Ausbildungsmarketing für den Mittelstand

Der Mittelstand kämpft zunehmend um gute Fachkräfte. Dabei setzen viele Betriebe schon seit Jahren eine eigene Ausbildung. Doch die Zahl verfügbarer Schüler schwindet zunehmend. Hinzu kommen die fehlenden Qualifikationen und ausreichenden Vorkenntnisse vieler Schüler. Was kann der Mittelstand also tun? Ein Gastbeitrag des Ausbildungsmarketing-Experten Jakob Osman der Agentur Junges Herz.

Die Zahlen des aktuellen Berufsbildungsberichts sind wenig erfreulich. So erreicht Deutschland ein neues Hoch mit rund 41.000 unbesetzten Lehrstellen im Jahr 2015. Ein weiterer Anstieg um knapp 10% zum Vorjahr. Besonders kleine und mittlere Unternehmen leiden unter den fehlenden Auszubildenden. Denn große Betriebe haben entweder schon eine gewisse Bekanntheit (siehe Automobil-Branche, Handel) oder ausreichend Budget, um junge Menschen gezielt für Ausbildungsgänge zu werben. Wie kann sich der Mittelstand in diesem Markt behaupten? Welche Möglichkeiten gibt es? Wir zeigen drei Wege für jedes Unternehmen.

#1 – Die Generation Z verstehen

Vielen Personalentscheidern fällt die Zielgruppendefinition schwer. Sie wissen zwar welche Azubis sie brauchen, können aber kein Muster erkennen, um die entsprechenden Jugendlichen auch direkt anzusprechen. Dabei ist die Generation Z deutlich leichter zu erreichen, als es die Generation Y war.

Wichtig ist es, dass man die Besonderheiten des Ausbildungsbetriebs und des Ausbildungsberufs mit den Vorstellungen der Jugendlichen „matchen“ kann. Dazu bieten sich vor allem Schulbesuche, lokale Jugendevents oder auch Tage der offenen Tür an. Hier geht es in erster Linie nicht um das Marketing, sondern um ein Verständnis für die Bedürfnisse der Jugendlichen. Soll heißen, dass sich Personaler in Gespräche begeben sollen, Fragen stellen müssen und so entsprechende Muster identifizieren sollten.

#2 – Lokale Stärke

Ein großer Vorteil des Mittelstands gegenüber internationalen Konzernen ist die lokale Stärke in Regionen, die meist wenig Attraktivität für andere Wirtschaftsteilnehmer sind. Mit der Lokalität kommen natürlich auch die Probleme, da man meist über die Grenzen der Stadt hinaus (wenn überhaupt) kaum bis wenig bekannt ist. Dennoch zeigen aktuelle Studien, dass junge Menschen immer weniger bereit sind von zuhause weg zu ziehen, um einen Ausbildungsplatz zu beginnen. Die gleichen Studien zeigen aber auch, dass die jungen Menschen meist wenig über lokale Arbeitgeber wissen.

Diese Wissenslücken gilt es zu stopfen. Mit gezielten Schulkooperationen, Arbeitgebervideos und dem Aufbau einer Employer Branding Kampagne lässt sich schon viel bewegen. Deutlich effektiver ist jedoch die Empfehlung aus der eigenen Belegschaft. Internes Personalmarketing – besonders über soziale Leistungen – spricht sich schnell herum und hinterlässt bei allen Generationen und Zielgruppen ein positives Bild des Arbeitgebers.

Besonders Unternehmen aus der Industrie und dem Handwerk haben zusätzlich das Problem, dass die hergestellten Produkte den Jugendlichen meist unbekannt sind. Eine Aufklärung über die Produkte und den Einsatz innerhalb der Schulen ist für solche Unternehmen sehr hilfreich.

#3 Endlich digital werden

Das digitale Ausbildungsmarketing ist bereits seit Jahren der bestimmende Faktor für die Gewinnung guter Azubis. Dennoch vernachlässigen viele Unternehmen diese Disziplin. Noch immer fließt sehr viel Budget in Anzeigen, Messen oder Flyer. Auch wenn diese Mediengattungen teilweise noch ihre Daseinsberechtigung (Stichwort: Schulmarketing) haben ist das digitale Ausbildungsmarketing unverzichtbar geworden. Dazu gehören eine mobil-fähige Karriere-Seite, Online-Anzeigen in entsprechenden Stellenportalen, eine Möglichkeit der Online-Bewerbung und unkomplizierte Kontaktmöglichkeiten via E-Mail.

Sollten diese Punkte bereits bearbeitet sein können Unternehmen sich intensiver mit den Themen Social Recruiting, Mobile Recruiting und Influencer Marketing beschäftigten. Für einen Großteil des deutschen Mittelstands ist das aber nicht notwendig. Mit einer durchdachten Kampagne, einem zielgruppengerechten Auftritt und entsprechenden Kommunikationsmitteln lassen sich sehr viele junge Menschen für das eigene Unternehmen begeistern.