Positive Energie von einer Heuschrecke

Ja, ich gebe es zu. Die Headline ist ein Clickbait. Ja, nicht mal besonders aktuell oder gar originell. Denn Private Equity Manager als Heuschrecken zu bezeichnen, ist nicht nur ein überstrapazierter Vergleich, sondern – zu Recht - auch ganz schön aus der Mode. Lassen konnte ich es trotzdem nicht, die Pints im Oxforder Pub haben offensichtlich die Zunge gelockert, aber die Kreativität nicht spürbar erhöht. Was aber diese Woche sichtlich erhöht wurde, ist meine positive Energie!

Was ist passiert? Ich hatte das Privileg, Zeit mit Johannes Huth, dem Kopf von KKR EMEA, zu verbringen. KKR, eine der führenden Private Equity Firmen der Welt, hat durch spektakuläre Deals mit der Übernahme und dem Verkauf bekannter Firmen und Marken wie Wincor Nixdorf, Pro7 oder WMF in Deutschland Bekanntheit über die Finanz-Community hinaus gewonnen. Johannes Huth ist einer der treibenden Köpfe hinter diesen Deals.

Was ist nun so spannend an einem Finanzer? Charisma? Macht? Erfolg? Vielleicht für einige. Was mich eher begeistert hat, ist die positive Einstellung, die Johannes Huth ausgestrahlt hat. „Was passiert in einem Bärenmarkt, in dem KKR stark investiert ist? Eine Chance für Private Equity. Digitale Transformation? Ein Feld zur Wertsteigerung. Environmental and Social Governance? Good for business. Eine Chance, sich zu differenzieren.“

Klingt nach Zweckoptimismus? Verkäufe? Politiker? Ein wenig, aber Johannes Huth scheut sich nicht, dabei die Risiken und Probleme anzusprechen. Er nimmt sich Zeit, seine Punkte differenziert darzulegen und Gegenargumente aufzugreifen. Was hängen bleibt, ist aber eine Grundeinstellung zur Chancenorientierung. Probleme, die entstehen, müssen gelöst werden und das bringt Geschäft. Wir selbst haben es also in der Hand.

Auch wenn es unpopulär ist, „einen Banker“ zu loben. Von dieser differenzierten „Can-Do“-Einstellung brauchen wir mehr. Ein schönes Gegenstück zu den Unheilspropheten, Verteilungskämpfern und polemischen Schreihälsen in deutschen Talkshows. Jeder, der sich fürchtet, kann es einfach mal probieren: Perspektiven-Wechsel. Wo liegen die Chancen? Irgendwo ein Unternehmer zu finden, der das anpacken möchte?

Mich hat diese Woche motiviert. Ich setze mir den Reminder, meinen Fokus mehr auf Chancen zu lenken. Ich denke, das ist für jeden Unternehmer und Manager einen Gedanken wert.

Profilbild von Prof. Dr. Jürgen Seitz
Prof. Dr. Jürgen Seitz

ist Professor für Marketing, Medien und die Digitale Wirtschaft an der Hochschule der Medien in Stuttgart (www.hdm-stuttgart.de). Davor war er Geschäftsführer und Gründer der United Internet Dialog GmbH, einer Performance- und Digitalmarketing Firma der United Internet Gruppe. Darüber hinaus verantwortete er das Produktmanagement der United Internet Media AG und war maßgeblich am Wachstum zum marktführenden Vermarkter in Deutschland beteiligt.

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