KMU aufgepasst! Der digitale Reifegrad schafft Klarheit und reduziert kostspielige Trial-and-Error-Erfahrungen

Die Digitalisierung verändert konsequent nahezu alle geschäftsrelevanten Rahmenbedingungen und definiert Erfolgsfaktoren für Unternehmen neu. Und zwar von der Verbesserung der Arbeitsabläufe über die Optimierung der Kosten bis hin zu mehr Effektivität. Sie wirkt sich positiv auf die wirtschaftliche Nachhaltigkeit aus, da sie durch die Automatisierung von Vorgängen für Vereinfachung und Ordnung sorgt.

Umso wichtiger ist es, zu verstehen, dass die Umsetzung der digitalen Transformation nur vom „Kopf“ der Entscheider her beginnen kann. Hier müssen die Ideen, Konzepte und Vorgehensweisen entwickelt werden, die sich zu 100 Prozent an den Anforderungen des Unternehmens orientieren. Nur dann können die Mitarbeiter als Akteure angeleitet und auf die digitale Reise „mitgenommen“ werden.

Kleiner Hinweis: Bitte legen Sie die Konzentration nicht zu sehr auf die technische Umsetzung. Hier sollten besser gleich Spezialisten mit an den Tisch. Damit lassen sich oft nervige und kostenintensive Trial-and-Error-Erfahrungen vermeiden. 

Der digitale Fahrplan muss flexibel sein

Wenn Sie Ihre digitale Transformation erfolgreich gestalten möchten, brauchen Sie einen einfachen, klar strukturierten und übersichtlichen „Fahrplan“. In diesen Plan, der selbstverständlich auf ihr Unternehmen zugeschnitten ist, schreiben Sie die Stationen, die Reisezeit, Ausweich- bzw. Anschlussmöglichkeiten, etc. So können Sie, falls erforderlich, jederzeit Änderungen und Justierungen vornehmen.

Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Geschäft nicht im Wortsinn „von heute auf morgen umkrempeln“. In jedem Veränderungsprozess ist Kontinuität dem reinen Prozessaktionismus vorzuziehen.

Digitale Transformation mit Blick auf den digitalen Reifegrad angehen

Wie gehen Sie nun die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen praktisch an? Auf jeden Fall konzentriert bzw. fokussiert. Und immer mit dem Ziel vor Augen, von Anfang an sichtbare und messbare Ergebnisse zu erreichen.

Damit das gelingt, ist die Vereinfachung ein zentraler Schlüssel. Es gilt, eine strukturierte Vorgehensweise zu entwickeln, um sich daran orientieren zu können.

Ich empfehle im Kontext der Ermittlung des digitalen Reifegrads folgende vier unternehmensrelevante Bereiche zu priorisieren: Kundenbetrachtung, Mitarbeiteranforderungen, Optimierung der Arbeitsabläufe und Geschäftsmodellinnovation.

Ferner müssen Sie Zug um Zug weitere Themen berücksichtigen. Dazu gehören zum Beispiel die Kultivierung und Bereitstellung von Wissen oder auch Anforderungen an die IT-Sicherheit.

Am Reifegrad orientierte Herangehensweisen

Im Prinzip gibt es verschiedene Herangehensweisen: Verfügt Ihr Unternehmen bereits über eine hohe digitale Affinität, die von der Führungsebene ausgeht, macht es durchaus Sinn, den Transformationsprozess von innen heraus zu strukturieren und zu starten.

Sind diese Kompetenzen nicht in entsprechendem Umfang vorhanden, sollten Sie sich mit Technologie- oder Digitalisierungsexperten der Verbände oder Organisationen an einen Tisch setzen. Es spricht auch nichts dagegen, die Expertise von Beratungsunternehmen in Anspruch zu nehmen.

