Standortbasierte Dienste – eine große Chance für lokale Händler

Mobile Endgeräte werden von Tag zu Tag wichtiger für uns und sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Warum ist das so? Die Frage lässt sich schnell beantworten: Weil sie unser Leben einfacher machen. Zu fast jeder Tages- und Nachtzeit wird das Smartphone um Rat gefragt, sei es wegen den Öffnungszeiten eines Restaurants, einer Adresse, um up-to-date zu bleiben, was das eigene Netzwerk gerade so treibt oder auch nur, um einfach eine Nachricht zu schreiben. Laut Statista nutzten im Februar 2015 schon 46 Millionen Menschen in Deutschland ein Smartphone. Mit Stichtag heute würde die Zahl noch höher ausfallen. Bei allen Problemen, die der stationäre Handel durch die wachsende Online-Konkurrenz erfährt, steckt hierin eine enorme Chance für lokale Händler in kleinen sowie großen Städten. Sie könnten durch den Einsatz einer solchen Technologie der Behauptung, dass Innenstädte tot sind, aktiv begegnen und ganz salopp das Gegenteil behaupten.

Uns ist es ein Anliegen, kleine und mittelständische Unternehmer abzuholen und für neue relevante Ideen und Lösungen zu begeistern. Der Begriff Location-based Services sagt Ihnen vermutlich nicht sehr viel bis gar nichts. Das möchte ich ändern. Es handelt sich dabei um standortbasierte Dienste.

Die Technologiefrage

Sollen Geofences oder Beacons zum Einsatz kommen? Beide Technologien haben ihre Berechtigung und lassen sich gut verbinden. Mittels Geofences sprechen Sie Ihre Kunden in einem bestimmten Radius um Ihr Ladengeschäft an, der zwischen 50 und 100 Meter liegen kann. Beacons hingegen sollten dann eingesetzt werden, wenn Sie an einem ganz bestimmten Punkt zum Beispiel in Ihrem Laden bestehende oder neue Kunden erreichen möchten. Aber das Wichtigste ist: Technologie ist zweitrangig: Es geht um Marketing. Die Technologie selbst muss einfach funktionieren!

So erreichen Sie Ihre Kunden

Zuerst einmal müssen Sie sich darüber im Klaren sein, was sie mit Ihrer Aktion erreichen wollen und wen: Wollen Sie neue Kunden für ein spezielles Angebot in den Laden locken? Für wen kann das interessant sein? Womit können Sie diese „Zielgruppe“ locken? Haben Sie Ihr passendes standortbezogenes Angebot definiert, erreichen Sie neue und potenzielle Kunden dann innerhalb der vordefinierten Geofences. Ihre Kunden erhalten eine Push-Nachricht oder Hintergrundnachricht auf ihr Smartphone, beispielsweise über die App von Gelbe Seiten. Im Vorfeld müssen die Nutzer der App ihr Einverständnis zur Ermittlung von Standortdaten gegeben haben. So können Sie ganz gezielt zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf sich aufmerksam machen – genau dann also, wenn das Interesse am größten ist. Oder anders gesagt: Stellen Sie nicht mehr nur ein Schild auf die Straße, sondern verlängern diese Botschaft direkt auf seinem Handy ihres potenziellen Kunden. Das geht sogar, wenn Sie nicht direkt in der Fußgängerzone sind, denn so stellen Sie quasi einen digitalen Aufsteller in die erste Reihe 

Der digitale Feldversuch

Spannend und hoch experimentell war es am 23. & 24. April in Karlsruhe-Durlach: Wir haben mit Hochschule der Medien Stuttgart und der Stadt Durlach ein einzigartigen Pilotprojekt durchgeführt, um großflächig die Möglichkeiten und Anwendungen von Location-based Services zu erproben. Reale Geschäfte, Restaurants, Boutiquen, Kanzleien, Praxen und Bars aber auch öffentliche Einrichtungen, wurden mit virtuellen Umkreisen oder auch an einem ganz bestimmten Ort gekennzeichnet.

Wir arbeiten mit der Technologie schon seit mehreren Jahren und haben mit den verschiedensten Projekten überaus positive Ergebnisse und sehr gute Öffnungsraten erzielen können. Einen ganzen Stadtteil zu digitalisieren, so viele Geschäfte und Händler an einem bestimmten Ort mit Location-based Services zu versehen, war auch für uns eine neue Dimension. So erwarteten wir uns von diesem Feldversuch, viele neue Erkenntnisse, wollten gleichzeitig die Akzeptanz und die Grenzen von Location-based Services für lokale Händler als auch Nutzer ausloten und (hoffentlich) zeigen, dass die Nutzung eine sehr praktikable Lösung für kleine Händler sein kann. Die Nutzung ist schließlich nicht so schwierig und kann echte Mehrwerte generieren.

Alle teilnehmenden Händler hatten dafür die Gelegenheit, kostenlos die eigenen Ideen festzulegen. Wären Sie dabei, würden Sie in dem Radius xy um Ihr Ladengeschäft die im Vorfeld bestimmten Nachrichten und Angebote ausspielen und die Besucher des verkaufsoffenen Wochenendes erhalten diese als Push-Nachricht in der App von Gelbe Seiten. Die Händler konnten nach dem Wochenende ein Gefühl dafür bekommen, welche Aktionen Nutzer besonders interessieren, gut ankamen und auch welcher Radius für eine solche Nachricht der Beste ist.

Fit für den digitalen Wettbewerb

Das Projekt in Durlach hatte das Ziel, das Potenzial für mobile Angebote aufzuzeigen und das hat es: Über 50 lokale Händler haben mitgemacht, 5.409 Nachrichten wurden versandt, davon über 30 Prozent gelesen und 877 Transaktionen ausgelöst – so ist die Bilanz des Feldversuchs in Zahlen: Die Lösung wird von Unternehmern und Konsumenten gleichfalls angenommen. Aber: Noch bedarf es Unterstützung und Moderation.

Mit diesem Service kann es auch Ihnen gelingen, die Brücke zu schlagen: Sie vernetzen sich und Ihr Ladengeschäft mit der digitalen Welt. Der Dienst lässt Sie Kunden individualisiert und standortbezogen ansprechen, auf dem Smartphone oder Tablet, ganz nach Bedarf. Nicht nur die großen Unternehmen können eine solche Technologie nutzen, nein jeder Unternehmer kann vergleichsweise einfach potenzielle Kunden in unmittelbarer Nähe anzusprechen, die Aufmerksamkeit auf das eigene Geschäft zu lenken und letztendlich den Kaufimpuls auszulösen 

Unabhängig an welcher Wegbiegung oder Kreuzung Sie gerade stehen, nehmen Sie als Unternehmer die digitale Transformation aktiv und selbst in die Hand. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. 

Stephan Theiß

ist Geschäftsführer der Gelbe Seiten Marketing Gesellschaft mbH und verantwortlich, die Markenbekanntheit und Digitalisierung, insbesondere im Bereich Mobile, weiter auszubauen. Ziel ist es, die Marke nachhaltig zu sichern und den wirtschaftlichen Nutzen zu erhöhen. Vorher leitete er mehrere Jahre das Produktmanagement der 1&1 Internet AG und baute dort das Geschäftsfeld Mobile auf.

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