Kommunikation in der Insolvenz: Sicher durch das Tal der Tränen

Gestern noch „Platzhirsch“, heute ein von allen Seiten Getriebener. Von der geachteten Unternehmer-Persönlichkeit zum Buhmann. In der Insolvenz wendet sich das Blatt schnell. Das gilt um so mehr, je prominenter das Unternehmen oder der Unternehmer in der Öffentlichkeit ist. Von der ersten Nachricht über das Ereignis bis zum Shitstorm gegen den Unternehmer oder Inhaber ist nur ein kleiner Schritt. Emotionen prallen aufeinander: Hier der Reiche mit seinem großen Auto in einer schmucken Villa, dort der kleine Angestellte oder Arbeiter, der vermutlich seinen Arbeitsplatz verliert und dessen Familie vor dem Nichts steht.  

Zugegeben: Plakativ formuliert, aber die kommunikative Analyse zahlreicher Insolvenzen zeigt, dass es in den meisten Fällen so oder so ähnlich abläuft. Was lässt sich daraus ableiten? Dazu vier Thesen:

  • Insolvenzen von „Hidden Champions“ sind besonders sensibel
  • Insolvenzkommunikation ist das Managen von Emotionen
  • Insolvenzkommunikation ist der Kampf um die öffentliche Deutungshoheit
  • Das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) erhöht den Anspruch an den Insolvenzverwalter, sich selbst und die Qualität seiner Arbeit darzustellen.

Die Ursachen für eine starke mediale Aufmerksamkeit sind schnell ausgemacht. Nicht selten handelt es sich um traditionsreiche Unternehmen oder Marken oder Unternehmen, die zumindest regional ein wichtiger Arbeitgeber und eine Institution sind. Der Unternehmer ist bekannt und geachtet. Gleichzeitig steht das Unternehmen auf kommunikativ schwachen Füßen. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit finden kaum oder wenn dann zumeist nur produktspezifisch oder lokal statt. Die Dynamik der Medien wird genauso unterschätzt, wie die Mechanismen der gewerkschaftlichen Profilierung. Kommunikation – sei es nach innen oder außen – war selten strategisch geplant. Hinzu kommt, dass es auf Unternehmensseite kaum Erfahrung mit Insolvenzen gibt. Woher auch?

Dieses Vakuum nutzen Medien und andere am Prozess beteiligten Akteure. Die Berichterstattung wird einseitig, Gerüchte und Spekulationen ist Tür und Tor geöffnet. Die Ich-hab-es-ja-schon-immer-Gesagten und andere „Altlasten“ werden ausgegraben. Aus dem Gestalter von gestern wird der Gejagte von heute. Mitarbeiter sind verunsichert, die ersten – meist die guten – springen ab. Das verstärkt die Verunsicherung im Unternehmen.

Damit kommen dem Insolvenzverwalter und der Kommunikation im Insolvenzprozess ganz wichtige Aufgaben zu. Sie müssen Ruhe und Transparenz in das Verfahren bringen und mit einer kontinuierlichen Information die Entscheidungen adäquat vermitteln und die Emotionen beruhigen. Der Insolvenzverwalter – unterstützt durch die Kommunikation – muss die Deutungshoheit erlagen. Er muss seine Themen aktiv setzen und sich als verlässlicher und neutraler Ansprechpartner positionieren, der den Prozess – so unangenehm er auch ist – professionell steuert.  

Das ist nicht nur für die Kommunikation mit den externen Zielgruppen wichtig. Das strahlt gleichermaßen auch nach innen in Richtung Führungskräfte und Mitarbeiter. Sie sind durch den Prozess und dessen Eigendynamik sowie Geschwindigkeit der Ereignisse verunsichert und bangen um ihre Zukunft. Auch sie brauchen klare, ehrliche Botschaften, um nicht nur die Schlüsselmitarbeiter und damit das Unternehmen am Laufen zu halten.

All das erfordert Kompetenz, Erfahrung, Ruhe und eine nötige Distanz, ohne distanziert zu wirken.

Mehr Transparenz fordert auch das ESUG. Weil die Gläubiger bei der Auswahl des Verwalters einen stärkeren Einfluss bekommen, werden zunehmend Bekanntheit, Expertise und Qualität des Verwalters zu Entscheidungskriterien. Mit anderen Worten: Der Insolvenzverwalter muss seinen Blick stärker als bisher auf sich und die Qualität seiner Arbeit lenken, um sich hervorzuheben.

Um sicher durch das Tal der Tränen – die Insolvenz – zu gelangen, ist eine professionelle Kommunikation zu einem entscheidenden Faktor geworden. Sie sichert dem Verwalter von Anfang an die Informations- und Deutungshoheit über das Verfahren. Gleichzeitig minimiert sie Fehlinformationen, Gerüchte und Spekulationen und hält damit dem Verwalter den Rücken frei, damit er sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann. So bleibt das Unternehmen auch in dieser schwierigen Phase führbar, und Vertrauen kann wieder aufgebaut werden. Die geschaffene Transparenz vermittelt Prozesssicherheit und rückt die Erfolge des Insolvenzverwalters ins rechte Licht, was gleichzeitig seine Reputation bei Gerichten und Gläubigern stärkt.