Corporate Social Responsibility – Pflicht für die Großen, Chance für den Mittelstand

Dass große Unternehmen aktiv Verantwortung gegenüber der Gesellschaft übernehmen, ist inzwischen Gang und Gebe. Dass große Unternehmen jedoch auch verpflichtet sind, über diese Aktivitäten umfassend zu berichten, ist seit Anfang dieses Jahres neu. Doch hat diese Berichtspflicht der Großen auch Auswirkungen auf den Mittelstand? Und wieso sollten kleine und mittlere Unternehmen das Thema Corporate Social Responsibility (CSR) auch ohne Berichtspflicht keinesfalls vernachlässigen?

Von Gesetzeswegen gilt für uns Menschen, dass wir erst von einem gewissen Alter an die volle Verantwortung für unser Handeln tragen müssen. „Eltern haften für ihre Kinder“ ist in diesem Zusammenhang eine beliebte Phrase. Übertragen auf die Entwicklung von Unternehmen würde diese Annahme bedeuten, dass Betriebe ebenfalls erst ab einer gewissen Größe zur vollen Übernahme von Verantwortung verpflichtet sind.

Die neue CSR-Berichtspflicht – ein Gesetz, das die nichtfinanzielle Berichterstattung von Unternehmen stärken soll – bestätigt zunächst einmal diese These. Denn: Bisher sind nur große, kapitalmarktorientierte Betriebe betroffen. Jene, die im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeiter, ein Umsatzvolumen von mehr als 40 Millionen Euro oder eine Bilanzsumme von mehr als 20 Milliarden Euro vorweisen können. Doch können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ihre soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung daher einfach so vernachlässigen? Besser nicht.

Lieferkette im Fokus

KMU produzieren ihre Waren nur bedingt für den Endkunden. In vielen Fällen sind sie Teil der Lieferkette mindestens eines der insgesamt rund 6.000 Unternehmen in Deutschland und Europa, die von der neuen CSR-Berichtspflicht betroffen sind. Da diese berichtspflichtigen Unternehmen im Rahmen der Angaben zu ihren Geschäftsbeziehungen vor allem auf ihre Lieferkette eingehen müssen, geraten auch KMU zunehmend in den Fokus der Überprüfung.

Sind kleine und mittlere Unternehmen als Zulieferer für das Großunternehmen tätig, wird dieses also auch deren CSR-Aktivitäten überprüfen, um mögliche Probleme entlang der eigenen Lieferkette frühzeitig zu erkennen. Somit ist es auch für KMU entscheidend, Verantwortung und Nachhaltigkeitsbewusstsein zu zeigen. Andernfalls droht ihnen möglicherweise der Verlust eines bisherigen Großkunden, der seine Lieferkette nach CSR-Kriterien selektiert.

Viele Vorteile dank CSR

Doch nicht nur aufgrund der neuen Berichtspflicht sollten kleine und mittlere Unternehmen Zeit und Geld in eine adäquate CSR-Arbeit und vor allem Kommunikation investieren. Ein transparentes und glaubwürdiges CSR-Management kann allgemein viele positive Folgen für ein Unternehmen haben. Geringere Energiekosten, eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit, verbesserte Beziehungen zu relevanten Stakeholdern und eine steigende Reputation sind nur einige mögliche Ergebnisse.

Da alle CSR-Aktivitäten in gewisser Weise mit den Unternehmenszielen verknüpft und auf Dauer ökonomisch rentabel sein sollten, sorgen langfristig steigende Umsatzerlöse zudem dafür, dass sich anfallende Kosten schnell amortisieren und steigende Gewinne für das Unternehmen abfallen. Betriebe profitieren somit auch finanziell von einer umfassenden CSR-Arbeit und deren Kommunikation.

Schon jetzt engagieren sich mittelständische Unternehmen mit Sach- und Finanzspenden für ihr regionales Umfeld. Zudem vertrauen immer mehr kleine und mittlere Unternehmen auf regenerative Energiequellen, ressourcenschonendere Büromittel oder gesünderes und regional angebautes Kantinenessen.

Große Möglichkeiten für kleine Unternehmen

Ein strukturiertes und authentisches CSR-Management kann dabei eine Vielzahl von unternehmerischen Aspekten untersuchen, verbessern und anschließend kommunizieren. Beispielsweise können sich auch KMU mit ökologischen Themen wie Energieverbrauch, Abfallmanagement und Biodiversität beschäftigen. Auf sozialem Gebiet könnten Arbeitsbedingungen und Sozialstandards, Chancengleichheit, Aus- und Weiterbildung sowie Work Life Balance spannend sein. Hinzu kommen typische ökomische Themengebiete wie Risikomanagement, Ressourceneffizienz und Investor Relations.

Auch die Themen Anti-Korruption, gerechte Vergütung und Vermeidung von Kinderarbeit rücken unter dem Punkt Corporate Governance in den Fokus umfangreicher CSR-Arbeit. Positive Veränderungen in den beschriebenen Themenfeldern bieten dann natürlich auch Möglichkeit zur Kommunikation. Doch wird diese wirklich genutzt? Bisher nicht.

Aktive statt reaktive Kommunikation

Die adäquate Kommunikation ihrer CSR-Aktivitäten ist für viele Unternehmen noch immer eine große Herausforderung. Die Entwicklung von der reaktiven zur aktiven Berichterstattung schreitet oft nur langsam voran, da sich viele Unternehmen noch immer nicht wirklich sicher sind, wie groß das Kommunikationspotenzial bestimmter Themen ist. Beispielsweise sehen viele Kommunikatoren die eigene Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung als nicht berichtenswert an. CSR-Arbeit wird von ihnen nicht als Grund gesehen, warum Kunden ein Produkt kaufen, sondern nur, warum Kunden ein Produkt nicht kaufen. Beispielsweise in Folge eines Boykotts oder einer Protestwelle in den Sozialen Medien.

Das Ziel einer guten CSR-Kommunikation ist es, einen aktiven Dialog über Nachhaltigkeitsthemen zwischen dem Unternehmen und dessen internen und externen Stakeholdern zu schaffen. Dieser soll dem Unternehmen helfen, gesellschaftliche Herausforderungen besser zu verstehen, Verständigungs- und Vertrauenspotenziale aufzubauen und letztendlich Akzeptanz für das eigene unternehmerische Handeln herzustellen. Durch dieses erarbeitete Verständnis seitens der Stakeholder lässt sich langfristig der Handlungsspielraum des Unternehmens sichern und erweitern.

CSR als Wunsch der Bevölkerung

Corporate Social Responsibility ist folglich nicht nur ein Thema der Großen. Im Gegenteil: Immer größere Teile der Bevölkerung sehnen sich nach einem wesentlich aktiveren Engagement von Unternehmen mit positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft. CSR hat sich daher zu einem funktions- und abteilungsübergreifenden Begriff entwickelt, der sich im Arbeitsalltag und in der Kommunikation beinahe jedes größeren Unternehmens etabliert hat und auch für kleine und mittlere Unternehmen immer stärker an Bedeutung gewinnt. Diese Mittelständler müssen die vorhandenen Möglichkeiten nun jedoch auch gewinnbringend ausspielen.

Mitarbeit: Philipp Höger, mediamoss