Best-Practice-Beispiel Kundenschatz in der Gastronomie: Alles andere als kalter Kaffee

„Wie sieht denn so ein Kundenschatz konkret aus?“ Diese Frage wird mir immer wieder gestellt, sobald ein neuer Artikel zum Thema Kundenschatz erschienen ist.

Eine gute und berechtigte Frage: Schließlich habe ich Ihnen schon jede Menge darüber erzählt, wie Sie einen Kundenschatz planen und für Ihr Ladengeschäft nutzen, um bestehende sowie neue Kunden zu begeistern und sich bei diesen positiv im Gedächtnis zu verankern. Und, ja, auch um zusätzliche Umsätze zu generieren. Doch wie so ein Kundenschatz konkret ausgestaltet werden kann, dass habe ich Ihnen noch nicht gesagt. Bis jetzt.

Entdecke die Möglichkeiten

Der Claim eines schwedischen Möbelhauses umreißt ganz gut, was ein Kundenschatz alles sein kann. Der kann nämlich ganz einfach gestrickt sein: eine Box vor oder in Ihrem Laden mit entsprechenden Geokoordinaten, mit einem Logbuch, ein paar Geschenken, einigen Kugelschreibern und vielleicht einem Gutschein drin. Fertig.

Ist ein Kundenschatz. Aber zugegebenermaßen kein besonders wertvoller. Denn den Spielspaß beim Heben dieses Schatzes hält sich in Grenzen. Genauso wie das Bedürfnis, anderen Geocachern von diesem Schatz zu erzählen und diese zu animieren, den Schatz selbst zu heben – sprich: die vielfach schon angesprochenen viralen (und damit auch alle anderen) Effekte bleiben bei so einer lieblosen Inszenierung des Kundenschatzes höchstwahrscheinlich auf der Strecke.

Ein Kundenschatz kann aber auch ein ganz individuelles, auf Ihr Unternehmen abgestimmtes Highlight sein, das sich an Ihren Dienstleistungen und Produkten orientiert, sich damit harmonisch in Ihre Umgebung einfügt, die Spieler intelligent herausfordert und damit genau zu dem Kundenmagnet wird, den Sie gern haben möchten.

Von der Idee zum Kundenschatz

Einen solchen Kundenschatz haben wir schon bei allen möglichen Kunden installiert. Auch bei der Traditionskaffeerösterei W. Machwitz GmbH aus Hannover. Das Unternehmen röstet seit 1883 Kaffee, seit 1919 auch in Hannover. Seit 2009 betreibt das Unternehmen – das immer noch von der Familie, inzwischen in der 3. Generation, geführt wird – auch ein kleines Café mit einer angeschlossenen Rösterei.

Genau für dieses Café sollte von uns mit einem Kundenschatz bestückt werden, um Kaffeeliebhabern zusätzlich zum fantastischen Geschmack des Machwitz-Kaffees einen weiteren Grund zu geben, einen x-beliebigen Coffeeshop links liegen zu lassen und sich für den regionalen Anbieter zu entscheiden.

Als Coffeeholics waren wir für diese Aufgabe natürlich sofort Feuer und Flamme. Sofort hatten wir hunderte Idee, wie so ein Kundenschatz gestaltet sein könnte. Dann haben wir die Geocacherbrille ab und die des Ladenbetreibers aufgesetzt und haben angefangen, unsere Ideen aus dessen Blickwinkel zu betrachten: Alles, was die Betriebsabläufe oder die anderen Gäste stört, strichen wir von unserer Liste. Ebenso alles, was das Mitführen von besonderem Equipment erforderte. So siebten wir unsere Ideen nach und nach aus, bis noch eine Handvoll (mach)witziger und unkompliziert durchführbarer Ideen übrigblieben, die wir dann der Kaffeemanufaktur Machwitz vorgestellt haben.

Große Tasse und viel dahinter

Und für diese Idee hat sich unser Auftraggeber entschieden: Ein mit einem Vorhängeschloss gesichertes Schränkchen. Einen sichtbaren Hinweis auf die Kombination, die das Schloss öffnet, gibt es nicht. Allerdings ist auf dem Schränkchen zufällig eine überdimensionale Kaffeetasse platziert, die es in sich hat.

In die Tasse ist eine Platte mit Hitzesensor sowie eine LED integriert. Platziert man nun einen Becher mit einer heißen Flüssigkeit darin auf der Platte, wird ein elektrischer Kontakt hergestellt und die LED beginnt zu blinken und dadurch den Nummerncode zu „morsen“.

Vom Coffee-to-go zum Coffee-to-stay

Als Flüssigkeiten mit der richtigen Temperatur eignen sich: heißes Wasser, Tee, Kakao und eben Kaffee. All das gibt es praktischerweise vor Ort. Coffee-to-go-Becher, Wasser, frisch aufgebrühten, bio-zertifizierten und fair gehandelten Kaffee aus dem Hause Machwitz, mit dem man sich nach getaner Schatzsucherarbeit gleich auch noch belohnen kann. Zusätzlich gibt es für alle, die mit Heißgetränken nichts anfangen können auch alternativ ein kniffliges Logikrätsel im Schaufenster. Sprich: Niemand ist gezwungen, in dem Café etwas zu kaufen oder gar hinein zu gehen. Denn Machwitz weiß: Schon die Auseinandersetzung mit dem Kundenschatz bringt positive Effekte.

Dazu Maximilian Koch, Geschäftsführer der W. Machwitz GmbH: "Seit einigen Monaten gibt es bei unserem Café einen Schatz zu finden. Der lässt sich am besten mit einem Heißgetränk öffnen, das finde ich richtig kreativ. Und die Schatzsucher auch! Wir erleben täglich begeisterte Spieler, die überrascht sind von dieser außergewöhnlichen Idee. Nebenbei entstehen Umsätze und wir bleiben so natürlich im Kopf der neuen Besucher."

In den ersten 3 Wochen hat der Kundenschatz so nachweislich 80 zusätzliche Kaffees verkauft und zusätzlich viele weitere Besucher ins Café gelockt.

Sogar die Prominenz ist von unserem Kundenschatz angetan: Wir hatten das Vergnügen, vom Comedian, Buchautoren und Geocacher Ingo Oschmann den Prototypen unseres Kaffee-Kundenschatzes testen lassen zu können. Sein Fazit in Wort und Bild finden Sie hier.

Und: Was wollen Sie wissen?!

Ich denke, dieses Beispiel illustriert ganz gut, wie ein Kundenschatz beschaffen sein sollte, um neue Kunden zuverlässig zu Ihrem Ladengeschäft zu lotsen und dieses in den Hirnen ihrer Zielgruppe zu verankern. Haben Sie eine Frage zu einem Aspekt des Thema „Kundenschatz“, der Ihnen bis her zu kurz gekommen ist? Dann lassen Sie es mich wissen und schicken Sie mir eine E-Mail an fragdaniel@geheimpunkt.de: Gern gehe ich in einer der nächsten Ausgaben dieses Blogs rund um das Thema lokales Marketing näher darauf ein.