Neuer Ausbildungsberuf: E-Commercer

Der Handel im Internet boomt. Bücher, Reisen, Kleidung und sogar Möbel bequem im Internet bestellen – das ist inzwischen ganz alltäglich. Dafür brauchen die E-Commerce-Plattformen gut ausgebildetes Personal. Ein entsprechender Lehrberuf dafür fehlte bislang. Das ändert sich 2018 – ab Herbst werden erstmals E-Commerce-Kaufleute ausgebildet.

Der Verkauf von Waren über das Internet an den Endverbraucher steigt stetig. Die Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor, doch für den E-Commerce-Bereich rechnet der E-Commerce-Verband bevh erneut mit einem klar zweistelligen Zuwachs um 11 Prozent auf rund 58,5 Mrd. Euro. Der positive Trend hält seit Jahren an. Kein Wunder, dass bereits im Jahr 2012 in Deutschland gefordert wurde, eine Ausbildung zum Online-Händler einzuführen. Ab dem kommenden Berufsschuljahr 2018/2019 wird die Ausbildung von E-Commerce-Kaufleuten angeboten. Der Handelsverband Deutschland hat das Konzept zu dem neuen Berufsbild „Kaufmann im E-Commerce“ entwickelt – vor allem als kaufmännische Ergänzung zu IT- und Logistik-Berufen. Damit wird eine Lücke geschlossen, die bislang im kaufmännischen Bereich klaffte.

Ausbildungsinhalte Neben dem Erstellen und der Pflege des Onlineshops werden die Auszubildenden auch in Webanalysen geschult. Die Auszubildenden sollen beispielsweise auch das Kaufverhaltens der Kunden untersuchen. Dazu gehört die Ermittlung von Top-Sellern oder das Ausarbeiten der Unterschiede im Verhalten von Interessenten und Käufern. Gemeinsam mit dem Online-Marketing erstellen Kaufleute im E-Commerce auch Werbeanzeigen und platzieren sie dort, wo sie von der Zielgruppe des jeweiligen Shops gesehen – und im Idealfall auch geklickt ­– werden. Weiterer Baustein ist das Finanz- und Rechnungswesen, also das Arbeiten mit Zahlen und Statistiken. Zudem erhalten die Auszubildenden erste Einblicke in den Bereich Programmierung. Dabei sind Softwaretechnik, E-Commerce-Systeme, Datenbanken und Software-Design nur ein paar Stichpunkte.

Anforderungen

Die Arbeit als E-Commercer ist sehr vielfältig und erfordert laut Ausbildungsbeschreibung unter anderem ein vernetztes Denken, gute mathematische und technische Fähigkeiten, aber auch kaufmännische Fertigkeiten. Desweiteren ist Kreativität gefragt. Der eigene Shop soll sich ja von der Konkurrenz abheben. Einsatzmöglichkeiten gibt es nicht nur im reinen Online-Handel, sondern  zum Beispiel auch bei  Multichannel-Händlern, also Unternehmen, die ihre Produkte sowohl online als auch im Geschäft verkaufen. Die Ausbildung dauert insgesamt drei Jahre.

Alternative Bildungswege

Im Bereich E-Commerce ist bereits seit längerem ein Studium möglich. Neben dem Abschluss Bachelor of Science E-Commerce gibt es aber auch Weiterbildungsangebote im Bereich E-Commerce. Sie richten sich zumeist an Berufserfahrene und setzten technisches Verständnis sowie kaufmännische Vorkenntnisse, insbesondere im Bereich Marketing und Vertrieb, voraus. Trotz dieser Möglichkeiten fehlt es dem Online-Handel immer noch an Personal. Die neue Ausbildung ist laut IHK ein echter Gewinn. „Unternehmen, die in der Vergangenheit Hochschulabbrecher oder junge akademische Quereinsteiger an die betrieblichen Anforderungen heranführen mussten, bietet der neue  Beruf die Chance, in Zukunft qualifiziert und systematisch über alle Stufen der Wertschöpfungskette hinweg auszubilden.“ Deutschlandweit organisiert die Industrie- und Handelskammer Informationsveranstaltungen zu dem neuen Ausbildungsberuf, bei dem sich Unternehmen erkundigen können.

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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