Diese sechs Trends im regionalen Marketing sollten Sie kennen

Regionale Themen haben eine hohe Strahlkraft. Das gilt nicht nur für die Themen, auch für die Produkte. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen können das gezielt für sich einsetzen und mit relativ einfachen Mitteln eine starke Nähe zwischen Kunden und Marke aufbauen. Worauf es im regionalen Marketing ankommt, erklärt Stefan Postler, Mitglied der Geschäftsführung der Agentur Territory.

Nutzung regionaler Werte

In Zeiten der Globalisierung gewinnt die Regionalität zunehmend an Bedeutung. Sie schafft Vertrauen und Sympathie. „Sprechen Sie die Interessen der Zielgruppe an und zwar durch detaillierte und relevante Inhalte mit regionalem Bezug“, sagt Stefan Postler. Dabei sollte man sich auch nicht scheuen, den regionalen Sprachgebrauch zu verwenden und Dialekte zu nutzen. So hat beispielsweise der Energieversorger aus München, ESB, mit seinem Testimonial Monika Gruber den Zungenschlag der Zielgruppe perfekt eingesetzt. Mit der Kampagne „Sauber g‘spart“ wirbt das Unternehmen für sein kostengünstiges Angebot. Auch die Herforder Brauerei schafft es, Region und Marke authentisch zu verbinden. Möglich macht das die Verballhornung des Slogans der Partnervermittlung Parship: „Ich barshippe jetzt – alle 11 Minuten verliebt sich ein Westfale in Herforder“.

Digitalisierung von regionalen Helden

Stefan Postler rät, regionale Testimonials und Influencer einzubinden. Das können lokale Größen aus Politik, Sport und Kunst sein. „Mikro-Influencer sind vor allem für KMUs die bessere Wahl“, so der Experte. „Sie sind erheblich erschwinglicher und haben mit der Zielgruppe einen regeren Austausch.“ Die Fan-Gemeinde ist zwar nicht so groß wie bei den Internet-Stars, aber häufig kennen sich die Follower untereinander, sie sind engagiert und bringen mehr Relevanz und Glaubwürdigkeit. Für den sächsischen Nougathersteller Nudossi ist beispielsweise Skispringer Richard Freitag im Einsatz. Der Medaillengewinner und das Süßwarenunternehmen kommen aus dem gleichen Landstrich – ein weiteres Beispiel, das Schule machen könnte. Um die digitale Zukunft in den Raum Ostwestfalen-Lippe zu bringen, wurde die Netzwerkkonferenz „Hinterland of things“ in Bielefeld gestartet. Dort werden Startups und deutsche Mittelständler zusammengebracht. Zugpferd ist hier der Digitalunternehmer Sebastian Borek.

Digitale Kunden-Touchpoints sind im Kommen

„Nutzen Sie nicht nur klassische Medien wie Radio, Zeitung und Magazine“, empfiehlt Stefan Postler. Er rät, geeignete, regionale Kanäle zu besetzen. Social Media ist an dieser Stelle hilfreich: So kann man beispielsweise über Facebook regionale Zielgruppen filtern und diese gezielt ansprechen. „Der Vorteil von regionalem Marketing ist, es konzentriert sich auf die Region“, sagt Postler, wie beispielsweise bei dem Blog Mittelrheingold des Journalisten Frank Zimmer. „Die Themen, die sich aus der Region speisen, schaffen eine enge Nähe zum Leser“, so der Experte. In dem Blog kommen regelmäßig Unternehmen, Verbände, Bewohner und Helden aus der Region zu Wort. „Werbemaßnahmen auf einem solchen Blog treffen genau auf die gewünschte Zielgruppe“.

Technologien mit System nutzen

Moderne Technologien helfen dabei, Inhalte an die Zielgruppe zu bringen. „Mit Facebook Ads und regionalem Targeting können sie ganz unterschiedliche Gruppen ansprechen“, so Stefan Postler. Die Auswahl erfolgt nach Kriterien wie Region, Umkreis, Alter, Geschlecht. „Mit der passenden Technologie zur gezielten Kundenansprache, vermitteln Sie gleichzeitig ein stärkeres Markenbewusstsein“.

Haltung zeigen

Stellung beziehen zu politischen, gesellschaftlichen und sozialen Themen, die in der Region gerade aktuell sind und die die Menschen bewegen. „Dadurch wird die Glaubwürdigkeit des Unternehmens gestärkt“, sagt der Territory-Geschäftsführer. So hat sich beispielsweise die Markenchefin des sächsischen Uhrenherstellers Nomos, Judith Borowski, in Interviews klar gegen rechte Gewalt ausgesprochen. Die Demokratie müsse „mit Zähnen und Klauen verteidigt werden, auch von Unternehmen“, sagte Borowski. Sie schult deshalb ihre Mitarbeiter im Umgang mit Rechten. „Nomos Glashütte hat vorgemacht, wie ein Unternehmen mit einem solch schwierigen Thema umgehen kann“, sagt der Content Marketing Experte.

Community Building

Anfassen – mitmachen – erleben, all das bieten beispielsweise Veranstaltungen oder Communities innerhalb einer Region. „Solche Events stärken den regionalen Bezug zur Zielgruppe, da sie einen Mehrwert und Austausch bieten“, sagt Stefan Postler. Als Beispiel führt er den Dr. Oetker Backclub an, bei dem Mitglieder an kostenlosen Backseminaren teilnehmen können. Zusätzlich erwartet Interessierte am Standort Bielefeld eine Führung durch die Dr. Oetker Welt. „Durch solche Erlebnisse werden Kunden zu Markenbotschaftern“, so Stefan Postler.

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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