Audio- und Videoformate in der Online PR: Tipps zum strategischen Einsatz

Das Smartphone vibriert, der Nachrichten Bot schickt die neuesten Informationen. In der Meldung: Ein Videoclip zu den neuesten Ereignissen. Danach kurz die WhatsApp-Gruppe für die Wochenendpläne checken und noch ein Blick in die E-Mails, die Chefin könnte sich ja gemeldet haben.

Ein heute fast alltägliches Szenario zeigt: Die Kommunikation hat sich verändert. Menschen können überall und jederzeit Informationen abrufen. Das hat dazu geführt, dass wir in vielen Bereichen mit Inhalten überschüttet werden. Doch statt von der ewigen Content-Flut zu reden, möchte ich vielmehr eine andere Entwicklung beleuchten.

Texte spielen online zwar immer noch eine wichtige Rolle, Sie lesen ja auch einen, doch es zeigt sich auch: Es werden Audio- und Videoformate beim Konsumieren von Inhalten bevorzugt. Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass man in einer Minute Bildmaterial ein Äquivalent von 1.800.000 Wörtern kommunizieren kann (ob man das tun sollte, ist eine andere Frage).

In Kombination mit unserer Aufmerksamkeitsspanne, die kürzer als die eines Goldfisches ist, sind visuelle Formate für das Konsumieren von Inhalten von Vorteil.

Darüber hinaus wirken Stimmen und Gesichter persönlich und erleichtern uns damit eine Beziehung zu Inhalten und Geschichten aufzubauen. Die Kommunikation von Mensch zu Mensch ist auch in unserer heute digitalen Zeit eine Art der Kommunikation, die nicht unterschätzt werden darf.

Wie kann man also Audio- und Videoformate sinnvoll in seine Online PR Strategie integrieren?

Audioformate: Der persönliche Zugang mithilfe der Stimme

Visuelle Elemente fehlen zwar bei Audioformaten, doch sie nutzen die menschliche Stimme als persönliches Element, um eine Beziehung zum Zuhörer aufzubauen. Im Vergleich zu Videoformaten ist Audio leichter und kostengünstiger zu produzieren.

Ein Trend, der im Audio-Bereich momentan regelrecht aufblüht, sind Podcasts und mobile Audioformate. Podcasts können auch offline konsumiert werden, wenn sie vorab heruntergeladen wurden.

Es gibt aber auch weitere Audioformate, wie beispielsweise die Vertonung von Blogbeiträgen sowie Kurzinterviews und Statements. Hierfür eignen sich Plattformen wie Anchor, AudioBoom oder SoundCloud.

Die Kriterien für ein gutes Audioformat sind nicht anders als die für gute Inhalte im Allgemeinen. Grundsätzlich sollten relevante und informative Inhalte für die Zielgruppe angeboten werden. Aktuelle und interessante Themen erreichen Zuhörer am leichtesten. Ein zur Marke passender Unterhaltungswert kann die Abrufe des Audioformats zusätzlich steigern. Ein weiterer Erfolgsgarant sind angenehme Stimmen - sei es die Stimme des Moderators oder des Gesprächspartners.

Ein schönes Beispiel - über das ich auch auf Online PR Guide geschrieben habe - ist der Podcast „Forschergeist“ vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

Im Podcast lässt der Stifterverband Wissenschaftler zu Wort kommen, die neue und ungewöhnliche Projekte ins Leben rufen und die Gesellschaft mit ihren Ideen weiterbringen wollen.

Als Medium bietet sich Audio hier vor allem deshalb an, weil sich der Forschergeist Podcast oft mit umfangreichen und komplexen Themen befasst, die einige Zeit benötigen. Videos mit einer Laufzeit von 60 Minuten und mehr werden schnell langweilig, vor allem wenn es sich um reine Interviews handelt. Bei Podcasts funktionieren genau diese Formate jedoch hervorragend. Ein stark visuelles Medium wie Video wäre hier vermutlich die falsche Wahl gewesen.

