Trainees als eigene Zielgruppe erkennen und direkt ansprechen

Laut einer Studie des BAMF gibt es seit dem 4. Quartal 2015 erstmals über 39 Millionen Menschen in einem Beschäftigungsverhältnis. Besonders das Dienstleistungsgewerbe hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Diese für Arbeitnehmer erfreuliche Entwicklung stellt Unternehmen, unter dem Hintergrund des demographischen Wandels, vor die große Herausforderung, geeignetes Nachwuchspersonal zu finden und an das Unternehmen zu binden.

Traineestellen als Instrument der Rekrutierung

Wachsender Beliebtheit bei Arbeitnehmern und Unternehmen erfreuen sich dabei sogenannte Traineeships. Ein Trainee kann dabei in der Regel verschiedene Abteilungen des Unternehmens kennenlernen und sucht sich in dieser Zeit den Fachbereich aus, welcher dem zukünftigen Berufswunsch am ehesten entspricht. Das Programm dauert dabei je nach Branche zwischen 12 und 24 Monaten. Neben den einzelnen thematischen Bereichen wird der Trainee im Laufe des Programms mit der Unternehmenskultur vertraut gemacht und lernt die zukünftigen Kollegen, die Arbeitsabläufe und branchenspezifische Besonderheiten kennen.

Ziel der Unternehmen ist in der Regel die Ausbildung der zukünftigen Generationen von Führungskräften und deren langfristige Bindung an das Unternehmen. Die Zahlen belegen dies: Laut einer Studie des Instituts für Wirtschaft (IW) bleiben vier von fünf Arbeitnehmer dem Unternehmen erhalten. Bei entstehenden Kosten in Höhe von 75.000 – 100.000 Euro pro Person für ein Traineeprogramm ist das auch notwendig.

 

Was Unternehmen von Trainees erwarten

Bei diesen nicht unerheblichen Investitionskosten scheint es nachvollziehbar, dass Unternehmen hohe Anforderungen an Bewerber stellen. Personaler erwarten in der Regel überdurchschnittliche Leistungen während des Studiums, sowie erste berufliche Erfahrung in Form von Praktika oder einer Ausbildung. Ein Auslandsaufenthalt in Form eines Auslandssemesters- oder Praktikums sowie außeruniversitäres Engagement runden das Gesamtpaket ab. Vorausgesetzt wird ebenfalls das Beherrschen mindestens einer Fremdsprache.

Neben den formalen Qualifikationsanforderungen spielen Soft Skills eine immer größere Rolle. Da Trainees zu Führungspersönlichkeiten entwickelt werden, sollten Bewerber Verantwortungsbewusstsein für sich selbst und die Mitarbeiter besitzen, kritikfähig und wissbegierig sein, sowie Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft zeigen. Insbesondere große Unternehmen verlangen zudem von Trainees einen Teil des Programms im Ausland zu absolvieren, dies setzt Flexibilität und Belastbarkeit voraus.

Wer ist die Zielgruppe?

Die Anforderungen für Trainees sind also entsprechend hoch. Nichtdestotrotz erfreuen sich die Programme einer hohen Beliebtheit, auf eine Stelle bei Großkonzerne wie z.B. Daimler bewerben sich meist über 100 Personen. Gemäß einer Studie von Kienbaum wünschen sich 47 % der Absolventen den Direkteinstieg in das Unternehmen, während 46 % einen Einstieg als Trainee favorisieren. Lediglich 7 % bevorzugen ein Praktikum.

Wie unterscheiden sich Traineestellen von dem direkten Einstieg in ein Unternehmen und für welche Zielgruppe sind sie geeignet?

Der Direkteinstieg in ein Unternehmen richtet sich überwiegend an Bewerber, die bereits wissen, in welchem Bereich sie sich spezialisieren wollen. Dort übernehmen sie meist mehr Verantwortung und arbeiten verstärkt in Eigeninitiative an Projekten. Meistens ist das Gehalt höher als bei einer vergleichbaren Traineeposition.

Dem Trainee wird in der Regel ein Mentor zur Verfügung gestellt, welcher als Ansprechpartner und Karriereberater fungiert.  Durch den Einblick in verschiedene Teilbereiche des Unternehmens richtet sich eine Traineestelle vor allem an Generalisten oder Bewerber, welche sich noch nicht endgültig auf eine Fachrichtung spezialisiert haben. Des Weiteren profitieren künftige Führungskräfte von einem ganzheitlichen Blick auf das Unternehmen, da sie verschiedene Fachbereiche kennenlernen und deren Interdependenzen besser verstehen. Ein weiterer Vorteil ist das leichtere Knüpfen von Kontakten, da Trainees mit mehreren Personen in Kontakt treten und sich dadurch ein größeres Netzwerk aufbauen können. Trainees erhalten durchschnittlich etwas weniger Gehalt, im Gegenzug profitieren sie durch das Mentoring und Weiterbildungsmaßnahmen, welche sich positiv auf ihren zukünftigen beruflichen Werdegang auswirken.

