History Marketing für KMUs: Tradition weckt Vertrauen

Beim History Marketing setzen traditionsreiche Unternehmen ihre Geschichte ein, um bei Kunden zu punkten. Welches Potenzial steckt in der Vergangenheit Ihrer Firma? Und wie münzen Sie es in erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit um?

Geschichte als Wettbewerbsvorteil

Die vermeintlich staubige Vergangenheit aus dem Keller holen und mit Leben füllen – das steht beim History Marketing im Vordergrund. Nahezu jeder Betrieb hat eine Geschichte – selbst dann, wenn er noch nicht auf eine mehr als hundertjährige Schaffenszeit zurückblicken kann. Doch nur wenige Unternehmen verstehen es, ihre hauseigene Tradition in eine Marketingstrategie umzumünzen. Richtig in Szene gesetzt kann die Vergangenheit Ihres Betriebs  dafür sorgen, dass Ihr Unternehmen sich in der Außenwahrnehmung auf einzigartige Art und Weise von Ihren Mitstreitern unterscheidet. Ein Handwerksbetrieb, der beispielsweise bereits seit mehreren Generationen von der gleichen Familie geführt wird, kann sich durch diese Tatsache deutlich von seinen Konkurrenten abheben. Im Gegensatz zu neueren Wettbewerbern am Markt hat sich das Familienunternehmen schließlich bereits bewährt – denn nur eine erfolgreiche Firma, die solide Arbeit leistet, kann sich so lange behaupten. So generiert das Alleinstellungsmerkmal als Traditionsmarke beim Kunden Vertrauen.

Tradition als lokale Marketingstrategie

Besonders bei lokal agierenden Unternehmen kann sich das Hervorheben der eigenen Tradition auszahlen. Indem KMUs hier auf ihre lange Beständigkeit hinweisen, heben sie auch ihre Verwurzelung in der Region hervor und schaffen so emotionales Kapital. Hat ein Kunde die Wahl zwischen zwei gleichwertigen Produkten, können die mit der Marke verbundenen Werte am Ende ausschlaggebend für die Kaufentscheidung sein. Ein schon lange bestehendes, in der Region ansässiges Unternehmen wirkt vertraut und kann sich glaubwürdig als lokale Marke verkaufen. So hat es am Ende wahrscheinlich die Nase vorn.

History Marketing als Stütze des Recruitings

Wer seine eigene Geschichte aufarbeitet und mit zum Markenkern zählt, spricht nicht nur Kunden, sondern auch potenzielle Mitarbeiter an. Ein traditionsreiches Unternehmen impliziert auf der einen Seite Stabilität und damit sichere Arbeitsplätze. Auf der anderen Seite formulieren Firmen mit ihrer Historie in der Regel auch ein Wertegerüst, das sie für Arbeitnehmer womöglich attraktiver macht. Zudem kann das History Marketing in der Mitarbeiterbindung und -motivation eine wichtige Rolle spielen. Die Geschichte des Unternehmens und seiner Produkte kann dazu beitragen, dass sich Ihre Mitarbeiter mehr mit dem Unternehmen identifizieren – und das verstärkt das Zugehörigkeitsgefühl zum Betrieb.

Voraussetzung fürs History Marketing

Wie alt ein Unternehmen sein muss, um seine Geschichte erfolgreich zu vermarkten, lässt sich nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich gilt aber nicht: je älter, desto besser. Wichtig ist, dass es spannende Begebenheiten oder Umbrüche zu berichten gibt. Die Übergabe der Führung an eine neue Generation, die Neu- oder Weiterentwicklung von Produkten oder regionale und zeitgeschichtliche Ereignisse, die auf das Unternehmen Einfluss geübt haben, können hier zum Thema werden. Voraussetzung ist jedoch, dass Betriebe ihre Vergangenheit in irgendeiner Form dokumentiert haben. Einige große Unternehmen wie VW oder Dr. Oetker haben Historiker damit beauftragt, ihre Archive zu durchforsten und so die Vergangenheit der deutschen Wirtschaftsriesen zu erforschen und festzuhalten. Kleinere Unternehmen, die keinen wissenschaftlichen Anspruch an ihre Chronik stellen, können Fakten und Quellen wie alte Fotos oder Dokumente aber auch auf eigene Faust zusammenstellen.

