Social Media – ist das nicht gefährlich?
26/07/2016 08:05

Social Media – ist das nicht gefährlich?

Hemmungslose Beschimpfungen, ausufernde Veranstaltungen mit ungebetenen Besuchern und teure Abmahnungen von Anwälten: Das sind nur drei Themen der regelmäßigen Horrormeldungen über Facebook und Co. Sie führen dazu, dass auch viele Unternehmer Social Media immer noch meiden – trotz großer Vermarktungs-Potenziale. Zu Recht? Hier greife ich die häufigsten Ängste, Bedenken und Vorurteile gegenüber Social Media auf.

Nach Einladung über Facebook: 5.000 Menschen verwüsten meine Veranstaltung


Der Klassiker unter den Horrormeldungen. Obwohl diese schon 10 Jahre alt sind, halten sie sich hartnäckig im kollektiven Gedächtnis. Gleich vorweg: Sie als Unternehmer waren noch nie davon betroffen! Denn Millionen geschäftlicher Veranstaltungseinladungen sind öffentlich im Internet einsehbar – deswegen wurde noch kein Business-Event von wildgewordenem Partyvolk überrannt. Woher kommen also diese Meldungen? Sie betreffen allesamt private Facebook-Nutzer, die versehentlich „öffentlich“ zu privaten Partys einluden, also nicht nur ihre Facebook-Freunde. Diese Einladungen wurden dann in Windeseile verbreitet, und so kam es in einigen Fällen unbeabsichtigt – und medienwirksam – zu ausufernden Gartenpartys und spontanen Straßenfesten. Im Übrigen sollten Sie als Unternehmer davor ohnehin keine Angst haben: Wenn plötzlich 5.000 Leute in Ihren Veranstaltungsraum für 300 Gäste wollen, dann folgender Tipp: Machen Sie unverzüglich Fotos von den Menschenmassen vor dem Eingang, veröffentlichen diese in sozialen Netzwerken und rufen die Bild-Zeitung an. Bessere PR für Ihr Unternehmen werden Sie nie wieder bekommen!


Shitstorm: Der gute Ruf in einem Tag ruiniert


Der zweite Klassiker. Auch wenn Shitstorms regelmäßig vorkommen, so sind doch viel weniger Unternehmen davon betroffen, als die Medienberichterstattung glauben macht. Und nicht jeder Shitstorm schadet nachhaltig. Dennoch kann und sollte man ihn vermeiden und dafür ein paar Vorkehrungen treffen. Am besten erstellt man eine so genannte Netiquette für die eigene Facebook-Seite, hier ein gutes Beispiel. Damit schaffen Sie Transparenz gegenüber ihren Nutzern und haben im Ernstfall gleichzeitig eine Entscheidungshilfe an der Hand. Die wichtigsten Regeln für kritische Kommentare auf der eigenen Seite lauten: Zügig reagieren, aber nichts überstürzen. Mit klarem Verstand handeln statt mit Wut im Bauch – schließlich lesen alle mit. Und echte Hasskommentare umgehend löschen, nicht aber jede Nörgelei oder Polemik – hier lieber großzügig sein. Ein paar kritische Kommentare bedeuten noch lange keine Shitstormgefahr – schon gar nicht, wenn man souverän damit umgeht. Ausführliche Tipps dazu habe ich hier aufgeschrieben.


Und täglich droht der Abmahnanwalt


Vor Abmahnungen kann man sich relativ einfach schützen, indem man sich – kurz gesagt – gesetzeskonform verhält. Das betrifft vor allem zwei Dinge: Ein Impressum muss sein – auch bei jedem nicht privat genutzten Facebook-Auftritt. Es sollte Name, Anschrift, die Rechtsform, Handelsregister, Umatzsteuer-ID bzw. Wirtschafts-ID sowie eine schnelle Kontaktmöglichkeit (E-Mail-Adresse, Telefonnummer) enthalten und mit zwei Klicks erreichbar sein. Am einfachsten ist es, Sie nehmen sich das Impressum einer vertrauenswürdigen Webseite zum Vorbild und passen es mit den eigenen Daten an. Oder Sie nutzen einen Impressum-Generator im Internet. Wer es ganz genau wissen will, schaut in §5 Telemediengesetz (TMG) nach oder fragt seinen Anwalt.


Gebührenfalle Bildrechte


Die Bildrechte müssen ebenfalls beachtet werden, um Abmahngebühren zu entgehen. Das Thema Nutzungsrechte lösen Sie am einfachsten, indem Sie alle Bilder selbst schießen. Oder Sie beauftragen einen Fotografen und sichern sich im Angebot bzw. auf der Rechnung „alle örtlich und zeitlich unbegrenzte Nutzungsrechte“. Wichtig: Niemals Bilder aus dem Internet verwenden, ohne vorher das Nutzungsrecht schriftlich zu sichern! Außerdem hat jeder Besucher auf Ihrem Firmen-Event ein Recht am eigenen Bild. Hier empfiehlt sich zu Beginn jeder Veranstaltung ein Hinweis, dass Fotos gemacht und später veröffentlicht werden. Besser noch ist eine schriftliche Anmerkung auf der Teilnahmebestätigung, dass jeder Teilnehmer sich automatisch mit der Veröffentlichung von Bildern einverstanden erklärt.


Gehören meine Bilder nachher alle Facebook?


Nein! Die weitverbreitete Angst, dass jedes auf Facebook gepostete Bild automatisch dem Internetriesen „gehört“, ist ein Irrglaube. Dies wäre mit deutschem Urheberrecht gar nicht vereinbar. Richtig ist, dass man Facebook ein Nutzungsrecht an den eigenen Bildern einräumt, damit Facebook diese auf seiner Plattform veröffentlichen kann. Was bedeuten Facebooks Nutzungsbedingungen nun konkret für mich und meine Bilder? Ich kann die Bildrechte nicht mehr exklusiv an jemanden anderes verkaufen (relevant für Fotografen), ich bekomme von Facebook kein Geld für meine Bilder und Facebook darf meine Bilder für Werbung nutzen. Insbesondere Letzteres ist umstritten und wird derzeit vor verschiedenen deutschen Gerichten verhandelt. Aber unabhängig von den Urteilen gehören meine Bilder weiterhin mir und ich kann – abgesehen von der Vergabe exklusiver Nutzungsrechte – weiterhin mit ihnen machen, was ich will.

Niels Genzmer

ist Leiter Online-Kommunikation beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW e.V.). Der Kommunikationsprofi hat 10 Jahre als Leiter Unternehmenskommunikation und Pressesprecher in Unternehmen der Digitalbranche, sechs Jahre als Berater in großen PR-Agenturen und mehrere Jahre als freier Journalist für Regionalzeitungen gearbeitet.

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