Zahlen, bitte: Was bringt ein Kundenschatz?

Als Unternehmer versprechen Ihnen ja die unterschiedlichsten Leute, wie man auf einfachste Weise ganz viele neue Kunden gewinnen kann. Mit Zeitungsanzeigen zum Beispiel, denn da haben Sie eine große Reichweite. Aber, bringt eine Anzeige wirklich mehr Umsatz? Wer weiß das schon so genau.

Wir haben natürlich auch einen Vorschlag für Sie. Einen, wenn Sie möchten, äußerst abenteuerlichen – allerdings im besten Sinne. Die Rede ist natürlich vom Kundenschatz. Schon im letzten Artikel habe ich ja dargelegt, dass sich die Attraktivität und Wirkung des Kundenschatzes messen lässt. Und die ist, wenn Sie es richtig anstellen, überragend.

JWD – und trotzdem ganz weit vorne.

Stichwort Wachtendonk. Kennen Sie nicht? Macht nichts. Wachtendonk ist ein kleiner Ort kurz vor der niederländischen Grenze. Dort leben etwa 8.200 Einwohner und eigentlich ist dort auch nicht viel los. Und trotzdem sind seit März 2012 etwa 5.500 Besucher nach Wachtendonk gepilgert.

Der Grund ist das so genannte “blaue Wunder”.

Ein Schatz, der zu den attraktivsten Geocaches der Republik zählt. Dieser Multi-Geocache umfasst 13 Stationen auf einer Strecke von 4 km. Ich selbst bin dort gewesen, weil ich neugierig war, wie der Hype um diesen Schatz zustande gekommen ist. Und ob die Lobeshymnen sowie euphorischen Bewertungen auf einschlägigen Portalen und innerhalb meines Bekannten- sowie Freundeskreises gerechtfertigt sind.

Dass der Schatz tatsächlich äußerst begehrt ist, zeigt die Tatsache, dass man erst einen der sehr raren Termine ergattern muss, bevor man überhaupt zur Schatzsuche antreten kann. Das ist ungewöhnlich … und weckte zusätzliche Begehrlichkeit (vielleicht ist das auch ein Kniff, den Sie für Ihren Kundenschatz nutzen können?!).

Um es kurz zu machen: Das Blaue Wunder war ein tolles Erlebnis, denn an wirklich jeder Station wartet eine andere, sehr abwechslungsreiche Aufgabe, die selbst mich als erfahrenen Sucher mehrfach überrascht haben. Dabei bleibt alles aber stets fair und auch lösbar. Jeder, der gerne um die Ecke denkt und etwas Kreativität mitbringt, wird hier seinen Spaß haben. Man sollte durchaus 3 bis 4 Stunden dafür einplanen.

Der Kopf hinter der ganzen Sache hat eine Reihe weiterer Schätze in seinem Heimatort versteckt. Und hat man als Sucher einmal Blut geleckt, will man natürlich auch die anderen hoch dekorierten Schätze erleben. Zumindest ging es mir so und ich blieb ganze 14 Stunden in Wachtendonk – zur Erinnerung: einem Ort, an dem eigentlich NICHTS los ist.

Kommen wir zum Geschäftlichen.

Und wo kommt jetzt das Business ins Spiel? Ganz einfach: Allein ich habe an dem Tag der Schatzjagd zwei Mahlzeiten in Wachtendonk eingenommen, habe einmal getankt und habe einmal die Marschverpflegung im örtlichen Supermarkt aufgestockt. Beim nächsten Mal – denn ich werde sicherlich noch einmal zurückkommen und weitere Schätze des Entwicklers dieser Schatztour versuchen aufzuspüren – werde ich dort übernachten. Und ich garantiere, ich bin nicht der Einzige!

Das blaue Wunder kurbelt also den Tourismus und die Wirtschaft in der Stadt an. Und zwar zum Nulltarif, denn der Schatz ist eine private Angelegenheit und wurde privat finanziert. Sogar die Bewerbung gab es gratis, denn dafür haben die zufrieden Schatzsucher selbst gesorgt, indem sie ihr Erlebnis mit anderen Geocachern geteilt haben. Wie nett von ihnen …

Eine Nullnummer aber ist das Blaue Wunder nicht: Gehen wir mal davon aus, dass der Besucher durchschnittlich 15,– Euro im Ort ausgibt (bei mir war es deutlich mehr), dann hat er inzwischen über 80.000 Euro in die lokalen Kassen gespült. Hut ab!

Die Wüste bebt!

