Vorbereitet sein für die Krise

Das deutsche Wort “Krise” leitet sich her aus dem griechischen „krisis“, was so viel bedeutet wie Scheidung, Zwietracht oder Streit. Aber „krisis“ hat im Griechischen noch eine andere Bedeutung, nämlich: Auswahl, Wahl und Entscheidung.

Merken Sie etwas? Die Griechen sehen in jeder „Krise“ auch eine Chance. Ein Gedanke, der uns Deutschen eher fremd ist. Wir bekommen vor allem eine solche, denken wir nur an Krise. Jeder ordentliche Unternehmer fürchtet Krisen. Sie stören die Abläufe, sorgen bei Mitarbeitern für Panik, irritieren Kunden und führen zu Absatzeinbrüchen wenn nicht zu Schlimmeren. Kommunikationsmenschen, die in seiner solchen Lage auf etwaige positive Optionen hinweisen, werden umgehend an den Firmenarzt verwiesen.

Unternehmenskrisen sind daher aus deutscher Sicht – um eine Definition zu nennen – „ungeplante und ungewollte Prozesse von begrenzter Dauer und Beinflussbarkeit mit ambivalentem Ausgang. Sie sind in der Lage, den Fortbestand des gesamten Unternehmens substantiell und nachhaltig zu gefährden oder sogar unmöglich zu machen. Dies geschieht durch die Beeinträchtigung bestimmter Ziele (dominanter Ziele), deren Gefährdung oder gar nicht Nichterreichung gleichbedeutend ist mit einer nachhaltigen Existenzgefährdung oder Existenzvernichtung des Unternehmens“ (Ulrich Krystek, 1987).

Krisen kommen meist ungeplant, immer ungewollt, aber eigentlich nur selten unverhofft. Etwa der Werksbrand oder der Erpressungsfall können kaum erwartet werden. Schon häufiger sind Krisenfälle, die – Hand aufs Herz – bei genauem Hinsehen absehbar waren. Haben wir nicht eine Unterbesetzung im Werk, die zu permanenter Überarbeitung und Übermüdung der Kollegen führt? Haben wir nicht Sicherheitsprobleme an der Maschine, die eine Generalüberholdung längst erforderlich machen. Ist nicht der Sicherheitscheck im IT-System überfüllig – und jetzt hat auch der Hacker die Lücke bemerkt? Na eben.

Dazu gibt es „Wellenkrisen“ – das sind genau genommen keine Krisen, sondern Themen, die in der Öffentlichkeit mal lauter, mal weniger laut kritisch bewertet werden und die sich leider mit Ihrem Geschäftsmodell verbinden: Sie füttern Ihre Kühe mit Gen-Mais, Sie lassen in Ihre Textilien in Bangladesch nähen, Ihre Lastwagen verkehren häufig und lärmintensiv auf der Landstraße neben dem Wohnviertel? Dann wissen Sie, was ich meine.

Allen diesen Krisen ist eines gemeinsam: Sie kommen und gehen, verlaufen dynamisch und nicht vorhersehbar. Und wenn Sie meinen, jetzt aber DAS Muster in dem einen Krisenverlauf erkannt zu haben, verläuft die Nächste garantiert anders.

Alles halb so schlimm, solange Sie vorbereitet sind: Sie benötigen eine Krisenprävention.

Sie sollten sich zunächst ein paar Grundsatzfragen stellen:

  • Welche Krisen könnten bei uns auftauchen
  • Wie könnten wir diese Krisen verhindern?
  • Wie könnten wir diese Krisen frühzeitig erkennen?
  • Und was machen wir, wenn sie denn doch eintreten?

Sodann sollten Sie einige Einrichtungen vornehmen und vor allen Dingen auch trainieren:

  • Haben Sie Frühwarnsystem eingerichtet: Wer ist zuständig?
  • Sind Sie organisatorisch gerüstet? Haben Sie ein/e/n - Krisenstab / „Warroom“ – wo sich dieser versammelt - Krisenhandbuch - Krisentraining - Krisenübung und protokollieren diese
  • führen Sie Medientraining für Führungskräfte und Funktioner (z. B. Pforte) durch
  • Mal an Social Media gedacht?
  • Haben Sie vorbereitet Wordings, Argumentationen, Pressemitteilungen, Rundbriefe, Dark Sites, Ankündigungen, Nachrufe, …
  • Können Sie den Verlauf der Krise laufend protokollieren, denn wir wollen ja zumindest versuchen, etwas zu lernen?

Und haben Sie sich überlegt, wie man aus einer Krise überhaupt lernt?

Denn – wir erinnern uns – in jeder Krise steckt eine Chance. Wenn, ja wenn wir gut vorbereitet sind.