Social Media Marketing für Handwerker – viel Potential und dennoch zu selten genutzt

Bei meinem Vortrag „Ein Social Media Impuls – macht Social Media Marketing für Handwerker Sinn?“ bin ich dieses Jahr vielen Handwerkern im Bau- und Ausbauhandwerk begegnet und habe tolle Unternehmer kennen gelernt, die Facebook & Co. schon sehr gut für sich verinnerlicht haben.  Aber es gibt noch genug Handwerksunternehmen, die noch nicht die Chancen des Social Media Marketings für sich erkannt haben.

Leider fehlt es an Verständnis, wie man mit Hilfe von Facebook & Co. seine Alltagsprobleme gelöst bekommt und dabei geht es nicht zwangsläufig immer nur um die Gewinnung neuer Kunden. Ganz im Gegenteil, Social Media Marketing kann mich bei einer Fülle an Herausforderungen, die ich als Handwerker habe, unterstützen. Dafür muss man aber verstehen, wie Social Media Marketing funktioniert und wie man es für seine Zwecke nutzen kann.

Mit Social Media Marketing neue Wege der Kommunikation bestreiten

Social Media Marketing setzt sich aus den beiden Wörtern „Social Media“ und „Marketing“ zusammen. Bei Ersterem geht es um digitale Medien, Anwendungen und Technologien des Web 2.0. Die Nutzer sind nicht mehr nur Konsumenten, sondern sie sind Produzenten – sie produzieren nutzergenerierte Inhalte, die zu sozial-medialen Dialogen führen.  Für Unternehmen bietet sich dadurch die Möglichkeit mit Social Media diese Dialoge schnell, einfach und kostensparend zu führen. Aber das würde man ja nicht einfach nur so tun und da kommt der zweite Begriff ins Spiel „Marketing“. Hier geht es um die konsequente Ausrichtung des gesamten Unternehmens an den Bedürfnissen des Marktes. Es geht um das Erkennen von Marktveränderungen und Bedürfnisverschiebungen, um rechtzeitig Wettbewerbsvorteile aufzubauen. Und genau dabei können die sozialen Medien Handwerksunternehmen unterstützen.

Ziele definieren, ansonsten macht das alles keinen Sinn

Bevor es los geht sollte man sich ganz genau überlegen, welche Ziele mit einer Social Media Präsenz und damit verbundenen Maßnahmen erreicht werden sollen. Es lassen sich insgesamt fünf Zielsetzungen definieren:

Es muss also nicht immer die Neukundengewinnung sein, insbesondere im Handwerk gibt es ganz andere Herausforderungen, die es zu lösen gibt, wie z.B. fehlender Nachwuchs (Ziel: Personal finden), oder mangelnde Wertschätzung für das Handwerk (Ziel: Image aufbauen und pflegen).

Nichts ist umsonst, auch nicht die kostenlose Unternehmensseite

Auf Facebook & Co. gibt es meistens zwei Möglichkeiten Marketing zu betreiben. Entweder den schnellen und teuren Weg über Werbeanzeigen, oder den langsamen und günstigen Weg über Unternehmensseiten. Welcher der Richtige ist? Beide, denn nur mit einem intelligenten Mix und einem klugen Marketingkonzept lassen sich die Ziele kostengünstig und mittelfristig erreichen. Das ist wie im Handwerk, wenn‘s gut werden soll, dann macht man keine halben Sachen. Mit den Werbeanzeigen die z.B. im Desktop-Stream oder auf Mobiltelefonen zielgruppengenau anhand von Merkmalen ausgesteuert werden, können Nutzer auf die Unternehmensseite aufmerksam gemacht werden. Die Unternehmensseite ist eine Darstellungsmöglichkeit für das Unternehmen, die mal umfangreicher mal knapper gehalten wird, je nach Social Media Kanal.

Die Unternehmensseite z.B. auf Facebook umfasst ein Profilbild, ein Hintergrundbild, Kontakt- und Adressdaten sowie weiterführende Informationen zum Unternehmen und ein Impressum. Man kann seine Unternehmensseite sichern, somit bestätigt man dem Nutzer, dass man selbst hinter dem Profil steckt. Entscheidend sind aber aktuelle, relevante und vielseitige Postings – als Text, Bild, Video oder Live-Video  – sowie die Interkationen mit den Nutzern, dazu gehört das liken, teilen und kommentieren von eigenen und fremden Beiträgen. Am Ende sollen aus den Nutzern Fans, aus den Fans Kunden/Mitarbeiter und aus den Kunden/Mitarbeitern Botschafter werden. Und das funktioniert nur, wenn man sich

  • sukzessive eine Fangemeinde aufbaut,
  • das Profil vollständig und umfangreich befüllt,
  • Kanäle dauerhaft und regelmäßig pflegt,
  • die Profile kanalspezifisch befüllt,
  • authentische Inhalte mit glaubwürdigen Botschaften kommuniziert und
  • informative und unterhaltsame Inhalte teilt, kommentiert und liked.

