Welcher Trend ist für die Online PR relevant? So finden Sie es heraus

Jedes Jahr um diese Zeit werden wir mit Beiträgen und Artikeln zum Thema Trends in den kommenden Monaten regelrecht befeuert. Diese Trends sind gut und spannend, doch wer jedem hinterher hechelt, kann sich nicht mehr auf seine PR-Arbeit konzentrieren. Da stellt sich die Frage: Wie finde ich die neuesten Entwicklungen, die auch tatsächlich zum eigenen Unternehmen und zur eigenen Kommunikationsstrategie passen? Steigt man zu schnell und unüberlegt auf einen Trend auf, kostet das finanzielle und personelle Ressourcen. Überflüssiger Ressourcenschwund: Etwas, dass sich heutzutage keine Kommunikationsabteilung oder professionelle Agentur noch leisten kann. Wie Sie die für Ihr Unternehmen und Ihre Kommunikationsstrategie passenden Trends identifizieren können, erkläre ich in diesem Beitrag.

Woran man einen Trend erkennt

Unter einem Trend versteht man Veränderungen und Strömungen in allen Bereichen der Gesellschaft. Trends sind beobachtbar, ihr weiterer Verlauf lässt sich meistens abschätzen, aber nur selten beeinflussen. Außerdem kann man Trend als eine neue Auffassung in Gesellschaft, Wirtschaft oder Technologie verstehen, die eine neue Bewegung oder auch Denkweise auslöst.

Für PRler bedeutet das oft eine Veränderung des Kommunikationsverhaltens und/oder das Auftauchen neuer Kanäle und Möglichkeiten. Wann etwas neues wirklich zu einem Trend wird, ist dabei nicht immer eindeutig. Snapchat wurde beispielsweise vor zwei Jahren in Deutschland zum Trend, war da aber schon einige Jahre alt und ist heute, zumindest in der medialen Wahrnehmung, in den Hintergrund getreten. Dennoch existiert der Dienst weiter und ist für bestimmte Zielgruppen und Unternehmen sinnvoll und wichtig.

Wie man relevante Trends erkennt

Wie man am einfachsten einen Trend erkennen kann? Man hält die Augen offen. Denn alles, was einem im Alltag über den Weg läuft, könnte eine Innovation sein. Und Innovationen, die konkrete Formen annehmen, entwickeln sich häufig zu Trends weiter.

Falls Sie sich nicht nur auf Ihr Augenpaar verlassen wollen, helfen Ihnen folgende Schritte beim Aufspüren relevanter Trends:

Kenne Sie Ihre Zielgruppe

Versuchen Sie zu verstehen, wer Ihre Kunden sind. Vergessen Sie nicht: Ihre Zielgruppe besteht nicht nur aus Zahlen und sie sind mehr als bloße anonyme Merkmalsträger. Diese Gruppe, die sich für Ihr Unternehmen und Ihre Produkte interessiert, besteht aus echten Menschen mit individuellen Bedürfnissen, Zielen und Lebensstilen. Indem Sie online und offline einen Dialog mit ihnen führen, bauen Sie eine Beziehung auf und finden so heraus, was diese Gruppe an Menschen braucht, will und wofür sie sich interessiert.



Beobachten Sie Nutzerverhalten und Veränderungen

Menschen waren schon immer neugierig. Neugier schlägt sich als Veränderung im Nutzerverhalten nieder. Nutzerverhalten und Veränderungen können Sie beobachten. Sobald ein Trend konkrete Formen annimmt, können Sie beobachten, wie sich immer mehr Menschen Ihrer Zielgruppe, sich mit dem neuen Thema auseinandersetzen - oder eben nicht. Mithilfe von Social Media Listening können Sie die Gespräche Ihrer Zielgruppe über Produkte, Vorlieben, Erfahrungen und Meinungen aktiv beobachten. Denn alles, was in den sozialen Netzwerken gesagt, geschrieben und gepostet wird, kann mittlerweile von Programmen ausgewertet werden.



Gleichen Sie dieses Verhalten mit den Stärken und Schwächen des Unternehmens ab 


Sobald Sie eine Verhaltensänderung feststellen, sollten Sie überlegen, inwiefern das Thema, mit dem sich Ihre Zielgruppe auseinandersetzt, zu Ihrem Unternehmen und Ihren Kernbotschaften passt. Stimmen die Themen mit Ihren Stärken überein, sodass Ihr Unternehmen einen sinnvollen Beitrag in Form von Wissen oder Expertise beitragen kann. Wenn Sie allerdings feststellen müssen, dass die diskutierten Themen nichts mit Ihrem Unternehmen und Ihren Botschaften zu tun hat, dann sollten Sie die Finger vom Trend lassen. 



