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Digitale Finanzkommunikation: Drei Trends 2019 für Investor Relations

Megatrends wie Globalisierung, New Work oder Connectivity wirken unter dem „Brennglas“ Digitalisierung bis in die tägliche IR-Arbeit und Unternehmenskommunikation hinein. Betroffen sind fast alle Bereiche von eingesetzter Technologie, IT Governance, sich ändernden Zielgruppen, Organigramm und Unternehmenskultur über neue Zielvereinbarungen oder Formen der Berichterstattung. Hinzu kommen FinTechs, Regulierung, künstliche Intelligenz, Big Data etc. – die Herausforderungen und Entwicklungen, mit denen sich Kommunikationsprofis heute beschäftigen müssen, wenn sie morgen noch ihren Job machen wollen, werden nicht weniger.

Die Auswirkungen digitaler Disruption schlagen härter denn je im Arbeitsalltag auf. Vor allem für Akteure der Finanz- und Kapitalmärkte sind die Herausforderungen deutlich spürbar! Um hier nicht unterzugehen, braucht es eine umfassende IR-Digitalstrategie, die sämtliche Bedürfnisse der Stakeholder berücksichtigt. Hier zeichnen sich verschiedene Trends ab, mit denen IR-Verantwortliche sich zukünftig stärker beschäftigen müssen.

Social Media und Social-Trading-Plattformen für Investor Relations

Oft ist es nicht nur die fehlende Strategie, sondern auch der Mangel an Know-how oder schlichtweg Ressourcen, die jegliche Social-Media-Kommunikation brach liegen lässt. Dabei eignet sich gerade Twitter ideal, um in kürzester Zeit relevante Inhalte zu sammeln, auszuwerten und/oder zu verbreiten. Was treibt die Zielgruppe um? Wer sind die Influencer und Meinungsmacher? Wo steht das aktuelle Stimmungsbarometer gegenüber Aktie und Unternehmen? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, findet sie am schnellsten über die digitalen Kanäle des Kapitalmarkts.

Potenzielle Anleger finden bei Social-Trading-Plattformen wie wikifolio, eToro oder ayondo echte Alternativen zum börslichen Handel. wikifolio beispielsweise hat sein Handelsvolumen innerhalb von knapp zwei Jahren verzehnfacht. Die klassischen Börsen klagen über spürbare Umsatzeinbrüche, die über Social-Media-Plattformen an ihnen vorbeiziehen. Und dieser Trend verlangt eine Anpassung der digitalen Kommunikationsstrategie: Unternehmen, die in den sozialen Communitys nicht vertreten sind, werden längerfristig ein Problem bekommen.

Darüber hinaus sind sogenannte Social Signals, neben guter SEO-Technik und einer funktionierenden Backlink-Strategie, das Mittel der Wahl, um bei Google auf die erste Seite zu rutschen! Sichtbarkeit im digitalen Raum funktioniert 2019 nur über ein couragiertes Social-Media-Engagement.

Unternehmerische Verantwortung und integriertes Nachhaltigkeits-Reporting

Gesellschaftliche Verantwortung, Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz gehören zu den wichtigsten Themen unserer Zeit, die auch Unternehmen immer stärker in die Pflicht nehmen. Betriebe ab 500 Mitarbeitern müssen seit dem Geschäftsjahr 2017 zusammen mit dem Haupt-Geschäftsbericht ein CSR-Reporting publizieren. Der Trend geht hier zum integrierten Nachhaltigkeitsbericht, bei dem Umwelt- und Sozialaspekte innerhalb des Geschäftsberichts veröffentlicht werden, anstatt in einer eigenen Publikation.

Dieser Trend spiegelt die Relevanz des Themas Corporate Social Responsibility innerhalb der Unternehmen bzw. deren Gesamtstrategie. Transparenz und Glaubwürdigkeit in der Berichterstattung ist für alle Adressaten bedeutend; für Investoren vor allem deshalb, weil sie beim Aktienkauf sehr genau wissen wollen, wie zukunftsfähig das entsprechende Wertpapier ist.

Künstliche Intelligenz und Chatbots

In der Wissenschaft ist sie bereits etabliert, in der Wirtschaft steckt sie noch in den Kinderschuhen: Künstliche Intelligenz (KI) wird für Kommunikationsverantwortliche immer wichtiger. Gerade die Investor Relations können von den neuen Entwicklungen profitieren, denn gute Tools sind bereits marktreif. So unterstützen Digitale Assistenten oder Chatbots den auf Effizienz getrimmten Nutzer bei der Navigation durch ein komplexes Dickicht an Dokumenten, Downloads oder Links und bringen sie schneller zu den gewünschten Informationen.

Für den Kommunikationserfolg von Konzernen wird es also zunehmend um die Erstellung von Interface-optimierten Antworten gehen, statt sich mit der Redakteursfrage im CMS zu befassen: “Wo hänge ich die Information denn nun auf?”. Bei Chatbots heißt das, die Nutzeroberfläche derart userfreundlich zu gestalten, dass die User mit dem Unternehmen interagieren, sich ihre Verweildauer erhöht und sie trotzdem zufriedener und schneller ans Ziel kommen.

Thorsten

studierte BWL mit den Schwerpunkten Steuerlehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Mannheim. Er ist Geschäftsführer der NetFederation GmbH und fachlich verantwortlich für den Bereich Digital Finance & Banking. Seit 2003 untersuchen er und sein Team von Spezialisten jährlich die Internetauftritte von 110 Unternehmen aus DAX30, MDAX, SDAX und TecDAX. Mittlerweile wurden über 10.000 einzelne Websites mit fast 5 Mio. Einzelbewertungen analysiert. Die Ergebnisse dieser Analysen sind bereits in zahlreiche Publikationen, Artikel und Studien eingeflossen. Thorsten Greiten ist seit vielen Jahren als Dozent für den Bereich Investor Relations im Internet für das F.A.Z-Institut, den Management Circle oder den Deutscher Investor Relations Verband in Frankfurt am Main tätig.

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