Crowdfunding: Was ist das eigentlich?

Crowdfunding wird als alternative Finanzierungsform immer beliebter. Laut einer Studie des Bundesfinanzministeriums, lag das deutsche Crowdfunding-Volumen 2015 bei 272 Mio. Euro.

Crowdfunding bedeutet für Finanzierung (Funding) über eine Menge an Menschen (Crowd). Unterschiedliche Crowdfunding-Formen ermöglichen die Finanzierung von sozialen, kulturellen und unternehmerischen Projekten.

Das Crowdfunding Phänomen ist nicht neu. 1885 wurde der Sockel der Freiheitstatue in den USA über eine Menge an Menschen finanziert. Da die öffentlichen Kassen damals leer waren, rief der Herausgeber Josef Pulitzer in seiner Zeitung „The New York World“ die New Yorker Bürger zum Spenden auf. Jeder Spender sollte - unabhängig von der Spendenhöhe -  namentlich in der Zeitung genannt werden. In der Folge kam von über 120.000 Menschen aus allen Gesellschaftsschichten genügend Geld zusammen, um den Aufbau der Statue zu finanzieren.

Die in den letzten Jahren zu beobachtende Etablierung von Crowdfunding lässt sich auf die digitale Vernetzung zurückführen. Online lassen sich Interessengruppen identifizieren und losgelöst von räumlichen Beschränkungen gezielt ansprechen. Geld kann mittlerweile kostengünstig und in Sekundenschnelle transferiert werden. Internetplattformen bringen Anbieter und Nachfrager direkt zusammen. In der Folge geht die Bedeutung der klassischen Gatekeeper zurück. Während üblicherweise Banker über Kreditvergabe, Einkäufer über Produktbestellungen und staatliche Einrichtungen über kulturelle Förderung entschieden haben, ist es heute immer öfter die Crowd, die bestimmt wohin die Gelder fließen.

Die verschiedenen Crowdfunding-Modelle

In der aktuellen Diskussion wird zwischen vier verschiedenen Crowdfunding-Modellen unterschieden. Diese grenzen sich insbesondere dadurch ab, was die geldgebende Crowd als Gegenleistung bekommt.

Klassisches Crowdfunding (reward-based crowdfunding)

Beim klassischen Crowdfunding erhalten die Unterstützer eine nicht-finanzielle Gegenleistung für ihr Geld. Dies kann ein kleines Dankeschön oder auch oft das Produkt sein, dessen Produktion durch das Crowdfunding finanziert werden soll. Man spricht hier auch von Pre-Selling. Für alle, die den Marktbedarf ihrer Produktidee testen, gleichzeitig Verkäufe und eine Vorfinanzierung erzielen wollen, ist diese Form des Crowdfunding ideal.

Crowdinvesting (equity-based Crowdfunding)

Beim Crowdinvesting wird die Crowd direkt am finanziellen Erfolg einer Unternehmung beteiligt. Abhängig von der vertraglichen Gestaltung erhalten die Investoren einen festen Zins und/oder eine variable Verzinsung. Das Kapital der Crowd ist eigenkapitalähnlich, meist laufen die Investments über nachrangige Darlehen. Crowdinvesting findet mittlerweile in vielen Bereichen Anwendung, wie zum Beispiel bei der Finanzierung von Startups, Immobilien und Energieprojekten.

Crowdlending (lendingbased Crowdfunding)

Beim Crowdlending verleiht die Crowd Geld zu einem fest vereinbarten Zins. Das Geld der Crowd ist als Fremdkapital einzuordnen. Da die Bank als mitverdienender Intermediär wegfällt, bietet dieses Modell oftmals attraktivere Zinsen als ein klassischer Kredit. Crowdlending findet bei Privatkrediten und zunehmend auch bei Geschäftskrediten Anwendung. 

Spenden Crowdfunding (donation based Crowdfunding)

Für soziale und gemeinnützige Projekte bietet sich Spenden-Crowdfunding (donation-based crowdfunding) an. Bei der Form des Online-Fundraising erhält die Crowd keine Gegenleistung.

Die Vorteile von Crowdfunding

Crowdfunding bietet einzigartige Vorteile, die sich je nach gewählten Modell und der konkreten Umsetzung unterscheiden können.

Test für neue Ideen

Beim klassischen Crowdfunding werden die Ideen der Öffentlichkeit präsentiert, bevor diese realisiert werden. Die frühe Rückmeldung aus der Crowd trägt zur Minimierung des Flop-Risikos bei und bietet eine „echte“ Marktvalidierung. Weiterhin kann das Feedback der Crowd zur Produktverbesserung eingesetzt werden.

Crowd Relations schaffen Mehrwerte

Mit einem Crowdfunding können die Beziehungen zu Kunden oder anderen Schlüsselpartnern weiterentwickelt werden. Es bietet sich die Möglichkeit das Kundenverständnis zu vertiefen. Wenn es gelingt die Crowd für das eigene Vorhaben zu begeistern, kann so eine Gruppe öffentlicher Fürsprecher gewonnen werden.

Geld zu guten Konditionen

Die Konditionen für das Geld von der Crowd sind oftmals besser als über klassische Finanzierungswege. Dadurch, dass Intermediäre umgangen werden, werden Kosten reduziert. Beim Crowdinvesting mit nachrangigen Darlehen, haben Darlehensnehmer die Vorteile des eigenkapitalähnlichen Kapitals, ohne Mitbestimmungsrechte abgeben zu müssen.

Wichtig zu beachten

Crowdfunding ist kein Selbstläufer. Darüber sollte sich jeder bewusst sein, der die alternative Finanzierungsform in Betracht zieht. Das Finden und Aktivieren der Crowd stellt für die meisten Projektstarter die größte Herausforderung dar. Transparenz und eine offene Kommunikation mit der Crowd gehören zu den Grundvoraussetzungen. Nur wer sich darauf einlässt, kann im Crowdfunding erfolgreich sein.

Jeder der im Rahmen eines Crowdfunding Geld gibt, muss sich über die Ausfallrisiken bewusst sein. Es gibt keinen Mittelsmanns, der eine Garantie dafür übernimmt, dass die versprochene Gegenleistung tatsächlich erbracht wird.

Von daher ist Crowdfunding nicht zwangsläufig für jeden die geeignete Finanzierungsform.

Richtig umgesetzt, bietet Crowdfunding aber einzigartige Mehrwerte und damit wirkliche Wettbewerbsvorteile. Aus diesem Grund wird sich Crowdfunding immer weiter entwickeln und als feste Finanzierungsalternative etablieren.