Mit 49 % werden die meisten Traineestellen für Absolventen der Wirtschaftswissenschaften angeboten. 13 % der Trainees sind angehende Ingenieure und jeweils ca. 10 % der Teilnehmer haben Geistes- oder Naturwissenschaften studiert. Bevorzugter Fachbereich für einen Einstieg ist mit 43 % das Projektmanagement. Das verdeutlicht, wie wichtig es den Bewerbern ist eine frühzeitige Spezialisierung zu umgehen, um sich andere Optionen so lang möglich offen zu halten. Weiterhin beliebt sind die Bereiche Unternehmensplanung und -entwicklung sowie das Marketing.

Was erwarten Trainees von Unternehmen?

Wenn Trainees sich für ein Programm entscheiden, legen sie auf verschiedene Kriterien Wert. Besonders wichtig ist für 46 % der Bewerber die persönliche Betreuung, ein gutes Programm setzt daher einen entsprechend qualifizierten Mentor voraus. Des Weiteren ist es 38 % der Bewerber wichtig vielfältige Tätigkeiten auszuüben und 36 % möchten sich vor allem persönlich weiterentwickeln. Nur etwa ein Prozent nennt das Gehalt als Entscheidungskriterium. Die Bewerber sehen Traineeprogramme also in erster Linie als Managementausbildung und  Karrieresprungbrett nach Ende des Studiums. Für eine gute persönliche Betreuung, berufliche Perspektiven und abwechslungsreiche Aufgaben nehmen sie ein etwas geringeres Gehalt und einen unter Umständen nicht immer unbefristeten Arbeitsvertrag in Kauf. Traineeprogramme erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, 9 von 10 befragten Personen sehen in diesen eine zeitgemäße Ausbildung.

 

Wie können Unternehmen diese Zielgruppe am besten erreichen?

Kommunikationsmittel Nummer eins ist die Webseite des jeweiligen Unternehmens. 94 % der Bewerber nutzen diese als Informationsquelle. Eine ansprechende Internetpräsenz ist also essentiell zur Rekrutierung geeigneter Bewerber. Ungefähr die Hälfte der Interessenten treten auf Hochschul- und Jobmessen mit den Unternehmen in Kontakt oder suchen auf Jobbörsen nach geeigneten Stellen. 48 % informieren sich zudem über Freunde und Bekannte, welche im Zielunternehmen angestellt sind.

„Trainee“ und „Traineeship“ sind wie ein „Master of Business Administration“ (MBA) keine juristisch geschützten Begriffe. Einige Unternehmen vernachlässigen daher den Ausbildungsaspekt und suchen unter dem Deckmantel des Programms billige Arbeitskräfte. Um Missverständnissen vorzubeugen, sollte auf eine klare Kommunikationspolitik gesetzt werden.

Große Unternehmen haben in der Regel keine Probleme vakante Traineestellen zu besetzten. Der Fokus sollte daher auf einer umfangreichen und ehrlichen Informationspolitik sowie sorgfältiger Auswahl der Bewerber liegen. KMUs und Start-ups haben es in der Regel schwerer genügend geeignete Bewerber zu finden. Laut der Gehaltsdatenbank www.personalmarkt.de verdienen Trainees bei mittelgroßen Unternehmen 5000 €, bei großen Unternehmen sogar 8000 € mehr als bei kleinen Unternehmen.

Wie bereits erwähnt ist das Gehalt jedoch nicht das ausschlaggebende Kriterium. KMUs sollten daher betonen, dass sie ihren Trainees eine umfassende persönliche Betreuung bieten können. Des Weiteren bietet es sich an mit flacher Hierarchie zu werben. Der persönliche Erfahrungsaustauch mit dem Vorstand oder Chef ist bei einem Mittelständler glaubhafter als bei einem international agierenden Großkonzern. Diese wiederum können mit Internationalität, einem möglichen Auslandsaufenthalt und vielfältigen Tätigkeiten punkten.

Ein wichtiges Unternehmensmerkmal bleibt für 56 % jedoch die Nähe zum Wohnraum, bzw. für 40 % die Nähe zum Ballungsraum. KMUs sollten daher verstärkt auf regionales Marketing auf Messen, Jobbörsen oder durch Hochschulkooperationen setzten.

Fazit:

Trotz der hohen Investitionskosten stellen Traineeprogramme für Unternehmen ein valides Mittel da, um Führungskräfte selbst auszubilden und langfristig an das eigene Unternehmen zu binden. Zielgruppe sind dabei vor allem Absolventen der Wirtschaftswissenschaften, welche als Generalisten den Einstieg in ein Unternehmen suchen und mehrere Fachbereiche kennenlernen wollen. Der direkte Einstieg richtet sich hingegen insbesondere an Spezialisten, die lieber direkt Verantwortung in ihrem spezifischen Fachbereich übernehmen.

Da Traineeprogramme als Weiterbildungsmaßnahme wahrgenommen werden, sind den Bewerbern eine gute persönliche Betreuung und abwechslungsreiche Aufgaben wichtiger als ein hohes Gehalt oder Sicherheit. Dies sollte unter Rücksichtnahme der branchen- und größenspezifischen Besonderheiten des Unternehmens bei der Kommunikationspolitik beachtet werden.