Präsenz aufbauen, wo sich potentielle Kunden/Mitarbeiter aufhalten

Es gibt zahlreiche Social Media Kanäle, für jede Zielgruppe und jedes Interesse sowie private als auch berufliche Netzwerke. Das fängt bei Beziehungsnetzwerken an, geht über Nachbarschaftsseiten bis hin zu Bewertungsplattformen. Entscheidend ist bei der Wahl des richtigen Netzwerks die Zielgruppe, also den potentiellen Kunden/Mitarbeiter den man erreichen will. Eine Zielgruppe ist nämlich nichts anderes als die gedankliche Bündelung von Menschen mit gemeinsamen Merkmalen, Eigenschaften und Verhaltensweisen. Sie lassen sich in drei Schritten definieren:

Sucht man als neu Mitarbeiter und ganz konkret Gesellen, dann sind das Schüler bzw. junge Menschen, die sich eher auf Snapchat, YouTube und Instagram aufhalten als auf Facebook, Twitter und Xing. Anders sieht es aus, wenn man Kunden im Alter zwischen 20 und 39 Jahren erreichen will, dann ist Facebook die erste Wahl. Zu Beginn ist es sicherlich nicht verkehrt sich auf Social Media Kanäle zu fokussieren, die eine große Reichweite haben. So kommt Facebook z.B. auf 2 Milliarden aktive Nutzer weltweit und gehört zum größten und reichweitenstärkten Sozialen Netzwerk der Welt.

Nur wer etwas zu sagen hat, wird auch gelesen

Als nächstes stellt sich die Frage was, wann und wie oft posten? Denn die Zielgruppen sollten am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, mit den richtigen Formulierungen angesprochen werden. Es gilt der Grundsatz: Klasse vor Masse. Denn lieber weniger posten, dafür aber bewusst und nachhaltig. Außerdem müssen die Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden, denn Social Media Marketing ist kein Selbstläufer, von nichts kommt nichts. Die Zeit sollte also möglichst sinnvoll eingesetzt werden, also sollte man sich überlegen, wie man die Social Media Aktivitäten bestmöglich in den bestehenden Betriebsablauf integrieren kann, ohne extra Zeit dafür zu investieren. So kenne ich z.B. einen Tischler, der seine Mitarbeiter angewiesen hat am Tag mindestens drei Bilder zu schießen. Dafür hat er ihnen Digitalkameras zur Verfügung gestellt, die in jedem Dienstfahrzeug sind. Bevor es also losgeht, sollte man sich über nachfolgende drei Dinge Gedanken machen:

Anbei eine Liste möglicher Themen über die Handwerker schreiben können bzw. die Anlass zur Kommunikation geben:

  • Blick hinter die Kulissen, interne Einblicke, Bürorundgänge
  • Tag der offenen Tür, Jubiläum, Event-Tipps
  • Produktvorstellungen
  • Häufig gestellte Fragen beantworten
  • Interview mit Kunden, Mitarbeitern und Kollegen
  • Aktuelle Branchenthemen kommentieren
  • Projekt- und Mitarbeitervorstellungen
  • Umfragen erstellen
  • Gewinnspiele und Verlosungen
  • Urlaube und Abwesenheiten
  • Foto-Galerie einstellen
  • How-to-Artikel und Listen (z.B. die besten Tipps vom Meister)

Ready, Steady, Go – startklar für Social Media Marketing

Die Entscheidung ob man Social Media Marketing betreibt oder nicht liegt an einem selbst, das kann man niemanden auf diktieren. Aber es spricht vieles dafür. Die Unternehmensprofile einzurichten kostet ein wenig Geschick und Zeit, ist aber in wenigen Handgriffen erledigt. Für echte Macher bieten die Social Media Kanäle eine sehr einfach Nutzung und man kann sofort anfangen. Die Postings erzeugen virale Marketingeffekte, denn durch das teilen, kommentieren und liken von Inhalten erhält man nicht nur Reichweite für seinen Post, sondern auch Interaktion die aus Fans Botschaftern machen. Dadurch lässt sich innerhalb kürzester Zeit die eigene Präsenz im Internet aufbauen und somit auch die Online-Identität und Reputation. Nicht zu vernachlässigen pflegt man so die Beziehung zu Interessenten, Kunden und Mitarbeitern. Natürlich ist das Ganze zeitaufwendig, denn die Social Media Kanäle befüllen sich nicht von selbst. Aber wenn man das intelligent in den Betriebsablauf einbindet, dann läuft es quasi nebenbei. Auch fehlende Inhalte bzw. nicht authentische und glaubwürdige Inhalte können zu einem Bumerang-Effekt führen. Und zu guter Letzt darf man nicht vergessen, dass es im Web 2.0 um offene und transparente Diskussions- und Kritikplattformen geht, die natürlich auch gerne von kritischen Kunden oder vergraulten Mitarbeitern genutzt werden können.

Zusammengefasst kann ich jedem Handwerker bzw. Unternehmer nur empfehlen es mal auszuprobieren, erst dann kann man abschließend darüber urteilen. Viele Handwerkskollegen machen das schon mit Bravur vor, hier lässt sich das ein oder andere sicherlich für den Start abgucken. Schließlich muss das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und gutes Gelingen dabei.

Roksana Leonetti

verantwortet in der Schlüterschen Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG in Hannover das Business Development, Produkt- und Prozessmanagement sowie die Produktberatung. Die Schlütersche ist ein Mediendienstleister für kleine und mittlere Unternehmen und entwickelt für ihre Kunden Werbe- und Marketingkonzepte – digital, in Print oder crossmedial, alles aus einer Hand.

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