsache

Die Digitalisierung bietet viele Chancen für Ihr Unternehmen. Produkte, Prozesse und Unternehmenskultur stehen vor Veränderungen. Das hat große Auswirkungen auf Ihr Unternehmen, vielleicht die größten, die es bisher erfahren hat. „Deshalb sollten sie dieses Thema auf keinen Fall delegieren, sondern zur Chefsache machen“, rät der Verband in seinem Leitfaden. Dabei geht es nicht darum, auf alle Fragen selbst eine Antwort zu haben, oder jeden technologischen Aspekt bis ins Detail zu verstehen. Es geht darum, neue Dinge auszuprobieren und gemeinsam herauszufinden, wie Ihr Unternehmen die Digitalisierung für sich nutzen kann.

2. Stellen Sie ein Digitalteam auf

Stellen Sie ein Digitalteam aus Ihren besten Mitarbeitern zusammen. Achten Sie darauf, dass die Mitglieder aus möglichst vielen Bereichen Ihres Unternehmens kommen. Binden Sie auch alle Hierarchieebenen ein. Nutzen Sie das Wissen der „Digital Natives“ in Ihrem Unternehmen, lassen Sie Ihre Ideen zu. Und: Statten Sie Ihr Digitalteam mit zeitlichen, räumlichen und finanziellen Ressourcen aus. Haben Sie keine Angst vor Fehlern!

3. Entwickeln Sie eine Digitalstrategie

Beauftragen Sie Ihr Digitalteam mit einer umfassenden Analyse, welche Prozesse und Bereiche Ihres Unternehmens digitalisiert werden könnten, welche es – vielleicht auch nur zum Teil – bereits sind und welche es sinnvollerweise werden sollten. Entwickeln Sie daraus eine Digitalstrategie für Ihr Unternehmen. Diese kann zum einen die Prozesse einzelner Abteilungen umfassen, zum Beispiel das Dokumentenmanagement in der Buchhaltung oder Ihre Kommunikations- und Marketingkanäle. Möglicherweise entsteht aber auch eine Strategie für einzelne Geschäftsbereiche wie etwa das Privatkundengeschäft.

4. Kooperieren Sie mit Start-ups

Junge Technologieunternehmen entwickeln permanent neue Technologien und Lösungen. Vielleicht passen einige davon genau zu Ihrem Geschäftsmodell und zu Ihrem Unternehmen. „Nutzen Sie dieses Potenzial und erwägen Sie Partnerschaften mit Start-ups und auch mit mittelständischen IT-Unternehmen, Konzernen und Beratungsgesellschaften“, raten die Fachleute. So können Sie von einem gegenseitigen Ideen- und Technologietransfer und von Synergien profitieren.

5. Investieren Sie in Ihre Mitarbeiter

Die Digitalisierung wird das Anforderungsprofil der Mitarbeiter Ihres Unternehmens radikal verändern und bestehende Hierarchieebenen verschieben. Nachdem in vielen Regionen Deutschlands Vollbeschäftigung herrscht und die Beschaffung von Arbeitskräften im Bereich Digital sehr schwer geworden ist, sollten Sie besonderes Augenmerk auf Ihre bestehenden Mitarbeiter richten und diese weiterbilden. Möglicherweise befindet sich in Ihrem Unternehmen der ein oder andere „Hidden Champion“ mit einer Zusatzqualifikation, von der Sie noch nichts wissen.

6. Stellen Sie Ihre Kunden in den Mittelpunkt

Ein Erfolgsfaktor von Digitalunternehmen wie Amazon ist, dass sie den Kundennutzen radikal in den Vordergrund stellen. Eine große Stärke des Mittelstands ist seine Nähe zu den Kunden. Nutzen Sie diesen Vorteil und integrieren Sie Ihr Netzwerk in die Digitalisierung Ihres Unternehmens. Wo stehen Ihre Kunden und Partner bei der Digitalisierung? Welche Erwartungen haben sie an Ihr Unternehmen? Der Transformationsprozess betrifft jedes Unternehmen, aber Geschwindigkeit und Umfang können variieren. Entwickeln Sie daher – wenn möglich – digitale Lösungen immer gemeinsam und partnerschaftlich mit Ihren Kunden und Partnern.

7. Nutzen Sie Ihre Daten

Machen Sie sich alle in Ihrem Unternehmen verfügbaren Daten zunutze. Auch kleinere Unternehmen und Organisationen können ihre Produkt- und Servicequalität mithilfe des geschickten Einsatzes von Big Data-Technologien deutlich steigern und etablierte Unternehmen in puncto Innovationsfähigkeit herausfordern. Die Sicherheit Ihrer IT und Ihrer Daten sollte immer oberste Priorität haben.

8. Digitalisieren Sie Ihr Geschäftsmodell

E-Mails, Datenserver, PDF-Rechnungen, ein Mobile Device Management – all das sind Beispiele der Digitalisierung, die bereits sukzessive Einzug in fast alle Unternehmen gehalten haben und die die tägliche Arbeit und deren Produktivität revolutioniert haben. Diese Entwicklung schreitet durch Neuerungen wie virtuelle Teams, die Nutzung von Software und Daten in der Cloud oder die Auswertung großer Datenmengen durch Big Data kontinuierlich weiter voran. Was aber passiert, wenn eine disruptive Technologie Ihr bisheriges Geschäftsmodell bedroht oder gar obsolet macht? Dann müssen Sie, um zu überleben, der Entwicklung insoweit folgen, dass Sie Ihr Geschäftsmodell daran anpassen oder sogar völlig neue Produkte und Lösungen für neue Zielgruppen erstellen.

9. Setzen Sie die neuesten Technologien ein

Eine Vielzahl bereits verfügbarer Technologien kann Ihnen dabei helfen, Ihre Geschäftsprozesse schneller, effektiver und kostengünstiger zu erledigen. Gerade für Mittelständler ist dies eine große Chance, Vorteile gegenüber Wettbewerbern zu erzielen. Informieren Sie sich regelmäßig über neue Technologietrends. Ist beispielsweise der Einsatz von Drohnen, 3D-Druck oder Robotern für Sie relevant?

10. Schauen Sie über den Tellerrand

Wettbewerb für Ihr Unternehmen, Ihre Produkte oder Ihre Dienstleistungen kann durch die Digitalisierung auch aus einer Richtung kommen, an die Sie bisher vielleicht gar nicht gedacht haben. Technologieunternehmen beziehungsweise internetbasierte Unternehmen haben schon heute eine Vielzahl von traditionellen Branchen für sich erschlossen und sind dort zu ernstzunehmenden Wettbewerbern geworden. Denken Sie beispielsweise an Uber, ein Taxiunternehmen, das selbst keine Autos hat oder an AirBnB, das über keine Immobilien verfügt.

Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

Mehr