In vier Schritten zum professionellen Video – ohne komplizierte und teure Technik

Ob in den sozialen Medien, in Online-Shops oder auf Unternehmens-Webseiten: Bewegtbild boomt und die Nachfrage steigt weiter an. Doch wie können vor allem KMUs Videos produzieren, die auch professionell wirken? „Jeder kann gute Videos erstellen“, sagt Barbara Schüßler, Geschäftsführerin von Letsvideo und rät zur Anwendung von Animation Services. Das sind Programme, die ähnlich funktionieren wie Powerpoint im Textbereich. Mit ihnen kann man cartoonartige Videos erstellen – sehr beliebt für Erklärclips oder Schulungsfilme. In solchen Videos muss kein Mitarbeiter aus dem Unternehmen selbst auftreten, es muss auch kein teures Equipment angeschafft werden. Ein internetfähiges Notebook reicht aus. „Damit lassen sich Videos mit einem Zehntel des Aufwandes, der ansonsten üblich ist, realisieren“, so die Expertin. Auf ihrer Website Letsvideo listet Schüßler diverse Anbieter auf. Je nach Dienstleister zahlt man ab acht Euro für eine Ausspielung bei einem Animation Service. „Ich empfehle für Einsteiger Powtoon, das eine große Auswahl an Stilrichtungen und modernen Designs anbietet.“ Das Webtool hat als einziger Anbieter auch einen Gratisaccount. Wie die Produktion solch professioneller Videos funktioniert, erklärt Barbar Schüßler in vier Schritten.

Welche Zielgruppe möchte ich erreichen?

Studien zufolge sind Videos zehnmal so erfolgreich wie Artikel aus Text und Bild. Aber der Zuschauer ist gnadenlos, wenn es darum geht, schlechte oder langweilige Videos wegzuklicken. Überlegen Sie deshalb im Vorfeld ganz genau, welche Zielgruppe Sie erreichen wollen und was Sie ihr vermitteln möchten. Ein Video muss eben nicht dem Chef oder Abteilungsleiter gefallen, sondern dem Kunden. „Überlegen Sie sich neue, unterhaltsame Zugänge“, sagt Schüßler. Vor allem kleineren und mittleren Unternehmen rät sie dazu, diese Videos selbst zu erstellen. Das Expertenwissen liegt schließlich im Unternehmen. „Niemand kennt Ihr Produkt und die Problemstellungen so gut wie Sie“, so die Expertin. Auch Optik und Design des Videos sollten nach der Zielgruppe ausgewählt sein. Gerade die Jüngeren sind nicht zuletzt durch Instagram an eine sehr moderne Darstellungsweise gewöhnt.

Relevante Themen finden

„Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Content mit Katzenvideos konkurrieren muss“, sagt Barbara Schüßler. Wer sich im Netz durchsetzen möchte, braucht also eine gute Geschichte. „Nutzer lieben Videos, in denen sie Lösungen ihrer Probleme erhalten“, sagt die Spezialistin. Je stärker  die Clips strukturiert sind, desto besser. Egal, ob es sich um Erklär-, Produkt- oder Servicevideos handelt - Sie müssen sich klar machen, was die wichtigsten Fakten sind und wie Sie Ihrer Zielgruppe weiterhelfen können. „Neunzig Prozent aller Marketingvideos läuft nach folgender Grundstruktur: Problem, Lösung, Call to-Action“, sagt Barbara Schüßler. Dabei beträgt die optimale Länge eines Videos rund 60 Sekunden. Aber Achtung, nach sieben Sekunden muss bereits klar sein, worum es in dem Video geht. „Erkennt der Nutzer die Relevanz gleich zu Beginn, gibt’s eine gute Chance, dass er bis zum Ende dabei bleibt“, so die Expertin. Generell gilt: Machen Sie ein Video so lang wie nötig, aber so kurz wie möglich.

Videos produzieren: Die Technik erledigt die Arbeit

Die Umsetzung mit Hilfe von Animation Services ist relativ einfach. Man loggt sich in einen solchen cloudbasierten Dienst ein und zieht dabei alle möglichen Objekte, wie virtuelle Requisiten, auf eine Timeline. Man kann nach Belieben auch Texte einfügen und mit Avataren arbeiten. Wann und wie lange sie auftauchen, kann exakt eingestellt werden. Wer es ganz einfach haben will, individualisiert ein sogenanntes Template, also eine Vorlage. Powtoon bietet  sogar 140 000 Realfilm-Bausteine in HD an, aus denen man sich bedienen kann, ohne eine Kamera in die Hand zu nehmen.  Man kann auch eigenes Material einbinden, muss man aber nicht. „Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn man regelmäßig etwas posten möchte, da der Aufwand gering ausfällt. Einloggen, am Rechner das Video zusammenstellen, veröffentlichen  - fertig“, sagt die Videoexpertin. Der Schnitt entfällt. Den denkt man sozusagen schon während des Entstehungsprozesses mit. Auch die Vertonung entfällt. „Die meisten Videos müssen heute ohnehin auch ohne Ton funktionieren. Denn viele schauen Videos auf dem Weg zur Arbeit in der S-Bahn oder in Räumen, wo der Ton andere stören würde“, sagt Schüßler, die auch Workshops zur Videoproduktion anbietet.

Verbreitung pushen und Inhalte auffindbar machen

Sobald das Video fertig ist, kann es ausgespielt werden. Ob auf der eigenen Homepage, auf Social Media Kanälen, Seiten wie Youtube oder Vimeo – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Ebenso wichtig ist es, dass die Inhalte dann im Netz gefunden werden. Deshalb auch beim Betexten an die wirklich wichtigen Keywords denken. Über unterschiedliche Tools kann man nicht nur messen, wie häufig die Clips geschaut wurden, sondern auch, wann die Zuschauer aus dem Video aussteigen. „Wenn das immer wieder an einem bestimmten Punkt passiert, wissen Sie, woran Sie noch arbeiten müssen“, sagt Barbara Schüßler.

Ihr Fazit: Wer mit Powerpoint umgehen kann, kann auch Video - und zwar mit ähnlichem Zeitaufwand.

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Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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