Augmented Reality – ein Zukunftstrend für den Mittelstand?

Berufsgruppen wie beispielsweise Chirurgen oder Flugzeugmechaniker benötigen für ihre Arbeit zwei freie Hände und dennoch fortwährend Detailinformationen zu aktuellen Problemstellungen. Daher wurde vom Dresdner Fraunhofer-Zentrum „Comedd“ die augengesteuerte OLED-Brille entwickelt. Mithilfe von Augmented Reality (AR) sieht der Nutzer nicht nur seine aktuelle Umgebung, sondern über zwei Mini-Bildschirme können Zusatzinformationen wie beispielsweise Anleitungen oder Bilder eingeblendet werden. Diese Informationen können über die Augenbewegungen des Nutzers gesteuert werden, um so durchgehend mit beiden Händen arbeiten zu können. Diese technische Neuerung erhielt auf der diesjährigen CeBIT den ‚Innovationspreis IT’ der Initiative Mittelstand im Bereich Hardware und zeigt, dass neben Google auch in Deutschland intensiv an Datenbrillen geforscht wird.

Bei Augmented Reality, also einer erweiterten Realität, handelt es sich um eine computergestützte Wahrnehmung, bei der sich die reale und die virtuelle Welt vermischen. In die aktuell betrachtete Realität werden in Echtzeit Texte, Grafiken oder sogar Videos eingeblendet. Gegenüber einem QR-Code, der lediglich eine Abkürzung zu einer bestimmten URL darstellt, hat AR den Vorteil, dass sie den hinterlegten Inhalt ohne Umweg und weitere Suche an Ort und Stelle liefert und ästhetisch den Kunden stärker anspricht.

Im Marketingbereich ist beispielsweise der mobile Einsatz von Tablets und Smartphones auf Messen oder bei Kundenterminen interessant. So konnten Besucher der Agritechnica bereits 2011 virtuelle Motorsägen ausprobieren, da benzinbetriebene echte Motorsägen in der Messehalle nicht einsetzbar gewesen wären.

Abhängig vom Medium und Einsatzort kostet eine individuell konzipierte AR-Anwendung derzeit etwa zwischen 5.000 und 30.000 Euro. Daher sollte diese Investition unbedingt einen Mehrwert für Ihr Unternehmen darstellen: Sei es eine entscheidende Arbeitserleichterung für Ihre Mitarbeiter, die z. B. direkt an einer Maschine auf ein Handbuch zugreifen können. Oder sei es der zusätzliche Nutzen für Ihre Kunden, die sich ein Produkt besser vorstellen können oder mithilfe von Augmented Reality an Ihre Marke oder die Produkte Ihres Sortiments herangeführt werden.

Beispiel 1:

Die formitas Gesellschaft für IuK-Technologien mbH hat beispielsweise für das Baugewerbe eine Applikation entwickelt, mit der Bauelemente hinter bereits verputzten Decken, Wänden oder Böden visualisiert werden können. So kann dargestellt werden, wo Leitungen oder auch Abflussrohre bereits verlegt wurden. Und auch dem Kunden können mithilfe eines solchen virtuellen Modells Maßnahmen besser veranschaulicht werden als mit zweidimensionalen Schemata.

Beispiel 2:

Die Fußball AR App von Gelbe Seiten mit dem integrierten Spiel Elfer-Held sorgte im EM-Sommer 2012 für Spielspaß bei den Fans. Zum Start des Augmented Reality Spiels werden nur die im Spielfeld (ausgedruckt oder auf dem Bildschirm) verborgenen Marker benötigt um sich zu initialisieren. Erst dann werden Elfmeter-Schütze und Ball in der App sichtbar und das Spiel kann beginnen. Durch die zusätzliche Integration von EM News, Public Viewing Standorten und der Branchensuche, wurde so eine junge Zielgruppe spielerisch an die lokalen Services von Gelbe Seiten herangeführt.