Unternehmensgeschichte darstellen, aber wie?

Je nach Größe und Alter des Unternehmens kann die Geschichte auf unterschiedliche Weise dargestellt werden. Besonders einfach präsentieren Sie Ihre Vergangenheit auf der eigenen Homepage. Hier können Sie eine Chronologie mit den wichtigsten Punkten der Firmengeschichte einstellen, die Sie am besten mit einem Fließtext zu den größten Ereignissen und anschaulichem Bildmaterial unterfüttern. Der Rückblick sollte idealerweise einen roten Faden enthalten, beispielsweise, indem alle erwähnten Begebenheiten einen Meilenstein darstellen, die Ihren Betrieb zu dem gemacht haben, der er heute ist. Besondere Werte und Ideale wie Familie oder ein hoher Qualitätsanspruch eignen sich ebenfalls als Leitmotiv für die Unternehmenshistorie. Dabei gilt es, die Fakten zum Leben zu erwecken und nichts hinzuzudichten. Wer seine Vergangenheit mit Fabeln aufpoliert, riskiert schließlich seine Glaubwürdigkeit.

Neben der Darstellung im Internet eigenen sich auch kleine Broschüren als Medium für Ihr History Marketing. Wer die räumlichen Möglichkeiten besitzt, kann der Firmengeschichte zusätzlich eine kleine Ausstellung widmen. Diese können Sie in der Lokalpresse bewerben und Ihrem Unternehmen so Sichtbarkeit verschaffen. Damit die Ausstellung ein Erfolg wird, ist es hier allerdings ratsam, auf die Unterstützung eines Experten zurückzugreifen.Ein weiteres Event, mit dem Sie Ihre Öffentlichkeitsarbeit bereichern sowie Kunden und Mitarbeiter begeistern, sind Jubiläumsfeiern. Egal, ob Sie eine richtige Feier ausrichten oder den Anlass für besondere Angebote nutzen, hier können Sie Unternehmensgeschichte gewinnbringend vermarkten.

Geschichte in die tägliche Unternehmenskommunikation integrieren

Wenn Sie das historische Erbe zum festen Bestandteil Ihres Markenkerns machen wollen, können Sie das History Marketing auch in die tägliche Unternehmenskommunikation einbinden. Fügen Sie Ihrem Unternehmenslogo doch beispielsweise das Gründungsdatum hinzu. "Gegründet 1972" oder "Erfolgreich seit 1956" sind denkbare Lösungen, die auch in E-Mail-Signaturen, auf Visitenkarten sowie in Inseraten für Kunden sichtbar werden.Geben Sie regelmäßig Pressemitteilungen heraus? Dann enthalten diese sicherlich einen kurzen Absatz über Ihr Unternehmen. Hier bietet es sich an, nicht nur das Tätigkeitsfeld des Betriebs zu erläutern, sondern auch die Tradition des Unternehmens in ein bis zwei kurzen Sätzen herauszuarbeiten.

Aus Fehlern lernen – Misserfolge und Rückschläge dokumentieren

Jedes Unternehmen blickt gleichermaßen auf Erfolge und Misserfolge zurück. Die eigene Geschichte zu vermarkten bedeutet dabei nicht, Fehlschläge unter den Teppich zu kehren. Im Gegenteil: Perfektion wirkt zu glatt. Ein Betrieb, der Niederlagen zugibt und aus diesen lernt, ist authentischer und bietet für Mitarbeiter und Kunden damit mehr Identifikationspotenzial. Das bedeutet aber nicht, dass jede misslungene Produktentwicklung in der Chronik gelistet werden muss.

Auch Rückschläge wie ein Fabrikbrand oder Hochwasserschäden können zu der bewegten Firmengeschichte zählen. Der erfolgreiche Wiederaufbau unterstreicht schließlich die Stärke des Betriebs. Überstandene Naturkatastrophen, die die gesamte Region betroffen haben, betonen zudem erneut die lokale Verwurzelung.