Neues Berufsbild: Conversational User Interface Designer

Die Digitalisierung schafft ständig neue Berufsbilder. Eines davon ist das des Conversational User Interface Designers, denn Sprachsteuerung via Alexa, Siri und Kollegen ist ein Mega-Trend. Und überall da, wo anstelle von Mouse und Fingertouch die Sprache die gemeinsame Kommunikationsebene zwischen Mensch und Technik ist, werden diese Spezialisten gebraucht. Auch im Bereich Smart Home, Smart City und Home Entertainment sind solche Experten gefragt. Sie tüfteln an Lösungen und Apps für die unterschiedlichen Endgeräte, zudem begleiten sie den gesamten Produktentwicklungszyklus. „Ein CUI-Designer ist ein Dolmetscher zwischen dem Wunsch, möglichst natürlich mit einer Maschine kommunizieren zu können und dem, was technisch machbar ist“, sagt Nils Kassube, Geschäftsführer der Hamburger Agentur Nuuk, die unter anderem Alexa-Skills entwickelt. Er spricht über Anforderungen, Chancen und Zukunftsaussichten des neuen Berufsbildes.

Was macht eigentlich ein CUI-Designer genau?

Traditionell bedient man Computer über eine Kommandosprache oder eine grafische Bedienoberfläche. Das heißt, der Nutzer passt sich der Maschine an. Mit Conversational User Interfaces, seien es nun Chatbots oder Sprachassistenten, ist es möglich, dass ein Nutzer sein Ziel sehr viel einfacher erreichen kann. Nämlich so, wie er auch mit einem Menschen kommunizieren würde, durch "natürliche" Sprache. Denn bedauerlicherweise sind, trotz allem, was das Marketing suggiert, Chatbots und Sprachassistenten nicht intelligent.

Wie funktioniert das?

Ein CUI-Designer gestaltet diese Dialoge unter Kenntnis der aktuellen technischen Möglichkeiten. Für eine bestimmte Aufgabe müssen die Ablaufpfade im Detail festgelegt werden. Was geschieht bestenfalls? Was im Fehlerfall? Was, wenn der Assistent den Nutzer nicht verstanden hat oder umgekehrt? Benötigt wird zum einen technisches Wissen, um Dialoge zumindest in Form von Prototypen umsetzen zu können, zum anderen ein sehr gutes Sprachverständnis. Man muss dem Nutzer erfolgreich die Illusion vermitteln können, dass er mit einem intelligenten Gegenüber redet. Typische Werkzeuge eines CUI-Designers sind Dialogflow von Google und der Amazon StoryWriter.

Welche Ausbildung braucht man dafür?

Um die technischen Möglichkeiten und insbesondere die Einschränkungen von Alexa, Google Assistant & Co zu verstehen, ist ein technischer Hintergrund sehr hilfreich. Das muss nicht zwingend ein Informatik-Studium sein. Auch eine Sprachwissenschaftlerin oder ein Sprachwissenschaftler sind bestens geeignet, wenn sie sich für Technik begeistert können und dort auch Dinge in der Tiefe selbst ausprobieren möchten. 

Welche Softskills sind neben den fachlichen Grundlagen wichtig?

Man braucht viel Empathie. Wenn ein Mensch mittels Sprache kommuniziert, ist vieles nicht eindeutig. Oder es gibt etliche Möglichkeiten, ähnliches auszudrücken. Wer Dialoge für die aktuell verfügbaren Systeme gestaltet, muss stets eine Gratwanderung machen zwischen dem technisch Machbaren und dem, was ein Mensch erwartet.

Ist in diesem Bereich ein Fachkräftemangel spürbar?

Ja, vor allem weil dialoggesteuerte Lösungen voraussetzen, dass sich jemand sehr gut in der jeweiligen Sprache auskennt. Outsourcing nach Indien ist de facto nicht möglich. Gerade für Sprachwissenschaftler könnte der Bereich spannend sein.

Wie sind die Verdienstmöglichkeiten im allgemeinen?

Bisher gibt es nur wenige Firmen, die sich wie Nuuk gezielt auf diesen Bereich spezialisieren. Das macht generelle Aussagen natürlich schwierig. Grundsätzlich sollten die Verdienstmöglichkeiten für Geisteswissenschaftler sehr attraktiv sein.

Wie sind die Zukunftsaussichten in diesem Bereich?

Exzellent. Die Akzeptanz von Sprachassistenten übertrifft bisher deutlich unsere Erwartungen. In den kommenden Jahren wird es selbstverständlich werden, viele Interaktionen mit Maschinen einfach per Sprache durchzuführen.

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

Mehr