„Robollege“: Roboter-Kollegen, Fluch oder Segen?

Seien Sie mal ehrlich: Die Vorstellung, für lästige Aufgaben nie wieder einen Finger krumm machen zu müssen, ist doch für jeden von uns höchst attraktiv. Wie schön wäre es, wenn sich daheim die Teller von alleine wüschen oder einen alle unliebsamen beruflichen Aufgaben nicht mehr tangierten: Botengänge, Kaffee kochen, Montagearbeiten, Reinzeichnungen uvm. Eine solche Zukunft ist gar nicht mehr so fern – Kollege Roboter, oder wie ich ihn gerne nenne „Robollege“, teilt sich schon bald den Arbeitgeber mit uns. Sind KI im Unternehmen aber nun Freund oder Feind? Schaffen sie ein neues, besseres Arbeitsgefühl oder einfach nur Arbeitsplätze ab?

Starke und schwache KI

Roboter werden irgendwann zu überintelligenten Supermaschinen, die den Menschen unterwerfen und die Weltherrschaft an sich reißen – so das Bild, das uns spätestens seit dem Film „Terminator“ als dystopisches Zukunftsszenario in den Kopf gepflanzt wurde. Eine Welt, in der der Mensch für die Evolution aller Dinge völlig überflüssig wird. Ich kann Sie aber beruhigen, eine solche Bedrohung steht uns nicht bevor.

Die heutige Forschung im Bereich KI (Künstliche Intelligenz) hat zwar die Siebenmeilenstiefel fest geschnürt – von solch einer Zukunft sind wir jedoch glücklicherweise noch weit entfernt. Laut der 100-Jahr-Studie der University of Stanford, ist auch in den nächsten 15 Jahren wohl nicht damit zu rechnen, dass sich die Schreckenstheorien in die Realität umwandeln werden. Es wurden und es werden auch in näherer Zukunft keine Konzepte entwickelt, die sich langfristig autonom versorgende Maschinen beträfen.

Tatsächlich soll eine KI dem Menschen in allererster Linie eine Hilfe sein und ihn in alltäglichen Prozessen unterstützen. Inspiriert ist die Forschung durch das menschliche Gehirn, wie Nervensystem und Körper funktionieren und wie der Mensch fühlt, abwägt, lernt und entscheidet. Der Beginn dieser Feldforschung liegt bereits 60 Jahre zurück, aber gerade in den letzten Jahren konnte hier eine rasante Entwicklung beobachtet werden, gerade im Bereich der sogenannten „schwachen KI“.

Das Forschungsgebiet der schwachen KI befasst sich mit konkreten Problemlösungen, die eine bestimmte Form von Intelligenz benötigen. Errungenschaften aus diesem Gebiet sind zum Beispiel die Handschriftenerkennung auf Tablets, Bremsassistenten im Auto oder NPCs (Non-Playable-Characters, vom Computer gesteuerte Charaktere) in Videospielen. Der Bereich der starken KI forscht an der Entwicklung eines richtigen Bewusstseins bei Maschinen. Wieder hält Hollywood uns da ganz gut den Spiegel vor: In Filmen wie „Her“ oder auch „Ex Machina“ können wir sehen, wohin und wie weit eine solche Entwicklung mit Maschinen und Systemen gehen könnte.

Mensch-Roboter-Kollaboration

Natürlich dürfen wir aber die Augen auch nicht vor den negativen Konsequenzen verschließen, die eine starke Entwicklung im Bereich KI unweigerlich mit sich bringen wird. Ja, einige Jobs werden (so lässt es sich vermuten, wenn man den aktuellen Stand betrachtet) sicherlich durch Maschinen ersetzt werden. Laut einer Studie des Bundesarbeitsministeriums bewegen sich sogar 42% aller Arbeitnehmer in Berufen mit Automatisierungswahrscheinlichkeit.

Früher waren nur Arbeitsplätze niedrigqualifizierter Arbeitnehmer betroffen, heute kann man auch auf eine Gefährdung durchschnittlich bis hochqualifizierter Berufstätiger blicken. „Ross“ hilft Juristen in den USA, sich durch das komplizierte Insolvenzrecht zu schlagen und „Watson“ unterstützt Ärzte bei Krebsdiagnosen und -behandlungen.

