Gamification – Engagement, Motivation und jede Menge Spaß

„Haben Sie eine Payback-Karte?“ – ich kenne kaum jemanden, der diesen Satz nicht mindestens ein Mal in seinem Leben gehört hat. Wer glaubt, dass das bloß eine Maßnahme ist, den Kunden wieder aus seinem Sekundenschlaf an der Kasse zu holen, liegt damit vermutlich nicht ganz falsch, aber auch nicht zu hundert Prozent richtig. In Wahrheit begegnen wir hier einer der einfachsten Formen von Gamification.

Was ist Gamification?

Per trockener Definition ist Gamification „die Übertragung von spieltypischen Elementen und Vorgängen in spielfremde Zusammenhänge mit dem Ziel der Verhaltensänderung und Motivationssteigerung bei Anwenderinnen und Anwendern“. (Gablers Wirtschaftslexikon) Sprich, in unserem Beispiel: Der Kunde wird mit Punkten dafür belohnt, dass er in genau diesem Geschäft eingekauft hat. Die Punkte kann er sammeln und sie dann irgendwann gegen eine Prämie eintauschen. So erhält er für eine Aktivität, die er ohnehin erledigen muss, nämlich das Bezahlen, auch noch eine positive Belohnung. Dadurch wiederum wird er motiviert, immer wieder in diesem Geschäft einzukaufen, um weitere Boni zu kassieren. So simpel wie effektiv.

Punkte, Badges und Bestenlisten

Natürlich ist Gamification aber noch weit mehr als nur das reine Sammeln von Punkten. Die Erfahrung hat gezeigt: Traditionelle Anreize funktionieren heutzutage einfach nicht mehr. Die berühmte „Karotte am Stock“ allein treibt den Esel nicht mehr an. Leute wollen mit mehr belohnt werden, als z. B. Geld. Klar, es ist sicherlich nach wie vor ein attraktiver Anreiz, aber Feedback, Entscheidungsgewalt, Herausforderungen und direkte Konsequenzen machen sehr viel neugieriger und halten jemanden weitaus länger bei der Stange.

In einem gamifizierten System wird der User in alltäglichen Situationen aus der Realität ein Stück weit herausgeholt und erlebt (meist unliebsame) Tätigkeiten in einem völlig neuen Kontext. Das macht das Ganze erlebenswert und zu einer ganz besonderen Erfahrung. Dinge wie Punkte sammeln, auf Bestenlisten nach oben klettern und Abzeichen erhalten sind bei diesen Erlebnissen allenfalls Mittel zum Zweck. Gamification basiert auf drei großen Säulen: Dynamiken, Mechaniken und Komponenten. Deren Substanz besteht aus noch mehr Elementen, wie zum Beispiel der Story, Leveln, dem Wettbewerb, Herausforderungen, Beziehungen unter den Spielern, Punkten und, und, und. Nur, wer alle Basisprozesse und Hilfsmittel ins große Ganze zusammensetzt, erlangt am Ende ein gamifiziertes System, das nachhaltig motiviert und zielführend ist.

Motivation ist die magische Zutat

Der Key-Faktor in Sachen Gamification ist aber eindeutig die Motivation der Spieler. Sei es zur Leistungssteigerung von Mitarbeitern, der Kundenbindung, der Verkaufssteigerung in Filialen oder auch einfach der Plan, eine langfristige Verhaltensänderung bei Nutzern hervorzurufen – ohne die richtige und nötige Motivation geht einfach gar nichts. Dabei müssen durch Game-Thinking Strukturen entwickelt werden, die nicht nur sinnvoll und zielführend sind, sondern auch den Spaß an der ganzen Sache vergessen.

Abgesehen von einer grundsätzlichen Unterscheidung zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation (also einer Motivation, die von innen heraus kommt oder von außen erzeugt wird), ist es wichtig, nicht außer Acht zu lassen, dass es verschiedene Motivationstypen gibt, die im Idealfall aber alle durch das Spiel bedient werden sollten. Habe ich eher Spieler, die gerne selbst Entscheidungen treffen wollen und neugierig sind, welche Konsequenzen daraus folgen? Oder sind es vielleicht eher Personen, die möglichst viele Kompetenzen und ihr Wissen zur Schau stellen wollen, um sich vor anderen Mitspielern zu profilieren? Diese und andere Typen sollten im gamifizierten System mitgedacht zufriedengestellt werden.

Einfach mal den Play-Knopf drücken

Ich rate Ihnen, probieren Sie es einfach mal aus! Starten Sie ein kleines Pilotprojekt, mit dem Sie sich an das Thema Gamification heranwagen. Scheitern Sie, lassen Sie sich nicht demotivieren. Gamedesign ist, wie immer bei Konzeption und Design, ein iterativer Prozess. Es lebt vom Konzipieren, Testen, Auswerten, Verbessern, Erfahrungen sammeln, weiter Testen, Auswerten usw. Es ist ein stetiger Prozess, der zu immer weiterer Optimierung führt, bis schließlich die grundsätzlich gesteckten Ziele zur Zufriedenheit erreicht werden. Ganz wichtig ist aber: Vergessen Sie nie den Spaß dabei! Weder für Ihre Spieler noch bei sich selbst.

In meiner Vortragspräsentation auf Slideshare erhalten Sie weitere Informationen zum Thema Gamification, was Sie dafür benötigen sowie einen 6-Schritte-Fahrplan zu Ihrem ersten gamifizierten System.

Profilbild von Nathalia Traxel
Nathalia Traxel

Nathalia Traxel ist bei d.Tales für Content Konzeption & Content Management verantwortlich und unterstützt Kunden vor allem in den Bereichen Content Distribution, aktives Themenmanagement, Copy Writing und Content Design. Sie besitzt einen B.A. in Online Journalismus mit Schwerpunkt PR und Kommunikation und war lange Zeit freie Mitarbeiterin und Online Redakteurin beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt.

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