Innovative Lösungen für das Stadtmarketing

Der Handel im Netz boomt, die Innenstädte in den Regionen veröden, ganze Ladenzeilen sind verwaist. Nicht in Langenfeld, der Modellstadt für die Zukunft des Handels. Dort wurden mit der Initiative „Future City Langenfeld“ zukunftsweisende und nachhaltige Lösungen für die Belebung des innerstädtischen Handels gefunden. Denn ohne Digitalisierung werden es Handelsbetriebe künftig schwer haben, und ohne den Handel werden es Städte schwer haben.

„Der stationäre Handel steht vor einer Transformation“ sagt Frank Rehme von der Düsseldorfer Future Retail Init. Er war früher beim Metro-Konzern für den Innovationsbereich verantwortlich und hat das Konzept mit Beispiel-Charakter entwickelt. Herzstück ist der ganzheitliche Ansatz. „Ziel war es, die Zutrittstüren in die Stadt abzubauen, beispielsweise über das Parken, die Sichtbarkeit der Händler im digitalen Raum zu erhöhen und die Abhängigkeit von den Öffnungszeiten zu vermindern“, erklärt Rehme.

Stadtschlüssel

Zunächst wurde der sogenannte „Stadtschlüssel“ umgesetzt, der wieder Lust aufs analoge Shoppen in der Stadt machen soll. Er besteht zum einen aus einem Payback-Coin, der mit einem Kundenkonto versehen wird und dem Einkäufer Punkte gutschreibt, die dann mit den Parkgebühren verrechnet werden. Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen in der Stadtmitte, darunter inhabergeführte Läden und Filialisten, Cafés und Apotheken machen mit. Die Karte für das Auto gewährt Verbrauchern bargeldlosen Zutritt zu den Parkhäusern und den 1500 beschrankten Parkplätzen. Das erspart das lästige Warten am Automaten. Die Parkkarte im EC-Kartenformat enthält einen Funkchip - damit öffnet sich die Parkhausschranke. Die Gebühren für das Abstellen des Autos werden monatlich im Lastschriftverfahren abgebucht. Wobei die gesammelten Rabattpunkte von der Parksumme abgezogen werden. „Der Stadtschlüssel wird rege genutzt“, lautet Rehmes Bilanz nach den ersten 100 Tagen.

Google Local Inventory

Auf die Frage: Wie bringt man einen Einzelhändler ohne Onlineshop mit seinen Produkten ins Netz?, hat Rehme eine Lösung gefunden, die in Zusammenarbeit mit der TH Köln entstand.  Als Startcase wurde das Kreativhaus Pollok in Langenfeld, das über eine große Auswahl an Wolle und Bastelartikel verfügt,  in den Service Google Local Inventory integriert. Dazu hat das Team eine Auswahl des verfügbaren Sortiments mit eigenen Mitteln digitalisiert und entsprechendes Bildmaterial erstellt. In einem zweiten Schritt wurde der Warenbestand mit dem Google-Service verbunden. Nachdem die  Richtigkeit der Daten überprüft wurde, wurde das Warenangebot des Langenfelder Einzelhändlers live geschaltet. „Die gezielte Integration in Google Shopping, die der Ladeninhaber gemeinsam mit dem Studenten vornahm, führte dazu, dass der kleine Händler heute im Großraum Köln Düsseldorf bei Google Shopping an erster Stelle steht“, sagt Rehme.

Window Shopper

Die Idee: Mit einem Window-Shopping-Projekt soll der Kunde zum Kauf animiert werden. Dazu kann der Schaufensterbummler nach Ladenschluss sein Smartphone per QR Code mit einem Monitor verbinden und damit einen Coupon fürs Wiederkommen generieren. Ein Teilprojekt, von dem man sich laut Rehme mehr versprochen habe. Leider hat dieses Angebot bei den Kunden kaum Akzeptanz gefunden. „Wir haben gelernt, dass nicht alles, was technisch machbar ist, auch beim Kunden ankommt“, so der Spezialist.

White Box

Unter dem Überbegriff „White Box“ wird im Frühjahr 2018 ein realer Raum zum Ausprobieren und Erproben gelauncht. Neben einem Welcome- und Gastrobereich soll es auch einen Co-Working-Space geben, aber auch einen Pop Up Future Store. Dafür wird in der Innenstadt ein freies Ladenlokal zur Experimentierfläche. Dort sollen dann neue Methoden für Ladenbau, Warenpräsentation, Verbindung mit virtuellen Anwendungen oder neuen Zahlungsmethoden ausprobiert werden. Verschiedene Pop-Up-Konzepte der Langenfelder, die für eine begrenzte Zeit das Ladenlokal als Verkaufsfläche nutzen wollen, um ihre Sortimente zeitweise oder zur Probe anzubieten, werden ebenfalls dort eingebunden. „Im Laden der Zukunft können Händler dann Teile ihres Sortiments anbieten, Innovationen quasi in Echtzeit anbieten und so erfahren, wie das ankommt“, sagt der Citymanager.

Smartsphäre

Die „Smartsphäre“ ist eine digitale Plattform, die es zulässt, verschiedene digitale Dienste in der Stadt miteinander zu verbinden und diese vernetzt einzusetzen. Sie ist sozusagen das Betriebssystem der Stadt und wird von den Stadtwerken Langenfeld betrieben. Das Thema Datenschutz nimmt man dabei sehr ernst. Die Daten, wer was wann gekauft hat, wolle man nicht den US-Unternehmen überlassen. „Die an vielen Stellen durch digitale Interaktionen generierte Daten bleiben in der Stadt und werden für den Bürger genutzt“, sagt der Gründer von Future Retail Init. „Die Daten, die über die Stadtwerke laufen, kann man zum Wohl der Bürger nutzen. Beispielsweise für eine bessere Nutzung der Energieressourcen oder eine Verbesserung des Verkehrsflusses“, sagt Rehme.

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

Mehr