Videoformate: Ohne Ziele sinnlos

Egal ob YouTube, Facebook, Instagram, Snapchat oder Twitter alle großen sozialen Netzwerke haben Video in verschiedensten Formaten integriert. Sie haben sich ganz auf den ansteigenden Videokonsum eingelassen. Das beweist unter anderem die Analyse von Hootsuite und We Are Social: Der Konsum von Video wächst auch in Deutschland.

Das heißt aber nicht, dass sie gleich losrennen müssen, um Videos zu produzieren. Nicht jedes Thema kann mit Video abgebildet werden. Auch hier gilt es, das Format sinnvoll und im Rahmen einer ganzheitlichen Kommunikationsstrategie einzusetzen.

Machen Sie sich Gedanken darüber, welche Ziele Sie mit den Videos verfolgen wollen. Ziele können einfacher definiert werden, wenn man sich zuvor mit den Bedürfnissen existierender und potenzieller Kunden auseinandergesetzt hat. Auch befinden sich die eigenen Adressaten in unterschiedlichen Lebenslagen und Situationen. Es kommt also darauf an, den richtigen Kontext zu finden. Daraus ergibt sich dann die Frage, wo, wann und wie die Interessenten und Kunden Videos schauen und konsumieren.

Für den Einstieg empfiehlt Christian Müller Formate, wie Eventrückblicke, Erklärvideos, Statements oder Tutorials.

Auch hier nenne ich gerne den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft als Best Practice Beispiel. Der Stifterverband nutzt Videoinhalte, um Themen zu komprimieren und sie Nutzern zugänglich zu machen, die wenig Zeit haben, um sich mit Wissenschaftsthemen zu befassen.

Über den YouTube-Kanal veröffentlich der Stifterverband Interviews zu Themen aus Wissenschaft, Gesellschaft, Bildung und Politik. Jede Woche erhält die Zielgruppe des Stifterverbands Informationen rund um den Verband: Videos werden dabei in inhaltlich zusammengehörige Playlists geordnet. Themen und Veranstaltungen kann der YouTube-Nutzer aufgrund des unterschiedlichen Designs leicht optisch und inhaltlich auseinanderhalten.

Die YouTube Videos werden nicht nur im Kanal, sondern auch in den sozialen Netzwerken und in Blogartikeln verwendet.

Video- oder Audio: Wie können sie für Online PR eingesetzt werden?

Generell können Audio- und Videoformate in der Online PR dazu genutzt werden, um Präsentationen, Interviews, Produkte und ihre Funktionen zusätzlich zu textuellen Inhalten aufzubereiten.

Statt wie üblich eine Pressemitteilung zu veröffentlichen, könnte ich mir mit der Kombination von Audio- und Video eine andere Herangehensweise vorstellen.

Man schafft mit der kontinuierlichen Produktion von Video- und/oder Audioformaten ein Archiv, dass unterschiedliche, aber für die Zielgruppe relevante und zum Unternehmen passende Themen bereithält. Mit dem ständigen Veröffentlichen dieser Inhalte auf den passenden Kanälen bleibt man kontinuierlich in den Köpfen seiner Zielgruppe. Die Produktion von Videoformaten mithilfe eines mobilen Endgeräts und/oder von kurzen Audioformaten mithilfe von Plattformen wie Anchor sind besonders kostengünstig.

Falls es aktuelle Geschehnisse oder für das Unternehmen bedeutsame Neuigkeiten gibt, können nach wie vor Pressemitteilungen veröffentlicht werden. Diese können aber mit einem Podcast oder einem Video erweitert werden. Somit bietet man Journalisten, seinen Stakeholder, seiner Zielgruppe und der breiten Öffentlichkeit weitere für sie relevante und leicht konsumierbare Inhalte.

Der Einstieg in Audio- und Videoinhalte muss dabei nicht schwer sein. Vertonen Sie Ihre Blogartikel oder Pressemitteilungen, sprechen Sie kurze Statements auch in die Kamera. Testen Sie und nutzen Sie die neuen Möglichkeiten. Wenn Sie dann noch dem Feedback Ihrer Zielgruppe lauschen, kann der Start gelingen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.