Teil 2: Google Nearby ist nicht die Lösung, Services sind es

Im ersten Teil konnten Sie lesen, dass die Fachpresse Google Nearby als den Durchbruch bei den Location-based Services feiert. Schauen wir weiter:

Antizipation als Wettbewerbsvorteil – Digitale Assistenten kommen

Richtig spannend wird es im lokalen Bereich, wenn Services zukünftigen Bedarf antizipieren. Stellen Sie sich vor, Sie erhalten schon auf dem Weg zum Flughafen automatisch ohne ein Abo Push-Informationen zu Ihrem Flug, die Sie sich direkt in Ihren Kalender eintragen können. Erst wenn der persönliche Assistant Realität wird, fängt der Location-based Bereich an, richtig abzuheben.

Warum dauert es lokal länger? Datenschutz? Eher nicht.

Viele behaupten, dies läge an Datenschutzbedenken und Vorbehalten gegenüber Location-based Services. Dies ist nur die halbe Wahrheit, denn ein Großteil der Nutzer hat heute schon für recht geringe Mehrwerte die lokale Ortung freigeschaltet. Der Lokalbezug macht zwar viele Nutzer nervös, aber am Ende des Tages überwiegt aber doch der Mehrwert gegenüber den Datenschutzbedenken. Zumindest in der Regel. Doch auch hier bleibt das Problem, welcher Mehrwert wird geschaffen.

Das Problem – Disziplin bei Mitteilungen

Wenn ich eine Mitteilung, eine Notification, auf mein Handy bekomme, dann muss es wirklich eine Bedeutung für mich haben. Überflüssige, sinnlose Notifications werden sofort und ganz konsequent abgeschaltet. On-Demand-Nutzung von mobilen Devices für kontextbezogene Informationen findet zwar statt, aber meistens im Zusammenhang mit Navigation. Üblicherweise auf Reisen, die nicht in meinem heimischen Bereich stattfinden. Es gilt, sich zu disziplinieren. Wenn wir das nicht tun, werden Meldungen abgeschaltet und ignoriert.

Spannend bleibt also die Frage: Wie können Location-based Services denn nun erfolgreich werden? Die Antwort ist: Mehrwertdienste, Mehrwertdienste und Mehrwertdienste. Und wo soll der Mehrwert herkommen? Hier einige Ideen:

Investition in Kreativität und Technik

Wir müssen investieren und zwar nicht nur Geld – die Technik für Location-based Services ist mittlerweile recht günstig verfügbar – sondern vor allem auch in Kreativität und manuelle Arbeit. Spaß macht es dann, wenn uns die lokalen Händler umfangreiche Informationen und aktuelle Inhalte zur Verfügung stellen. Noch mehr Spaß macht es, wenn die Services den Kontext berücksichtigen, in dem wir uns gerade befinden. Lokal ist zwar bereits der stärkste Kontext, aber die kritische Grenze wird dann überschritten, wenn zusätzliche Mehrwerte verfügbar sind.

Orte mit hohen Besucherfrequenz müssen die Vorreiter sein

Idealerweise starten wir an Orten mit einer hohen Frequenz, wo lokale Services kurzfristig und einfach erklärbar ihre Mehrwerte liefern können. Wenn ich in einer App sehe, wo ich gerade die kürzesten Anstellzeiten in einem Vergnügungspark habe, dann wird dies interessant für mich. Denn ich spare Zeit, die ich besser nutzen kann und nicht mit Warten zubringen muss. Immer wenn es um Reisen geht, habe ich erhöhten Informationsbedarf und brauche diesen bequem und kontextsensitiv auf meinem Gerät.

Es ist an der Zeit, nach Social und Mobile, jetzt auch Location mit Elan anzugehen. Fragen Sie diesmal nicht nur die Ingenieure der großen Silicon Valley Unternehmen, sondern in ganz besonderem die lokalen Händler, die auf den Plattformen eben dieser Unternehmen ihre Informationen optimal bereitstellen können. Die Technik ist noch nicht vollends ausgereift, aber vorhanden und stellt eine gute Voraussetzung für das Durchstarten von Location-based Services dar.

Jetzt fehlt esnur noch an Mehrwerten, um das Thema dauerhaft beim Nutzer zu positionieren. Los geht’s.

Prof. Dr. Jürgen Seitz

ist Professor für Marketing, Medien und die Digitale Wirtschaft an der Hochschule der Medien in Stuttgart (www.hdm-stuttgart.de). Davor war er Geschäftsführer und Gründer der United Internet Dialog GmbH, einer Performance- und Digitalmarketing Firma der United Internet Gruppe. Darüber hinaus verantwortete er das Produktmanagement der United Internet Media AG und war maßgeblich am Wachstum zum marktführenden Vermarkter in Deutschland beteiligt.

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