Machen Sie den Trend mit! − Lokal & regional als Gegentrend zur Globalisierung

„Nicht der Mensch ist für die Wirtschaft da, sondern die Wirtschaft für den Menschen.“ Im Zeitalter der Globalisierung wird dieser Leitsatz nur allzu oft ignoriert. Lebensmittelskandale und Finanzkrise verdeutlichen die Auswirkungen unserer weltumspannenden Wirtschaftsstrukturen, die der Einzelne weder überblicken noch beeinflussen kann. Doch je weiter die Globalisierung voranschreitet, desto stärker wird auch der Gegentrend: Hin zum Lokalen und Regionalen – oder auch „zurück zum menschlichen Maß“, einem Leitgedanken von Leopold Kohr.

Regionale Produkte liegen im Trend

Sichtbar wird dieser Gegentrend aktuell unter anderem in der Lebensmittelindustrie. Durch Skandale verunsicherte Verbraucher greifen wieder verstärkt zu regionalen Produkten und sind sogar bereit, für regionale Qualität mehr zu bezahlen. Doch nicht nur bei Lebensmitteln, sondern über viele Branchen hinweg deutet sich der Wunsch der Verbraucher nach Authentizität und Einzigartigkeit anstatt Gleichmachung und Massenware an. Das bedeutet auch: Lokal und regional agierende Firmen müssen sich der Globalisierung nicht kampflos ausliefern, sondern haben die Chance, diese sinnvoll zu ergänzen und sogar für sich zu nutzen.

Mit gutem Beispiel voran gehen

Wie das gehen kann, zeigen lokale Buchhandlungen, denen Online-Händler und große Ketten das (Über-)Leben schwer machen: Der inhabergeführte Laden Bücher bei Dausien Weihl ' Co KG hat die Auswirkungen der Globalisierung im Zuge des Umbaus der Hanauer Innenstadt zu spüren bekommen – und sich daraufhin der bundesweiten Initiative Buy Local angeschlossen. Die von elf Buchhandlungen ins Leben gerufene Initiative plädiert unter anderem für die Rückbesinnung auf die lebendige Vielfalt lokaler Dienste: Statt bei Internet-Buchhandlungen oder großen Ketten einzukaufen, soll der Kunde lieber in der örtlichen Buchhandlung stöbern. Allerdings nicht aus Mitleid, sondern weil die persönliche Beratung durch den Buchhändler oder besondere Aktionen wie Autorenlesungen vor Ort einen attraktiven Mehrwert bieten.

Ein regionales Netzwerk aufbauen

Der Schlüssel ist nachhaltige Regionalentwicklung, „(…) ein Prozess, an dem möglichst viele Akteure aus der Region beteiligt sind: die Produzenten und Verarbeitungsbetriebe von Nahrungsmitteln, der Handel; die Handwerker und kleinen Betriebe; die öffentliche Verwaltung und die Politik; die Verkehrsbetriebe; die Bürgerinnen und Bürger (jeden Alters) als Konsumenten und als Beteiligte an der Gestaltung der Region; die Bildungseinrichtungen: Schulen, Kindergärten und Einrichtungen für Erwachsene, die Universität; Verbände und Vereine.“ (Prof. Dr. Ute Stoltenberg, Quelle: Regionalentwicklung.de)

In diesem Sinne möchte sich auch die „Buy Local“-Initiative künftig auf andere Branchen ausdehnen. Schließlich birgt die Rückbesinnung des Verbrauchers aufs Lokale und Regionale auch für kleine und mittlere Unternehmen vieler anderer Branchen ein beachtliches Potenzial, das es zu nutzen gilt.