Was bedeutet Digitalisierung?

Unternehmer müssen und wollen sich den Herausforderungen digitaler Transformation stellen. Doch wo sollen Sie anfangen? Grundsätzlich müssen Sie sich als Verantwortlicher bewusst werden, was Digitalisierung für Ihr Unternehmen bedeutet. Denn noch bevor Aspekte von Digitalisierung angegangen und umgesetzt werden, sollte im ersten Schritt verstanden werden, dass Digitalisierung sehr viel mehr ist, als ein zu budgetierendes IT-Projekt. Für den einen Vorstand geht es vielleicht um Technologie, für den Bereichsleiter Vertrieb & Marketing geht es eher um neue Leads und mehr Kundenbindung, für einen anderen um eine völlig neue Art von Produkten. Alle Sichtweisen sind richtig und legitim; die Vielfalt zeigt die verschiedenen Spielarten von Digitalisierungen.

Gemeinsame Ausrichtung? Schlüssige Vision?

Doch durch die verschiedenen Sichtweisen besteht das Risiko, dass die Landkarten der Beteiligten nicht übereinander gelegt werden können und der Start in die digitale Transformation wenig erfolgreich wird. Fehlgeleitete Einzelprojekte, träge Performance, wenig systematischen Initiativen, verpasste Chancen, verbranntes Kapital – ein Fehlstart.

Viele CEOs drängen immer stärker auf die Erstellung einer Digitalen Agenda; oftmals ohne vorher die verschiedenen Sichtweisen in Einklang zu bringen und das Vokabular zu schärfen. Doch alle Verantwortlichen müssen beim Thema Digitalisierung ein klares gemeinsames (!) Verständnis haben: was bedeutet Digitalisierung für einzelne Business Units, was für das Geschäft als Ganzes?

Daher muss das Thema Digitalisierung weniger als Handlungsanweisung, sondern vielmehr als Haltung verstanden werden. Digitalisierung muss sich in der Unternehmenskultur verankern.

Thorsten Greiten

Digitalisierung heißt nicht „Was?“ sondern „Wie?“

Es ist immer verlockend, nach einfachen Definitionen oder schnellen Lösungen zu suchen. Aber um nachhaltig und sinnvoll zu agieren, bedarf es mehr. Daher muss das Thema Digitalisierung weniger als Handlungsanweisung, sondern vielmehr als Haltung verstanden werden. Digitalisierung muss sich in der Unternehmenskultur verankern. Es geht dabei nicht in erster Linie um das hierarchisch organisierte „Was?“, sondern das „Wie?“. Diese Haltung findet auf drei völlig unterschiedlichen Feldern statt:

  1. Kunden & Stakeholder:Die eigenen Produkte & Services erhalten eine Wertsteigerung durch digitale Kundenerlebnisse oder -erfahrungen, die auch monetarisiert werden können. Mitarbeiter, Investoren und Öffentlichkeit können z. B. durch smarte, mobile Kommunikationslösungen mit hochwertigem Content an die Marke resp. das Unternehmen gebunden werden.
  2. Intern:Etablierte Prozesse werden durch digitale Innovationen und Schnittstellen optimiert und führen zu Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen. Neben der Infrastruktur und Schnittstellen, konzentrieren sich die Investitionen auf die digitalen Fähigkeiten der Mitarbeiter.
  3. Extern:Das Geschäftsmodell wird derart angepasst, dass es den disruptiven Veränderungen der globalen digitalen Veränderungen standhält oder sogar selbst eine Veränderung herbeiführt. Wer hier nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Dieses dritte Feld mag Ihnen zunächst diffus und indifferent erscheinen, ist jedoch für den Aufbau einer digitalen Vision sowie das eigene Überleben im Wettbewerb sicher das entscheidende. Es gibt zahlreiche Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit für das blitzschnelle Zerfallen kompletter Märkte:

  • Netflix: Der weltgrößte Anbieter von Kinofilmen hat keine eigenen Lichtspielhäuser.
  • Skype und WeChat: Die größten Telefonie-Unternehmen besitzen keine eigene Infrastruktur, bzw. eigene Netze.
  • Uber: Das weltgrößte Taxi-Unternehmen besitzt keine eigenen Taxis.
  • Airbnb: Der größte Anbieter für Übernachtungsmöglichkeiten besitzt keine eigenen Immobilien.

Um digital durchstarten und mitmischen zu können, muss daher alles auf den Prüfstand. Das bedeutet vor allem die Art und das Verständnis neu zu betrachten, wie Unternehmen bisher (erfolgreich) Geschäfte angebahnt und abgewickelt haben:

  • Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen? Wo tun sich neue Bedrohungen und Risiken auf? Welche Grenzen verschieben sich gerade?
  • Verändern sich Kundensegmente? Wie stabil sind Ihre Kundenbeziehungen? Wie verändern sich Einnahmequellen? Wie funktioniert die „Customer Journey“?
  • Gibt es neue Player, die man nicht betrachtet hat, weil diese außerhalb des eigenen Sektors tätig waren? Wie verändert sich die value proposition?
  • Wo liegen enorme Chancen, wie z. B. im „Internet der Dinge“? Wie können Cloud- oder mobile Endgeräte-Technologien genutzt werden?
  • Welche Datenschätze liegen im Unternehmen? Welche Daten können darüber hinaus erhoben und genutzt werden?
  • Wie steht es um die eigenen Wertschöpfungsketten? Wer sind die Schlüsselpartner? Wie lauten die Schlüsselaktivitäten?
  • etc.

Digitalisierung heißt auch Verständnis schaffen

Digitalisierung bedeutet zu allererst die Erschließung von Wachstum. Wie Unternehmen und Führungskräfte diese Definition interpretieren, wird stark variieren. Allen gemein ist jedoch, die Grundvoraussetzung für ein klares Verständnis zu entwickeln, welche Rolle Digitalität für ihre Vision spielt. Und wie sie zukünftig Werte schafft.

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Thorsten Greiten

studierte BWL mit den Schwerpunkten Steuerlehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Mannheim. Er ist Geschäftsführer der NetFederation GmbH und fachlich verantwortlich für den Bereich Digital Finance & Banking. Seit 2003 untersuchen er und sein Team von Spezialisten jährlich die Internetauftritte von 110 Unternehmen aus DAX30, MDAX, SDAX und TecDAX.

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