Virtual-Reality für Marken. Mehr als nur ein kostspieliger Marketing-Hype?

Wer sein Produkt besonders innovativ vermarkten will, setzt auf Virtual Reality. Im Marketing-Mix der großen Unternehmen wie Lufthansa, Audi, Adidas und MediaMarkt ist die neue Technik bereits fester Bestandteil. So können Kunden des Autoherstellers Audi ihren Neuwagen mithilfe von Virtual Reality konfigurieren. Die Daimler-Tochter Smart bietet ihren Kunden virtuelle Probefahrten an. Doch nicht nur die Automobilbranche weiß die VR-Technik zu Marketingzwecken zu nutzen. Die Immobilienbranche setzt sie für die bequeme Besichtigung von Wohnungen oder Häusern ein – der Nutzer muss sich dafür nicht einmal vom eigenen Sofa weg bewegen. Auch die Reisebranche ist ganz vorne mit dabei und macht ausgewählte Ziele virtuell im 360 Grad Modus erlebbar. Das internationale Marktforschungsinstitut YouGov hat herausgefunden, dass gerade in Zeiten der Content-Überflutung die virtuelle Realität Unternehmen beste Chancen bietet, die Nutzer mit der Markenwelt zu verschmelzen.

Die Chancen und Herausforderungen von Virtual Reality im Marketing erklärt Jens Kemper, Geschäftsführer der Video Content Marketing Agentur make/c

VR ist ein weiterer Kanal im Marketing-Mix. Viele Unternehmen sind jedoch noch recht zurückhaltend. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

VR Brillen sind aktuell noch nicht im Consumer-Markt verbreitet. Es gibt auch keine Standard App oder Brille, die Konsumenten immer und überall griffbereit haben. Entsprechend sind einzelne Lösungen sehr individuell gestaltet und auf verschiedene Situationen ausgerichtet. Außerdem ist ein VR Erlebnis in der Regel immer nur individuell zu genießen und nicht so einfach zu teilen.

Wo sehen Sie das größte Potenzial für Virtual Reality?

Wir sehen aktuell großes Potenzial im Bereich der Live-Kommunikation wie beispielsweise bei Messen. Hier können erklärungsbedürftige Produkte oder Dienstleistungen detailliert erklärt werden. Ein schöner Vorteil ist hier natürlich, dass potenzielle Kunden direkt vor Ort in die jeweilige Produktwelt abtauchen, um sich über das jeweilige Angebot zu informieren. Aber auch bei Pressekonferenzen und am POS lässt sich Virtual Reality gut einsetzen.

Können Sie zwei Cases schildern, die Sie in jüngster Zeit für Kunden umgesetzt haben?

Zum einen haben wir eine internationale Pressekonferenz in Rom für eine deutsche Messegesellschaft realisiert. Dort waren mehr als 90 geladene Journalisten aus ganz Europa vertreten, die den VR-Part sehr begeistert aufgenommen haben. Sie können mit VR sehr gut emotionalisieren und natürlich visualisieren. Zwei Punkte, die auf einer herkömmlichen Pressekonferenz oft fehlen.

Der andere Case war für einen Messestand einer großen Versicherung. Hier spielt das Thema „Digitalisierung“ eine sehr große Rolle und mit einer entsprechenden Inszenierung und Einbindung in das ganze Standkonzept konnte VR diesen Anspruch hier sehr eindrucksvoll unterstreichen.

Für ein Virtual-Reality-Erlebnis braucht der Konsument eine entsprechende Brille. Wie hoch sind aktuell noch die Kosten. Rechnen Sie damit, dass die Preise bald erschwinglicher werden?

Cardboards, also Pappbrillen, gibt es schon für ein paar Euro. Die sind gut als „give away“, weil man sie branden kann. Das VR Erlebnis ist aber stark eingeschränkt. Bessere Brillen aus Plastik wie die Samsung Gear VR gibt es ab ca. 90 €. Dann braucht man allerdings auch ein Samsung Handy. Sie sehen, es ist alles noch recht vertrackt.

Welche konzeptionellen Herausforderungen birgt VR  für die Macher?

Die Auflösung von 360° Videos in Zusammenhang mit der Darstellung auf der Brille ist nicht so hochwertig, wie Nutzer das heute bei normalen Videos gewohnt sind. Auch eignen sich viele Motive einfach nicht für 360° Videos, weil schlichtweg in der 360° Betrachtung nichts Spannendes passiert. Wir haben deshalb einen eigenen Stil entwickelt, bei dem wir 360° Videos mit 360° Animationen und hochauflösenden 360° Fotos verbinden. Sogar normale Videos kann man so zuweilen in dem 360° Gesamterlebnis unterbringen, ohne dass der Nutzer enttäuscht ist.

Jetzt kommen zudem die ersten 3D Kameras auf den Markt, die den Videos eine bessere Räumlichkeit geben und das 360° Erlebnis enorm verstärken werden. Davon versprechen wir uns viel.

Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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