So geht Stadtmarketing mit Social Media

Um die Wettbewerbsfähigkeit einer Region zu steigern, nutzen viele Stadtmarketing-Verantwortlichen Social Media. Laut neuester Studie „Trends im Standortmarketing 2017“ gewinnen die digitalen Kanäle stark an Bedeutung. Die Nutzung von Facebook ist im vergangenen Jahr stark gestiegen und wird aktuell von 56,9 Prozent der Befragten als „wichtig“ eingeschätzt. Einer der Vorreiter im digitalen Stadtmarketing ist Karlsruhe. Dort ist man auf Facebook, Youtube, Instagram, Twitter sowie mit einem Blog aktiv. Die Leiterin der Kommunikation, Simone Sudmann erklärt, was andere Städte von Karlsruhe lernen können.

Karlsruhe setzt im Marketing stark auf Social Media. Warum?

Social Media Plattformen ermöglichen uns die zeitgemäße Kommunikation mit den Bürgern. Sie erleichtern den Austausch, denn die Bewohner der Stadt haben zu jedem Thema eine eigene Meinung und diese sollen sie auch äußern können. Außerdem erreichen uns über die Seiten sehr viele Bürgeranfragen, beispielsweise zu Wohnungsbau, Verkehrsnetz oder Ladenöffnungszeiten

Welche Kanäle sind dabei die wichtigsten?

Wir arbeiten vor allem mit Facebook und Instagram. Facebook ist für uns das ideale Medium, um die 45- bis 65-Jährigen zu erreichen. Die Plattform spielt auch im Bereich Fachkräftemarketing eine wichtige Rolle. Die jüngere Zielgruppe sprechen wir dagegen mit Instagram an, denn deren Nutzer ticken ganz anders. Die Kombination aus emotionalen Bildern und kurzen Textzeilen begeistert eher die 15- bis 35-Jährigen. Ganz wichtig: Man muss sich auf die Eigenheiten der Netzwerke einlassen. Das ist ein ständiger Lernprozess, denn man weiß nie, wie die Posts ankommen. Gerade in Urlaubszeiten merken wir, dass je nach Mitarbeiter, der gerade postet, mehr oder eben auch weniger geliked wird.

Facebook und Instagram bietet neue Features wie Instagram Stories und Facebook Live an. Nutzen Sie das?

Ja, wir sind sehr experimentierfreudig und setzen das auch punktuell ein. Zum Beispiel bei unseren sogenannten Insta-Walks. Da laden wir zehn bis 50 Teilnehmer zum Spaziergang „Die grüne Stadt“ ein. So holen wir unsere Kontakte aus dem Netzwerk ins reale Leben. Gleichzeitig können die User sofort Feedback geben und man kommt ganz anders ins Gespräch. Das wird sehr gut angenommen und uns ermöglicht es, die Online- mit der Offlinewelt zu verbinden. Um eine aktive und lokale Community aufzubauen, ist das sehr hilfreich. Bei Facebook Live dagegen ist das Interesse noch etwas verhalten, aber wir arbeiten daran.

Was macht Karlsruhe besser, als andere Städte?

Karlsruhe ist 2010 auf den Social-Media-Zug aufgesprungen und war damit Vorreiter der Digitalisierung. In diesem Bereich am Puls der Zeit zu sein, das war den Verantwortlichen der Stadt immer wichtig. Sie vertrauen dabei auf die Macher und schielen nicht auf das schnelle Wachstum, sondern legen Wert auf das Engagement der User. Die Interaktion und das Community-Building sind es, die zählen. Und ganz ehrlich, nicht alles, was man ausprobiert, ist gleich ein Treffer. Da braucht es auch mal einen längeren Atem.

Welche Projekte sollen in nächster Zeit realisiert werden?

Aktuell beobachten wir aufmerksam, wie sich Snapchat entwickelt und wie und ob wir das auch in unsere Strategie einbinden. Außerdem richten wir unser Augenmerk weiter auf unseren „Karlsruhe Blog“, den wir vor einem Jahr gestartet haben. Diesen werden wir weiter ausbauen und noch mehr Autoren an Bord holen. Daneben wollen wir uns mit dem Tourismusbüro der Stadt stärker vernetzen. An einigen Stellen gibt es Überschneidungen, die man nutzen kann.

Demnächst erhält das Stadtmarketing einen Laden in der Fußgängerzone. Posten Sie dann von dort Büro aus?

Der Laden soll ab 2018 dauerhafte Anlaufstelle für die Bürger werden. Wir wollen transparent sein und eine noch größere Nähe zu den Karlsruhern herstellen. Man kann uns dann bei der Arbeit zusehen und vorbei kommen – mit Anregung, aber auch mit Kritik. Das gab es im Jahr 2015 anlässlich des Stadtgeburtstages schon einmal und war ein voller Erfolg.

Karlsruhe hat keinen eigenen Social Media Manager. Jeder macht alles.

Das ist richtig. Bei uns gibt es Zuständige für die einzelnen Themenbereiche wie Kultur und Wissenschaft. Sie bedienen passend zu ihren Themen die komplette Bandbreite an verfügbaren Kanälen. Dabei werden die Botschaften angepasst – denn Facebook funktioniert nun einmal anders als Instagram. Wir haben das so organisiert, weil Journalisten, die sich zu einem bestimmten Thema informieren wollen, ja auch nicht nur einen Kanal nutzen, sondern mehrere.

Welche Ziele haben Sie bereits erreicht?

Der direkte Erfolg lässt sich nur schwer messen. Man muss eigentlich anders herum fragen: Können wir es uns leisten, darauf zu verzichten? Nein, das können wir sicher nicht, denn der Wettbewerb um die Fachkräfte ist da. Hier muss jede Stadt aktiv werden und nach außen werben. Die Präsenz auf Social-Media-Kanälen hilft enorm, Karlsruhe als attraktive und moderne Stadt zu präsentieren. Wir geben den Followern Einblicke, die sie allein über Imagebroschüren nicht erhalten. Ganz wichtig ist aber auch die Identifikation nach innen, denn Bürger sind selbst die besten Botschafter.

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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