Gretchenfrage 2016: Nun sag, wie hast du's mit der "Lokation"? – Mein LBS Selbstversuch (Teil 2)

Was bringen mir persönlich Apps, die meine Standortfreigabe nutzen? An einem ganz normalen Tag im Job habe ich das bereits überprüft. Das Ergebnis war eindeutig.

Wie sieht es dagegen an einem freien Tag aus?

Der Morgen

Sechs Uhr 5, mein Fitbit Armband brummt zum zweiten Mal und treibt mich unsanft ins Wochenende. Erster Griff zum Telefon, Wetter checken , E-Mail-Postfach ignorieren und aufstehen, ohne in der Dunkelheit irgendwas umzuwerfen. Ich beneide intensiv die Familie, die noch selig schläft und klaube die Jogging Klamotten zusammen.

Kopfhörer in die Ohren, offensiv kitschig „Schwarz zu Blau“ aus der Playlist suchen und Lauf-App anwerfen . Berlins Straßen sind herrlich leer um diese Uhrzeit, ab und an kreuzen Gruppen von Clubgängern meinen Weg, die noch von gestern übriggeblieben sind. Im Volkspark Friedrichshain brennen wie immer keine Straßenlaternen. Ich kann damit leben, denn so sieht mich keiner schnaufend durch den Park stiefeln. Ich fühle mich eindeutig zu alt für das eingeschlagene Tempo und genieße die Pause für ein erstes Foto am Morgen.

Mit Snapseed  motze ich das Bild auf, um anschließend meinen Followern auf Instagram  ein #goodmorning zu präsentieren. Die Statistiken meines Laufs sind dramatisch lausig, werden aber natürlich peinlich genau, für wen auch immer, festgehalten.  Zurück. Die Kids gucken mich entgeistert an, als sie schlaftrunken in die Küche schlurfen. Die Frage, die umtreibt: „Geht’s Dir gut Papa?“ Meine Pulsfrequenz  sieht aber auch wirklich aus wie der Zwillingsbruder des DAX zur Jahrtausendwende. Erst beim Lesen der Nachrichten in meinem Feedreader komme ich langsam wieder zu mir. Einige News teile ich mit der Welt via Twitter . In einer steht, dass Google Notizen jetzt Location-based Reminder setzen kann. Ob’s funktioniert, muss ich probieren. Ich lege mir eine Einkaufsliste über die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz an, packe die Jüngste in den Kinderwagen und mache mich auf den Weg. Ehe ich dort ankomme, erwischen mich am S-Bahnhof die Push-Nachrichten aus der Bitplaces Demo App .

Das Kind will nicht mehr schlafen und brüllt in ihrem Wagen den halben Bahnhof zusammen. Kaffee hilf mir! Auf dem Namensschild des Baristas meines Vertrauens steht Percy. Der Mann, der eigentlich Heiko heißt, schaut kurz auf das schreiende Kind, hebt verständnisvoll Kinn und Augenbrauen und schiebt mir wortlos einen Triple Grande Caramel Macchiato über den Tisch. Ich bezahle mit der App und flüchte auf den Alexanderplatz. Da ist es eh laut.  

Google Notizen meldet sich tatsächlich an der Galeria Kaufhof mit meiner Einkaufliste. Leider kriege ich dort nicht alles und muss auf der Suche nach Dattelmus (Was es nicht alles gibt), Google Maps bemühen.

Meine Frau meldet sich via Google Hangouts und fragt ungeduldig, wo ich denn nur bleiben würde. Die Kinder hätten Hunger. Kommentarlos schicke ich ihr meinen Standort und besorge Dattelmus.

Der Tag

Mist, ich habe die Einladung zum Kindergeburtstag vergessen. Zeit und Ort suche ich im Kalender . Nicht vergeblich. Ich habe aber keine Ahnung, wo das sein soll und muss nachsehen . Wir sind spät dran. Die wichtigste Frage an dieser Stelle: „Papa, kaufst Du wieder ein Auto und fährst mich zum Geburtstag?“ „Klar Süße, Du packst das Puzzle zusammen und ich ‚kaufe‘ bei DriveNow ein Auto .“

Auf dem Weg meldet sich mein Sohn . Ungünstig. Ich habe keine Hand frei und bemühe Siri . Ich brauche drei Anläufe, um Siri klar zu machen, was sie tun soll. Ihre Antworten lassen das Kind auf dem Rücksitz vor Vergnügen kreischen. „Nochmal, nochmal!“ Siri muss also erneut ran und der Oma ein schönes Wochenende wünschen .

Der Abend

Die große Tochter gibt nicht auf. Es muss unbedingt das Spiel mit den so süßen Katzenbabys sein . Klar. Gerechterweise muss ich mit der anderen dann auf Snapchat wilde Videos mit Krönchen auf dem Kopf drehen und an Oma schicken.

Später google ich auf dem Sofa den Namen der Schauspielerin, der mir partout nicht einfallen will. Ich checke für den Augenringeflieger am Montagmorgen ein und buche den Mietwagen , den ich vergessen habe. Kurz bevor mir die Augen zufallen, kontrolliere ich meine durchschnittliche Schlafdauer der Woche, um meine Müdigkeit zu rechtfertigen . Fertig!

Fazit in Sachen Gretchenfrage: Mein Telefon ohne Standortfreigabe wäre wahlweise ein Schachbrett ohne Figuren, eine Suppe ohne Salz oder Weihnachten ohne Geschenke. Muss ich nicht haben.