Sind die IT-Chefs die besseren Kommunikatoren?

Ein Plädoyer für Bündnisse in der digitalen Transformation

Während sich manche Kommunikationsprofis ob der schieren Geschwindigkeit, mit welcher die Digitalisierung ihre Profession auf den Kopf stellt, in einer Art Schockstarre befinden, setzen andere auf Digital Natives. Getreu dem Mantra „Trägt etwas ‚digital’ im Namen, muss es gut sein“. Für eine erfolgreiche Digitalstrategie braucht es jedoch mehr als digitalen Aktionismus – nämlich profunde Kenntnisse der Details.

Setzen Sie den richtigen Fokus

Vielleicht sind die CIOs, die Chefs der Digital Teams heute besser als Kommunikations-Chefs geeignet? Darüber jedenfalls schreibt Wayne Pales in seinem Beitrag für mein neues Buch über „Outthinking Organizational Communications: The Impact of Digital Transformation.“ Der Digitalexperte aus Melbourne begründet seine Überlegung u. a. damit, dass es bei jeder Digitalstrategie vor allem um Vertrauensaufbau geht – eigentlich doch die Domäne der Kommunikatoren. Und dass im digitalen Zeitalter Vertrauensaufbau eben ganz wesentlich über digitale Instrumente funktioniert.

Vielleicht muss man soweit nicht gehen und das Ende der Kommunikations-Profession heute noch nicht ausrufen. Aber im Ernst: Haben nicht die CIOs vielleicht wirklich mehr Expertise in vielen Themen, die wir Kommunikationsleute im Detail beherrschen müssten? Wissen Sie, nach welcher Gesetzmäßigkeit sich Ihr persönlicher Facebook-Newsfeed zusammensetzt? Können Sie glaubwürdig erläutern, warum der Twitterbot „Tay“ von Microsoft mit Pauken und Trompeten gescheitert ist? Welche Algorithmen stehen hinter den Social-Media Applikationen und wie lässt sich Inhalt eigentlich berechnen? Fragen, die beispielhaft vor Augen führen, dass sich das Anforderungsprofil an Kommunikatoren durch die Digitalisierung rapide verändert hat.

Aber ganz sicher wird man Sie fragen, welche Investitionen in digitale Kommunikation sich auszahlen und welche nicht. 

Natürlich wird niemand von Ihnen verlangen, den nächsten Chatbot für Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation eigenhändig zu programmieren. Aber ganz sicher wird man Sie fragen, welche Investitionen in digitale Kommunikation sich auszahlen und welche nicht. Gleichgültig, ob die Währung, in der ein Return-on-Investment (ROI) gemessen wird, nun Reputation oder Umsatz ist – die Frage ist ja berechtigt. Und es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis sich dieser digitale Imperativ in konkrete Anforderung an Kommunikationsprofis übersetzt.

Verbünden Sie sich mit Ihrem CIO

Die gute Nachricht ist: Viele Fragen, in denen es um den digitalen ROI geht, lassen sich gut beantworten. Allerdings braucht es dafür ein grundlegendes Verständnis, wie digitale Kommunikation funktioniert – und zwar nicht allgemein und überhaupt, sondern für Sie, in Ihrem Markt und für Ihr Unternehmen. Da sind die Unterschiede schon zwischen den Fast Moving Consumer Goods (FMCG) Märkten gewaltig, geschweige denn zwischen dem Energiesektor und dem Versicherungsbereich, um nur zwei Branchen zu nennen. Die Neu-Einstellung von Digital-Fachleuten ist jedenfalls nicht unbedingt die richtige Lösung, um den notwendigen Expertise-Zuwachs zu erreichen. Vielmehr sollten Sie in Ihr Unternehmen hinein hören – und sich z. B. mit Ihrem Digital Chef verbünden? Als Verantwortlicher für IT-Fragen ist er (oder sie ) es, der im Hinblick auf den technischen Rahmen für manche Formen digitaler Kommunikation das entscheidende Wort spricht – ob es um die Nutzung interner wie externer Kanäle geht, ebenso wie den Einsatz analytischer oder kognitiver Werkzeuge, mobiler Devices oder von Cloud-Computing. Integration lautet hier das Schlüsselwort, Sicherheit ein weiteres sowie die Einhaltung von Compliance Regeln ein drittes.

Die Neu-Einstellung von Digital-Fachleuten ist jedenfalls nicht unbedingt die richtige Lösung.

Der CIO kann vor allem Ihr wichtigster Partner werden, wenn es um die Entwicklung eines digitalen Mindsets innerhalb des Unternehmens geht. Twittern die Kollegen? Gibt es eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe? Und welche Rolle spielen soziale Medien in der internen Kommunikation? Die Antwort auf ebenjene Fragen kann ein erster Anhaltspunkt für eine „digitale Wasserstandsmeldung“ sein, die gemeinsam mit Ihren IT-Kollegen besser bewertet werden kann als ohne sie. Also, verbünden Sie sich mit Ihrem CIO – denn gemeinsam sind Sie stärker als allein, wenn es darum geht, mit Ihrem Unternehmen das beste aus der digitalen Transformation herauszuholen!