Zwischenzeitlich werden von den unterschiedlichsten Einrichtungen auch online-basierte Reifegrad-Checks angeboten. Gut gemachte Checks verschaffen Ihnen eine brauchbare Orientierung, wo Sie in Sachen Digitalisierung geradestehen.

Die Ergebnisse dieser Checks helfen, unternehmensrelevante Erkenntnisse schneller und effektiver zu analysieren und auch zu verdichten.

In Abhängigkeit der inneren Struktur, der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Markt- bzw. Wettbewerbssituation des Unternehmens sollten Sie die genannten Fokusbereiche in der Reihenfolge der für Sie zutreffenden Relevanz angehen. Ferner gilt es noch, Folgendes mit in das Kalkül einzubeziehen: Ihre Kunden sind heute bereits digital aufgestellt und erwarten von Ihnen Gleiches!

Prioritäten bestimmen

Geschäftspartner, Kreditgeber, Großhandel etc. arbeiten zunehmend digital und setzen den Dialog auf Augenhöhe voraus. Mitarbeiter sind garantiert digital unterwegs und wollen ein modernes Arbeitsumfeld nutzen. Mitbewerber profitieren bereits von den positiven Effekten der Digitalisierung.

Trotz des möglicherweise entstehenden Handlungsdrucks macht es aus meiner Sicht wenig Sinn, allen Anforderungen von Anfang an die gleiche Priorität einzuräumen.

Wenn die Komplexitätsfalle erst einmal zugeschnappt ist, wird es schwierig für Sie, Ihr Unternehmen kontrolliert – sprich eigenbestimmt und in einer für alle Beteiligten beherrschbaren Geschwindigkeit – mit der digitalen Welt zu verbinden.

Die wichtigsten Stationen des Fahrplans

Der digitale Fahrplan schafft die Voraussetzung für den kontrollierten Transformationsprozess. Bei dessen Entwicklung sollten Sie sich zunächst auf die Bereiche in Ihrem Betrieb konzentrieren, die den größten Handlungsbedarf haben.

Die meisten Transformationsprozesse beginnen mit der Kundenbetrachtung:

Kennen Sie die (digitalen) Wünsche der eigenen Kunden und Interessenten hinsichtlich Services, Kommunikation und Zusatzangeboten? Wie weit können Sie sich mit den vorhandenen Ressourcen auf deren Anforderungen „einlassen“? Was müssen Sie ändern? Wo investieren? Wie können Sie vorhandene Wissenslücken schließen? Muss Ihr Unternehmen „überall“ mit dem Wettbewerb digital gleichziehen, um nicht ins Hintertreffen zu gelangen?

Dann können Sie den Fokus auf die Arbeitsabläufe und Mitarbeiter legen:

Wie sollte die Zusammenarbeit digital verbessert werden? Welche neuen Services können Sie über die Cloud beziehen? Macht es Sinn, dass Sie sich mehr mit der Auswertung von Daten beschäftigen? Ist die Dezentralisierung von Arbeitsplätzen für Ihr Unternehmen sinnvoll? …

Die „Überarbeitung“ bestehender Geschäftsmodelle bzw. die Entwicklung ganz neuer Geschäftsfelder entsteht häufig intuitiv und ist ein wichtiger Bestandteil des Transformationsprozesses.

Erfahrungsgemäß besteht das Grund-Set-up des ersten Frageblocks aus zirka 80 bis 120 Basisfragen, die es zu beantworten gilt. Daraus entsteht das Grundgerüst, um den digitalen Fahrplan zu entwickeln.

Der zweite Fragenblock zielt auf die individuellen Anforderungen und Spezifika des Unternehmens ab. Die hier gewonnenen Erkenntnisse machen aus dem o. g. Gerüst eine valide Anleitung.

In jedem Fall gilt es, sich nicht zu verzetteln. Eine zu weit gefasste Strategie würde die Entstehung von Dynamik als gewünschte Folge Ihrer digitalen Transformation in ausbremsen, da Erfolge möglicherweise nicht direkt messbar sind.