Neuer Trend: Voice Marketing

Sprachassistenten wie Alexa von Amazon, Siri von Apple oder Bixby von Samsung erfreuen sich großer Beliebtheit: Drei von vier Deutschen (75 Prozent) haben bereits Erfahrungen mit digitalen Sprachassistenten gesammelt oder können sich vorstellen, diese zu nutzen. Das ergab eine aktuelle Studie des Bundesverbandes Digital Wirtschaft, BVDW. Die Befragten schätzen vor allem den schnellen Zugriff auf Informationen, aber auch das Shopping via Sprachbox. Das macht das Thema Voice Marketing auch für kleine und mittelständische Unternehmen interessant

In den USA besitzt bereits jeder vierte Haushalt einen Alexa Sprachassistenten, der die Einkaufsliste notiert, die Lieblings-Playlists von Deezer abspielt, die schnellste Zugverbindung heraussucht und das Kinoticket bucht, das Heizungsthermostat steuert sowie das Licht in der Wohnung an- und ausschaltet. Auch hierzulande erfreuen sich die Sprachassistenten großer Beliebtheit. Ganz hoch im Kurs steht Google Assistant beziehungsweise Google Now – 29 Prozent der Deutschen haben hiermit schon Erfahrungen gemacht. Außerdem häufig genannt werden Apples Siri (22 Prozent), Cortana von Microsoft (14 Prozent) und Amazon Alexa (12 Prozent), die den Einkauf im Internet möglich macht. Insgesamt 56 Prozent der Befragten haben schon mal digitale Sprachassistenten genutzt, weitere 19 Prozent können sich vorstellen, das in Zukunft zu tun. 29 Prozent geben an, es komisch zu finden, mit einem Sprachassistenten zu sprechen – Frauen (34 Prozent) eher als Männer (24 Prozent). „Dass eine derart neue Art der Kommunikation auf den ein oder anderen befremdlich wirkt, ist vollkommen normal“, sagt BVDW-Vizepräsident Achim Himmelreich. „Obwohl es im Anfangsstadium natürlicherweise Bedenken gibt, wird die Konversation mit künstlicher Intelligenz in nicht allzu ferner Zukunft ganz selbstverständlicher Teil des Alltags sein.“ Laut Studie findet jeder Neunte Online-Shopping (12 Prozent) und Essen bestellen (11 Prozent) per Sprachsteuerung interessant. Das bietet Marketern neue Möglichkeiten der Kundenansprache, die es nun zu nutzen gilt.

Welche Auswirkungen hat das auf das Marketing?

Unternehmen sollten sich stärker mit dem Thema Voice Marketing auseinandersetzen, weil Kaufentscheidungen vor allem zuhause getroffen werden, eben da, wo Sprachassistenten genutzt werden. Voice Search und Voice Shopping stellen für das Marketing jedoch auch große Herausforderungen dar, weil Sprachassistenten ohne Bildschirm arbeiten und somit keine Bilder als Suchergebnis liefern, sondern nur akustische Informationen. Das erfordert ein grundlegendes Umdenken in den Unternehmen, denn die Informationen müssen beim Nutzer als Sprache formuliert ankommen. Marketer sollten ihren Produkten und Services also das Sprechen beibringen.

Große Chance für regionale Anbieter

Der ganz große Vorteil bei Amazons Alexa: Regionale Anbieter werden von Amazon genauso behandelt, wie die Branchenriesen. Es gibt keine Bevorzugung. Einwohner einer Kleinstadt können sich bei ihrer Pizzeria Essen bestellen oder ein Taxi rufen oder sich die aktuellen Angebote aus dem nächstgelegenen Supermarkt liefern lassen. Sofern diese entsprechende Skills eingerichtet haben. Wer also in seiner Region namentlich gut bekannt ist, hat beste Chancen, von Alexa gefunden zu werden. Ein weiteres Anwendungsbeispiel liefert der Hosenanbieter Alberto. Er hat die Amazon-Box in seinem Concept-Store in Mönchengladbach installiert; die digitale Assistentin liefert Antworten auf die Fragen der Kunden zur Kollektion. Es gibt also viele Möglichkeiten des Voice Commerce. Dieses Potential gilt es zu heben. Der Kunde wird es aber nur annehmen, wenn die Technik entsprechend gut funktioniert.

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Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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