Die Dosis macht das Gift

Was tun wir, damit Fragen wie „Bin ich in den digitalen Netzen professionell genug dargestellt, stimmt das Facebook-Profil meiner Firma, wann habe ich das letzte Mal was gepostet, wieviel Likes bekam ich? Stimmt meine Onlinepräsenz?  Kann ich als Chef bei meiner Onlinepräsenz mit meinen jüngeren - digital weitaus stärker orientierten – Mitarbeitern mithalten?

Diesen und vielen anderen Fragen stellen wir uns täglich, damit wir im digitalen Zeitalter entsprechend aufgestellt sind. Dass wir selbstkritisch hinterfragen, ob und wie wir uns im Netz präsentieren, ist völlig in Ordnung! Insbesondere, weil es zeigt, dass wir uns mit dem Onlinemedium Internet und seinen vielen Möglichkeiten Präsenz zu zeigen, auseinandersetzen. Und natürlich, weil uns daran gelegen ist, unsere Vorzüge zu präsentieren, das richtige Marketing für unsere Person auch online zu betreiben. Was auffällt, ist allerdings, dass wir oft vor lauter „präsent-sein-zu-wollen“ gar nicht mehr wissen, auf welchen Plattformen wir was von uns postulieren sollen und damit das Ergebnis so ausfällt wie wir uns das vorstellen.

Welche Regeln lassen sich dazu aufstellen, damit wir eine ausgewogene und authentische Präsenz auch digital erreichen? Zunächst einmal: Es ist nicht zwingend erforderlich, auf jeder Plattform vertreten zu sein. Allerdings ist es so, dass unsere Geschäftspartner im digitalen Zeitalter schon voraussetzen, dass wir digital vertreten sind. Besitze ich ein aussagekräftiges und sympathisches Xing-Profil ist das schon mal ein guter Anfang. Wenn ich internationale Kontakte bevorzuge, wird das Xing-Profil alleine nicht ausreichen. Dann sollte ich ein ebenso stimmiges Profil in LinkedIn einstellen. Und obwohl mittlerweile fast jedes Unternehmen eine Facebook-Präsenz zeigt, ist eine solche nicht zwingend geboten und wird je nachdem wie ich Facebook nutze – zum Beispiel nur privat – mir beruflich nicht weiterhelfen, sondern kann kontraproduktiv wirken. Will ich mir als Experte für einen Bereich einen Namen machen, empfiehlt sich auch ein eigener Blog, der auf meiner eigenen Website oder auch, je nachdem wie aktiv ich bin als eigene Website aufgesetzt werden kann. Die Frage, ob ich dazu noch twittere und zum Beispiel in Instagram vertreten bin, sollte jeder für sich beantworten. Es ist auch möglich, dass die Medien miteinander verknüpft werden. Das heißt, poste ich heute einen Artikel in Facebook, kann er gleichzeitig auf Twitter veröffentlicht werden. Dazu gibt es auch hilfreiche Tools wie z. B. Buffer, die es mir erlauben, meine Onlinepräsenz zu steuern und Zeitpunkte zu bestimmen, damit meine Meldungen entsprechend ausgeliefert werden.

Das Wesentliche bei allen Onlinedarstellungen ist allerdings die Frage nach dem Inhalt: Was soll ich von mir preisgeben? Eine einfache Maxime lautet hier: Das, was ich auf einer Bühne dem Publikum oder in einem Interview einem Journalisten für eine Veröffentlichung darlege, das kann ich auch online streuen. Denn hierbei handelt es sich um Informationen, die ich ohne Hemmungen kundtue und die im besten Fall auch auf mich als glaubwürdige Person und meine Kompetenz einzahlen. Und unter diesen Aspekten sollten wir die Fotos, die wir von uns online stellen als auch jeden Satz „untersuchen“, ob er diesen Kriterien standhält. Das Wichtigste dabei überhaupt: Sorgen Sie dafür, dass die Menschen, die Sie im digitalen Zeitalter auf den ersten Blick online kennenlernen keine böse Überraschung erleben, wenn Sie im realen Leben auf Sie treffen. Kongruenz Ihres On- und Offlineeindrucks ist ein „must have“.

Und nicht vergessen: Nicht präsent sein im Netz ist auch ein deutliches Signal und lässt viele Vermutungen zu. Potenzielle Kunden oder Entscheider könnten sich fragen, ob Sie schlicht weg mit den digitalen Medien nicht umgehen können. Es ist wie bei allem im Leben, auf die richtige Dosis kommt es an.

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Barbara Liebermeister

Barbara Liebermeister leitet das Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ), Frankfurt, das Unternehmen dabei unterstützt, ihren Mitarbeitern die Kompetenzen zu vermitteln, die sie im digitalen Zeitalter brauchen (www.ifidz.de).  Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Managementberaterin ist auch eine gefragte Vortragsrednerin. Gerade ist im Gabal-Verlag ihr neues Buch erschienen mit dem Titel: „Digital ist egal: Mensch bleibt Mensch – Führung entscheidet“.

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