Do's und Dont's beim Kampf um Auszubildene

Der Startschuss ist gefallen: Alljährlich beginnt mit dem Einzug der milderen Temperaturen der harte Kampf um die Auszubildenden – und auf Messen wird um die Gunst des beruflichen Nachwuchses gebuhlt. Firmen wie Adidas, Microsoft, ProSieben, Audi, Daimler, H&M oder die Lufthansa haben das nicht nötig. Bei ihnen sind die Verträge mit den Auszubildenden für den kommenden Herbst bereits seit Monaten in trockenen Tüchern. Kein Wunder, denn zu zählen laut einer Studie zu den begehrtesten Anlaufadressen für Berufseinsteiger. Nach wie vor gilt: Je bekannter das Produkt, desto höher ist der Reiz, den sie auf angehende Auszubildende ausüben. Doch auch kleine und mittlere Unternehmen haben gute Chancen, die richtigen Bewerber zu finden. Hier ein paar Do’s und Dont’s für effektives Jugendmarketing:

Do’s:

1. Die Ausbildungswebsite

Sie ist unabdingbar als erste Anlaufadresse für Interessierte. Sie muss in die Karriereseite des Unternehmen eingebettet sein, wichtige Basisinformationen liefern und verständlich erklären, was das Unternehmen eigentlich macht. Informationen zu Praktika sowie detaillierte Schilderungen zu den Ausbildungsberufen und deren Anforderungen sowie Ausschreibungen für freie Lehrstellen sind das A und O. Wichtig ist vor allem die zielgruppengerechte Ansprache. Und hier können auch Auszubildende des Unternehmens mithelfen. Sie wissen, wie die junge Generation tickt und können wertvolle Impulse für die Gestaltung der Seite liefern. Für den Erstkontakt dürfen der Name des Ansprechpartners, Telefonnummer sowie E-Mail-Adresse nicht fehlen. Unterstützt wird eine gut gemachte Homepage mit Foto- und Videomaterial aus dem Unternehmen, da die junge Generation stark optisch geprägt ist.

2. Auftritt in sozialen Netzwerken

Junge Menschen informieren sich nicht nur auf der Unternehmenshomepage, sondern nutzen auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Instagram, Youtube und Snapchat.  Sie sind für effektives Jugendmarketing enorm hilfreich und  im Rennen um geeignete Nachwuchskräfte ein echter Wettbewerbsvorteil. Dort können unter anderem Videos über den Azubi-Alltag Interesse wecken. Natürlich muss nicht jedes Unternehmen alle Kommunikationskanäle für die Ansprache der Jugend nutzen. Ein bis zwei müssten reichen. Sie sollten vor allem zum eigenen Marketingkonzept passen und regelmäßig bespielt werden

3. Azubi-Blog - Einblick ins Unternehmen geben

Mit einem Azubi-Blog kann man zusätzlich Interessierte auf die Seite locken. Es ist wie ein Guckloch ins Unternehmen. Interessierte Jugendliche können sich erst einmal unverbindlich umsehen, ohne gleich Kontakt mit dem Betrieb aufnehmen zu müssen. Für Unternehmen ist es wiederum die ideale Plattform für gelungenes Storytelling. Diese Geschichten erzählen am besten amtierende Auszubildende, die als Testimonials für das Unternehmen fungieren. Denn: Wer könnte besser Einblicke über die Tätigkeiten des beruflichen Nachwuchses geben, als sie? Dabei sind Videos, Erfahrungsberichte über Ausbildungs-Projekte, Betriebsausflüge, Arbeiten in anderen Niederlassungen geeignete Elemente, um die Generation Z anzusprechen. Ein Blog lässt sich kostensparend und ohne Programmierkenntnisse erstellen.

4. Frühzeitig Kontakt aufnehmen

Der Kontakt zu den jungen Menschen sollte nicht erst zum Start der neuen Bewerbungsphase aufgebaut werden, idealerweise ist er lange vorher schon erfolgt. Ausbildungsmarketing muss früh beginnen. Der Zugang zu Jugendlichen erfolgt am besten in den Jahrgangsstufen 7 oder 8. In dieser Zeit absolvieren sie Praktika oder Schnuppertage in Betrieben. Wem es gelingt, für einen positiven Kontakt zu sorgen, hat bereits viel richtiggemacht. Auch Schulfeste oder regionale Veranstaltungen können für ein gezieltes Jugendmarketing genutzt werden und für einen ersten positiven Kontakt eine solide Basis bilden. Und natürlich ist die Präsenz auf Messen und Veranstaltungen wie ein „Tag der offenen Tür“ ein guter Rahmen, um persönlich Kontakt aufzunehmen.

Dont’s:

1. Altmodische Aufmachung

Vorsicht: Nichts wirkt unprofessioneller als ein schlecht gemachter Unternehmensauftritt. Biedere Aufmachung und billige Stockfotos zahlen negativ auf das Image ein. Gerade die junge Generation hat durch Online-Medien wie Instagram einen deutlich höheren optischen Anspruch. Am leichtesten punkten lässt sich mit einem authentischen Auftritt, der den Jugendlichen einen umfassenden Einblick in den Ausbildungsalltag gibt.

2. Übertriebene Selbstdarstellung

Jeder Betrieb sollte nur Versprechungen machen, die er auch halten kann. Wer falsche Versprechungen macht, hat schon verloren. Zu gelungenem Storytelling zählen mehr als Fakten und Erfolge. Gerade junge Menschen hinterfragen die Dinge und reagieren umso enttäuschter, wenn sie feststellen, dass die Beschreibung nicht den Tatsachen entspricht. Ein Unternehmen, das eher konservativ ist, sollte nicht versuchen, cool zu wirken. Das geht mit Sicherheit daneben.

3. Überzogene Erwartungen

Jedes Unternehmen sollte seine entscheidenden Auswahlkriterien hinterfragen. Sind die schulischen Leistungen wirklich alles, oder geht es nicht auch um das persönliche Potenzial? Viele Unternehmen stützen sich bei ihrer Suche nach geeigneten Bewerbern noch auf Kriterien, die vor zehn oder 20 Jahren sinnvoll waren. Damals sah der Markt noch anders aus. Damals konnten die Unternehmen auswählen, heute wählen die Jugendlichen aus – außer wie eingangs erwähnt, bei Top-Betrieben wie Adidas oder Audi.

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Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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