Überlegen Sie, was sich sinnvoll nutzen lässt

Die Frage nach dem möglichen Nutzen ist bei der Trendbeobachtung entscheidend. Ein Patentrezeot gibt es nicht, doch Sie können sich die Beurteilung von Trends mit einigen essentiellen Fragen erleichtern. Wie viele Ressourcen können Sie überhaupt für etwas Neues abstellen? Wie affin ist ihre Zielgruppe für die neuen Möglichkeiten? Für welche Zwecke und Ziele könnte sich der neue Trend im Rahmen Ihrer Strategie, oder einer Erweiterung, nutzen lassen? Wer in Ihrem Team kann sich ernsthaft mit dem neuen befassen? Wenn Sie diese Fragen beantworten, können Sie zumindest eine Zustandseinschätzung vornehmen. Wenn Sie den Trend dann weiter beobachten und die Fragen immer wieder neu stellen, können Sie den möglichen Nutzen eines Trends fortlaufend bewerten.

Ein guter Kommunikator muss wissen, wo die Entwicklung hingeht, damit er sich vorbereiten, experimentieren und umschwenken kann, falls es notwendig ist. - Klaus Eck

Trends können auch ein Risiko sein

Trends lassen sich nicht nur direkt nutzen, man kann auch über sie schreiben. Sei es, dass man sie in seinen sozialen Kanälen, einem Artikel oder einem Video aufgreift. Wer die Aufmerksamkeit für einen Trend nutzt - egal ob in der Form direkter Nutzung oder indirekt in Form einer textuellen oder visuellen Auseinandersetzung zum aktuellen Thema - kann die Reichweite der eigenen Inhalte erheblich erhöhen.

Mehr Aufmerksamkeit und mehr Reichweite können nicht nur von Vorteil sein, denn Sie müssen damit rechnen, dass…

  • … sich Ihre Zielgruppe, Ihre Stakeholder oder sogar die Medien von diesen Inhalten gestört fühlen.
  • … die genannten Gruppen negativ darauf reagieren.
  • … es Nachfragen geben wird, wenn der thematische Zusammenhang unklar ist.
  • … sogar die Reputation darunter leiden kann, wenn das Thema nicht zum Unternehmen passt.

An dieser Stelle verzichte ich bewusst auf Worts Practices, da es genügend Beispiele für Hashtag-Trittbrettfahrer oder Unternehmen gibt, die neueste Trends überstürzt umsetzen und damit sowohl ihre Branche als auch die Öffentlichkeit verärgern.

Trends und Strategien können immer nur Guideline und Hilfestellung sein. Eine sinnvolle Umsetzung muss individuell auf das jeweilige Unternehmen und die verfügbaren Möglichkeiten angepasst werden. - Christian Müller

Fataler Fehler: Trends ignorieren

Trends komplett zu ignorieren ist allerdings auch keine Lösung. Schließlich kann es einem dann passieren, dass die Konkurrenz davonzieht. In solchen Situationen mit großem Aufwand den Anschluss halten zu wollen, funktioniert nur in den seltensten Fällen. Im schlimmsten Fall verpasst man den Anschluss ganz und sieht sich weit rechts von der Überholspur.

Besonders dann, wenn sich ein Trend konkretisiert und damit die eigenen Kommunikationsaktivitäten beeinflussen kann, sollte genadelt werden. Das Potential eines Trends zu erkennen, ist gar nicht so uninteressant. Denn man muss die Zukunft in einem gewissen Umfang antizipieren können, um sie zu beeinflussen und zu gestalten.

Die beste Möglichkeit die Zukunft vorherzusagen ist, sie zu erfinden.– Alan Kay

Statt sich gleich auf die großen Trends zu stürzen, reicht es zunächst, sich Gedanken zu den Entwicklungen in der eigenen Branche zu machen. Mikrotrends finden im kleinen Maßstab statt und sind für KMU und ihre Kommunikatoren ein Indikator dafür, wie sich die Umwelt gerade verändert. Mikrotrends sind relativ leicht zu beobachten. Sie treten in großer Zahl auf und ihre Bedeutung für das Unternehmen muss in jedem Fall individuell betrachtet und bewertet werden.

Trendbeobachtung als Teil der Strategie

Trends kommen und gehen und gute PRler und Kommunikatoren behalten sie aufmerksam im Auge, um rechtzeitig die relevanten Entwicklungen mitzunehmen. Damit das gelingt, Sie aber auch nicht zu viel Zeit in sinnlose Experimente versenken, sollte Trendbeobachtung ein fester Bestandteil Ihrer Strategie sein.

Die Zeit, um sich über Entwicklungen zu informieren und diese wirklich erfassen und verstehen zu können, gehört genauso dazu, wie Zeit und Tools für Analyse und Monitoring der Kommunikation.

Wer Trends ernst nimmt kann auf sie reagieren. Wer sie ignoriert, wird schnell von ihnen überrollt.

Profilbild von Stephanie Kowalski
Stephanie Kowalski

ist Bloggerin und unterstützt als freiberufliche PRlerin kleine und mittelständische Unternehmen bei ihrer Kommunikation. In ihrem Blog Online PR Guide erklärt sie, wie man mithilfe bewährter PR-Strategien und moderner Online-Kanäle erfolgreich digital kommuniziert.

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