„Risiken und Nebenwirkungen“ – Vom Nutzen vorbeugenden Risikomanagements

Sie kennen vielleicht den Claim „Vorbeugen ist besser als bohren“. Gemünzt war dieser auf die Vorzüge der Zahnpflege. Tatsächlich lässt er sich aber auch auf Kommunikation anwenden. Denn: wer Krisen vorbeugen und – so sie denn eintreten – dann die besseren Argumente haben will, sollte Stakeholder rechtzeitig auf „Risiken und Nebenwirkungen“ seines Geschäftsmodells hinweisen

Fachleute nennen so etwas „Risikokommunikation“. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) definiert „Risikokommunikation“ als „Austausch von Informationen und Meinungen über Risiken zur Risikovermeidung, Risikominimierung und Risikoakzeptanz“. Und das BKK muss es wissen. Hat nicht vor kurzem die Bundesregierung die Bevölkerung auf hiesige Daseins-Risiken aufmerksam gemacht und empfohlen sich für einige Tage mit überlebenswichtigen Utensilien einzudecken? Sehen Sie, das ist Risikokommunikation.

Ganz freiwillig ist Risikokommunikation sowieso nicht. Für zahlreiche Fälle macht der Gesetzgeber Auflagen. Sollten Sie zum Beispiel Medikamente, Zigaretten oder Pflanzenschutzmittel produzieren, wissen Sie, was ich meine.

Bei anderen Produkten tun Sie gut daran, sicherheitshalber selbst auf Risiken der Verwendung hinzuweisen, oder – besser – den richtigen Gebrauch anzuempfehlen: „Vor Gebrauch schütteln“, ist so ein Hinweis. Gerne genommen ist auch die „Gebrauchsanleitung“, die am besten leichtfasslich auf das positive Produkterlebnis hinführt und am Ende noch Tipps zur Pflege und zum Störungsbehelf gibt.

„Risiken und Nebenwirkungen“ müssen sich aber nicht auf Produkte beschränken. Jede Aktiengesellschaft ist gehalten, eine Risikoeinschätzung ihres Geschäftsmodells und ihrer Strategie abzugeben. Auf dass der Investor nochmal überlegen kann. Unternehmen sollten Anlieger frühzeitig vor möglichen Emissionen oder Lärmbelästigungen ihrer Produktionsstätten warnen. Nicht erst, wenn der Ernstfall eintritt.

Warum lohnt sich Risikokommunikation?

  • Das technische Ziel von Risikokommunikation ist die Prävention und die Vorbereitung auf Gefahren und Risiken.
  • Das höhergeordnete Ziel ist der Aufbau eines auf Dauer angelegten, wechselseitigen Vertrauensverhältnisses zwischen allen am Risikomanagement Beteiligten.

Sie bauen bei der Öffentlichkeit vor – vor allem bei Betroffenen und interessierten Bürgern. Sie zeigen Verantwortung und dass Sie sich Gedanken machen. Sie legen schon mal die Kommunikationskanäle an, welche Stakeholder nutzen können, wenn es ernst wird. Sie zeigen Gesicht.

Vorausgesetzt, Sie machen es ordentlich:

1. Führen Sie einen offenen Dialog mit Betroffenen, Interessen- und Zielgruppen.

2. Seien Sie transparent: Risikokommunikation bedeutet, auf Unsicherheiten hinzuweisen und zu erläutern, warum sie existieren und was sie bedeuten.

3. Bemühen Sie sich um Glaubwürdigkeit und Konsistenz. Furcht und Risikowahrnehmung werden vermindert, wenn Informationsvermittlung vertrauens- und glaubwürdig erfolgt. Voraussetzungen dafür sind eine hohe Sachkenntnis, Offenheit bzw. Ehrlichkeit sowie eine positive und vertrauensvolle Haltung.

4. Reden Sie. Es ist die Aufgabe der Risikokommunikation, eine wirksame Kommunikation in beide Richtungen zu gewährleisten und auch Interessengruppen nicht außen vor zu lassen. Die Nutzung von sozialen Medien bietet ein Instrument und muss, neben traditionellen Elementen der Risikokommunikation, einbezogen werden.

Bei all dem dürfen Sie sich aber nicht selbst ins Bockshorn jagen. Überhöhen Sie Ihre Risiken nicht. Sprich: Bevor Sie kommunizieren, sollten Sie sich in Ihre Stakeholder-Gruppen hineinversetzen: Welche Risiken sind für diese interessant, welche Aspekte betreffen diese wirklich? Welche Fragen werden Sie stellen?

  • Merke: Jede Risikoeinschätzung ist subjektiv. Der Rezipient sieht ein anderes Risiko als Sie es sehen. Und er beurteilt es unterschiedlich als ein anderer Rezipient.
  • Je nach Stakeholder-Gruppe gibt es unterschiedliche Risikobeurteilungen. Viele Risikoeinschätzungen sind ideologisch und politisch bestimmt, z. B. nur Gentechnik-Gegner fürchten sich vor den Folgen der Gentechnik.

Dann aber gilt:

  • Klären Sie offen über Gefahren und Risiken auf, sensibilisieren Sie die Zielgruppen und geben Sie Handlungsempfehlungen.
  • Betreiben Sie ihre Risikokommunikation langfristig und vor allem anlassunabhängig.
  • Denken Sie bei jeglicher Risikokommunikation sofort an den Einbezug der Mitarbeiter. Diese sind Ihre glaubwürdigsten Botschafter nach draußen. 

Wenn Sie solcherart vorbeugen, minimieren sich auch die Risiken und Nebenwirkungen. Ganz wie beim Zahnarzt.