Wie man einen Corporate Blog startet

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Corporate Blogger und als Markenbotschafter: Das ist in vielen deutschen Unternehmen, vor allem im Mittelstand, immer noch die Ausnahme. Die Stadtwerke Neuss mit ihren 500 Mitarbeitern bilden eine positive Ausnahme. Gespräch mit Jessica Wolf, PR-Referentin der Stadtwerke Neuss, die das Projekt zusammen mit der Strategieberaterin Kerstin Hoffmann auf den Weg gebracht hat.

Warum wurde der Corporate Blog gestartet?

Hierfür gab es gleich mehrere Gründe: Wir wollten ein Medium schaffen, in dem Menschen hinter die Kulissen unserer Arbeit blicken konnten. Die Website dient ja vor allem der klassischen Information. Und Facebook ist auch nicht der Ort für ausführliche Erklärungen. Zudem wandern Inhalte in sozialen Netzwerken in der Timeline nach unten. Niemand sucht danach. Wir wollten also eine Art bleibendes „Wohnzimmer“ für unsere Inhalte schaffen. Last but not least: Wir wollten nicht nur unsere tägliche Arbeit, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen sichtbar machen.

Wann ging es los?

Mitte 2015 haben wir dann mit den konkreten Planungen begonnen und uns hierfür mit Frau Dr. Hoffmann auch externe Unterstützung ins Boot geholt. Sie hat mit uns Workshops veranstaltet – vom Planungstreffen über die Konzeption einer Contentstrategie  bis zu einem Schreibseminar. In einem dieser Workshops fiel auch die Entscheidung, unseren Blog ‚Magazin‘ zu nennen.

Welche Voraussetzungen müssen im Unternehmen geschaffen werden?

Das Stadtwerke Magazin würde nicht funktionieren, wenn die Geschäftsführung und unsere Führungskräfte nicht hinter dem Projekt stehen würden. Als mittelständisches Unternehmen mit einer überschaubaren Personenzahl profitieren wir zudem von relativ kurzen Absprachewegen. Freigabeketten sind wichtig, dürfen aber auch nicht unverhältnismäßig lang sein.

Wer kümmert sich um die Contentstrategie?

Die Inhalte des Magazins planen wir mit den Mitgliedern unseres Redaktionsteams. In Bezug auf den gesamten Kommunikationsmix übernimmt unsere Abteilung Unternehmenskommunikation die strategische Ausrichtung. Zum Beispiel steht demnächst der Start eines Instagram-Kanals für uns an. Dieser wird sich an eine junge Zielgruppe richten. Hier sind unsere Auszubildenden involviert.

Wie werden die Abläufe organisiert?

Als Projektleiterin habe ich den Überblick über den Redaktionsplan sowie den Themenspeicher und kann Verschiebungen von Veröffentlichungsterminen vornehmen. Außerdem leite ich die Redaktionssitzungen, betreue die schreibenden Kollegen und schreibe selbst viele Beiträge.

Erhalten wir von einem Kollegen einen Beitrag, wird er zunächst redigiert und geht dann zum fachlichen Check an den jeweiligen Abteilungsleiter. Fotos oder kurze Videos machen wir ebenfalls meist hausintern mit der eigenen Kamera. Last but not least stelle ich den Beitrag online und verlinke über die unterschiedlichen Kanäle.

Können Sie den zeitlichen und finanziellen Aufwand des Vorhabens beziffern?

Der zeitliche Aufwand ist tatsächlich schwer zu beziffern und von Woche zu Woche unterschiedlich. Das kann mal nur eine Stunde sein, mal sind es ein oder zwei Arbeitstage. Das ist abhängig vom Beitragsthema der Woche und davon, ob noch weitere Blog-Organisation ansteht. Die Kolleginnen und Kollegen aus unserem Redaktionsteam kalkulieren mit 1,5 Stunden alle 6 Wochen für die Redaktionssitzung. Hinzu kommen alle paar Monate ein paar Stunden für eigene Beiträge.

Der finanzielle Aufwand ist nicht sonderlich hoch. Kosten fallen in erster Linie für externe Dienstleister wie Frau Hoffmann, die uns weiterhin begleitet, oder eine externe Autorin an, die uns ebenfalls unterstützt.

Welche Faktoren bestimmen über das Gelingen eines solchen Blogs?

In einem kleinen Team wie unserem mit vielen beteiligten Personen aus anderen Fachbereichen sind wohl Herzblut und Durchhaltevermögen entscheidende Faktoren. Die interne Akzeptanz ist immens wichtig. Und als Leserin eines Blogs möchte ich natürlich regelmäßig neue und relevante Inhalte lesen. Sonst bin ich weg.

Wie sollte er in den Auftritt des Unternehmens integriert sein?

Das beste Blog nutzt natürlich nichts, wenn man es nicht findet. Daher halte ich die Kanalvernetzung für immens wichtig. Unser Magazin ist direkt sichtbar in der Hauptnavigation unserer Website integriert. Unsere Beiträge verlinken wir auf Facebook und auf der Startseite unseres Intranets.

Außerdem wurden einige Themen unseres Magazins auch schon von unseren Lokalmedien aufgegriffen.

Wie ist die Resonanz innerhalb und außerhalb der Stadtwerke auf das neue Angebot?

Tatsächlich freut mich fast am meisten zu sehen, wie das Magazin bei den Stadtwerke- Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern ankommt und wie es dazu führt, dass Menschen ins Gespräch kommen. Doch auch außerhalb der Stadtwerke haben wir eine positive Resonanz. Einige unserer Beiträge haben inzwischen mehrere tausend Seitenaufrufe. Damit sind wir als regionales Stadtwerk sehr zufrieden.

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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