Sicher machen auch mir solche Studien manchmal ein wenig Angst. Aber im Grunde bin ich fest davon überzeugt, KI im Unternehmen sind eher als eine Mensch-Roboter-Kollaboration zu sehen. Sie bilden eine Symbiose, in der die Maschine dem Menschen unliebsame und lästige Aufgaben abnimmt oder erleichtert; nicht nur durch Software, sondern sicherlich auch durch physisch existente KI, also ein haptisch gefertigter „Roboterassistent“. Gerade in Bereichen wie der Feinmechanik, die heute noch immer überwiegend von Menschen ausgeführt wird, können solche Roboter wunderbar assistieren, z. B. bei kleinteiligen Montagearbeiten.

Seite an Seite mit Maschinen

Das einzige Problem hierbei: Die meisten aktuellen Roboter erfüllen nur wenige Kriterien, die das freie Arbeiten von Mensch und Maschine nebeneinander ermöglichen. Eine sichere und zuverlässige Hard- und Software muss für eine reibungslose Interaktion mit menschlichem Personal gegeben sein. Nur wenige Roboter erfüllen diese Anforderungen, derzeit besitzt beispielsweise die NASA einen solchen und ein deutsches Unternehmen hat Franka Emika entwickelt; einen Roboterarm, der sich nicht nur selbst reproduzieren, also zusammenbauen kann, sondern auch in der Lage dazu ist, physischen Kontakt mit seiner Umgebung zu spüren. So könnte man ihn z. B. mit einem Messer in seiner Greifhand auf einen menschlichen Arm zusteuern lassen und er würde, sobald die Messerspitze den Arm berührt seine Bewegung sofort stoppen.

Genau solche Entwicklungen sind ein großer Schritt in Richtung „Robollege“ – mit dieser Art von Maschinen ist es möglich, ohne einschränkende Schutzkleidung oder hohe Schutzwände, Seite an Seite mit einem Roboter zu arbeiten. Egal, ob im Büro, in der Natur oder im Werk beim Schrauben, Montieren, Bohren. Die meisten Roboter würden einen mit nur einer einzigen schwungvollen Bewegung umnieten und bekämen es nicht mal mit. Mit solch einer „fühlend“ intelligenten KI ist diese Gefahr passé. Und wer weiß, vielleicht helfen uns genau solche Intelligenzen auch später mal als Butler bzw. „Botler“ dabei den Trenchcoat zuzuknöpfen, die Zucchini zu schneiden oder mit unseren Kindern einen schönen Gänseblümchenstrauß im Park zu pflücken.

Wird der Mensch arbeitslos?

Ich sage Nein. Die Digitalisierung in Unternehmen, die Entwicklung in der Robotik und deren Einfluss auf die Arbeitnehmerwelt wird einige Jobs obsolet machen, dafür aber andere konzeptionelle, neue Jobs erschaffen. Zum Beispiel werden Ingenieure gefragter sein denn je. Und auch im Kreativ- und Konzeptions-, sowie mechanischen Wartungsbereich wird es einen hohen Bedarf geben. Der Mensch wird in der Zusammenarbeit mit Robotern weniger „Ballastaufgaben“ erledigen müssen und hat demnach mehr Raum, um sich kreativ und kognitiv in seinem Arbeitsbereich zu entfalten. Wenn die Menschen der KI-Entwicklung offen gegenüberstehen, könnte die Gesellschaft sich zum Besseren wenden. Jetzt liegt es in erster Linie an den Forschern und Entwicklern, dieses Vertrauen zu gewinnen.

Nathalia Traxel

Nathalia Traxel ist bei d.Tales für Content Konzeption & Content Management verantwortlich und unterstützt Kunden vor allem in den Bereichen Content Distribution, aktives Themenmanagement, Copy Writing und Content Design. Sie besitzt einen B.A. in Online Journalismus mit Schwerpunkt PR und Kommunikation und war lange Zeit freie Mitarbeiterin und Online Redakteurin beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt.

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