Die Zukunft der Personalbeschaffung

Noch vor Jahren haben Unternehmen die Vorhersagen der Bevölkerungswissenschaftler zur problematischen Entwicklung der Geburtenraten und Bevölkerungszahl nicht ernst genommen. Die Wirtschaft zuckte unverständlich mit den Schultern, denn durch die Babyboomer-Jahrgänge war für ausreichend geeignetes und qualifiziertes Personal gesorgt. Auch der Krankenstand und die Fluktuation bewegten sich im branchenüblichen Rahmen.

Doch die Prognosen der Wissenschaft sind nun auch in der Wirtschaft angekommen und stellen Personalabteilungen vor große zukünftige Herausforderungen.

Personalbeschaffung – Von „Post and Pray“ zu „Active Sourcing“

Um dem Problem der zunehmenden Alterung entgegenzuwirken, haben Personalverantwortliche verschiedene Methoden zur Verfügung. Neben Veränderungen in den Bereichen Personalführung, Personalentlohnung oder Personalentwicklung muss vor allem die Personalbeschaffung neu erdacht werden.

In der Vergangenheit war es üblich, dass sich Arbeitnehmer bei dem entsprechenden Unternehmen beworben haben. Über die sogenannte „Post and Pray“Methode wurden Stellenanzeigen geschaltet –in der Hoffnung, dass sich ein geeigneter Kandidat meldet.

Aufgrund des Fachkräftemangels und des Überangebots an vakanten Positionen reicht diese Methode heutzutage und auch zukünftig nicht mehr aus. Stattdessen müssen Personaler selbst über eine proaktive Kandidatensuche („Active Sourcing“) geeignete Arbeitnehmer ausfindig machen.

Durch diesen schrittweisen Wandel müssen die Verantwortlichen in der Personalbeschaffung neue Potentiale und Methoden nutzen, die in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen werden.

„Active Sourcing“ über soziale Netzwerke und Employer Marketing

In einem zunehmend engeren Angebot an geeigneten Kandidaten wird es wichtig, aktiv auf potentielle Arbeitnehmer zuzugehen. Das kann zum einen über eine Sichtung von Profilen in sozialen Netzwerken, über Messeauftritte oder Berufsverbände geschehen. Viele Unternehmen nutzen aber auch die Dienste eines Personalberaters, um gezielt passende Personen anzusprechen. Zum einen kann der Personalberater vorab bei einem Arbeitnehmer anfragen, ohne dass das Unternehmen selbst auftreten muss. Zum anderen verfügt er über ein breites Netzwerk an hochqualifizierten Spezialisten, wodurch eine langwierige Suche vermieden werden kann. Schließlich spielt der Faktor Zeit häufig eine Rolle bei der Besetzung von Stellen.

Zum veränderten Recruitingprozess gehört dabei auch, dass ein Unternehmen sich selbst über alle digitalen Kanäle als geeigneter und erstrebenswerter Arbeitgeber präsentieren muss. Fachkräfte, die auf der Suche nach einer neuen Position sind, recherchieren häufig ausgiebig im Netz über mögliche Zielfirmen. Ein gutes Eigenmarketing kann hierbei eine Stellenanzeige einsparen.

 

Mobile Recruiting über One-Click-Bewerbungen

Der Fachkräftemangel und der rasante technische Fortschritt haben auch einen spürbaren Einfluss auf Bewerbungen ausgeübt. Während die klassische Papierbewerbung langsam ausstirbt, werden Formular- und E-Mail-Bewerbungen immer beliebter. Doch auch diese Formate werden bald überholt sein. Über 60% der Stellensuchenden starten heutzutage die Jobsuche auf dem Mobiltelefon. Jedoch gibt es bisher keine Möglichkeit, sich sofort zu bewerben.

Mit der One-Click-Bewerbung soll es in Zukunft einfacher werden, sich über mobile Endgeräte zu bewerben. Mit einem Fingertipp werden Daten aus dem Business-Netzwerk Profil (bspw. Xing) des Kandidaten in das Bewerberformular des Unternehmens übertragen. Die Bewerbungen können somit jederzeit und an jedem Ort verschickt werden und es gibt keine langwierigen Eingabemasken mehr.

Erste Unternehmen testen bereits die One-Click-Bewerbung auf ihren Karriereseiten. Dass sich solche One-Click-Verfahren durchsetzen, liegt sehr nahe. Zum einen hinterfragen immer mehr Bewerber, warum die Bewerbung jedes Mal wieder manuell eingegeben werden muss, obwohl alle relevanten Informationen schon in den Business-Netzwerken stehen. Zum anderen stehen Arbeitgeber unter Zugzwang: Wer den Bewerbern nicht entgegenkommt, könnte langfristig bald ohne hochqualifiziertes Fachpersonal dastehen.

Fazit: „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen.“

Aufgrund des Fachkräftemangels haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, vakante Stellen mit qualifizierten Mitarbeitern zu besetzen. Während sich früher die Arbeitnehmer auf Stellenanzeigen beworben haben, müssen Personaler in Zukunft proaktiv auf potentielle Arbeitnehmer zugehen. Zusätzlich verändern neue technologische Entwicklungen zunehmend die Methoden der Personalbeschaffung. Geeignete Kandidaten können über ihre Profile in sozialen Netzwerken gefunden und von Personalberatern direkt angesprochen werden.