Und es geht noch spektakulärer: Sogar die Wüste kann belebt werden durch einen attraktiven Kundenschatz. 2009 lernten sich zwei Geocacher in Salt Lake City kennen. Sie hatten in der Nähe gemeinsam einen sogenannten Powertrail absolviert. Darunter versteht man eine größere Ansammlung von Geocaches auf möglichst engem Raum. Der betreffende Trail umfasste 140 einzelne Geocaches.

Die beiden hatten so viel Spaß daran, dass sie sich das Ziel setzen, den weltweit größten Powertrail zu erstellen. Dieser sollte 1.000 einzelne Schätze umfassen. Gesagt, getan. Nach einigen Tagen Arbeit stand der größte Powertrail der Welt und wurde veröffentlicht.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung begannen die ersten Schatzsucher mit der Absolvierung des Trails. Viele setzten sich sogar das ambitionierte Ziel, die 1.027 Schätze in weniger als 24 Stunden zu heben. So wurde der Sog immer größer und nach kurzer Zeit merkten auch die Unternehmer vor Ort, dass sie plötzlich mehr Kunden hatten! Und das in einem Landstrich, in dem sie ihre Geschäfte zuvor nur notdürftig am Laufen halten konnten.

Dann aber brachen die Kundenzahlen von einem Tag auf den anderen ein. Aufgrund eines Kommunikationsfehlers war nämlich der Powertrail aus der Liste der aktiven Geocaches entfernt worden. Und schon kam keiner mehr in diese Umgebung. Die Unternehmer beschwerten sich, die Geocaches wurden reaktiviert und sogar erweitert … und die Geschäfte kamen wieder ins Rollen. Ganz ohne Marketingkosten.

Und noch ne Erfolgsstory.

Apropos ins Rollen: Auch Michelin hat Geocaching bereits erfolgreich genutzt. Zum 125. Jubiläum im Jahre 2014 führte das Unternehmen eine sogenannte Trackable-Promotion durch. Dabei kommen besondere Tauschobjekte zum Einsatz, die bei den Geocachern aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit äußerst beliebt sind.

Michelins Trackable zeigte natürlich einen Reifen und das allseits bekannte Michelin-Männchen. 2.000 Stück wurden davon hergestellt und über die Schatzsucher-Community auf Reisen geschickt. Damit verbunden war ein Fotocontest: Wer immer den Schatz entdeckte, sollte sich damit ablichten und das Foto auf einer eigens eingerichteten Webseite hochladen.

Nun folgen ein paar wirklich beeindruckende Zahlen:

  • 1.000 Fotos wurden hochgeladen in gerade einmal 4 Monaten
  • 500.000 Mal wurden diese aufgerufen
  • 116.769 Mal wurden die Trackables bewegt
  • 32.000 neue Seitenaufrufe gab es dadurch in 3 Monaten
  • 6.440.000 km haben die Trackables zurückgelegt

Und die Zahlen beziehen sich nur auf den Aktionszeitraum. Da die Trackables immer noch durch die Welt reisen, sind heute garantiert deutlich mehr Kilometer und vor allem Kontakte dazu gekommen! Und das alles für die überschaubaren Produktionskosten von ein paar Tauschobjekten und der Programmierung einer kleinen Webseite.

Auch Jeep, John Grisham, Skoda, Timberland, Garmin, Airstream und viele andere haben einen Kundenschatz bereits genutzt, um höchsteffizient neue Interessenten/Kunden zu gewinnen und Markenbekanntheit aufzubauen.

Ein ganz aktuelles Beispiel kommt sogar aus Hannover: Da kre|H|tiv Netzwerk Hannover e.V. hat 500 Welcome H|♥|ME Trackables auf den Weg gebracht. Nach nur 4 Wochen haben diese bereits über 142.000 Meilen hinter sich gebracht und sind so schon bis in die USA gereist. Auch hier posten die glücklichen Kundenschatzfinder immer wieder Fotos mit dem Hashtag #homegeocaching – und verhelfen der Initiative » Welcome H|♥|ME – Hannover loves me« so zu immer mehr Sichtbarkeit und Bekanntheit.

Das Schöne daran: Mit Ihrem eigenen Kundenschatz können Sie all diese Erfolge auch für Ihr Unternehmen erzielen – in Ihrer Region, in Ihrer Zielgruppe. Und zwar mit einem äußerst überschaubaren Budget.

Vorausgesetzt: Ihr Kundenschatz ist so attraktiv, dass dieser als Besuchsmagnet Spieler und damit neue Interessenten in Ihr Geschäft zieht. Wie dies gelingt, erzähle ich beim nächsten Mal.