Fachkräftemangel im Mittelstand – Unternehmen werben kaum um Zuwanderer

„Die Sicherung des Fachkräftebedarfs sollte Chefsache werden“, so die Empfehlung von Hubertus Heil (MdB) an die Bundeskanzlerin. Die Engpässe bei der Stellenbesetzung in der deutschen Wirtschaft weiten sich aus. Obwohl 90% der kleinen und mittleren Betriebe die Zahl ihrer Arbeitnehmer konstant halten oder gar erhöhen wollen, findet jedes dritte mittelständische Unternehmen keine geeigneten Arbeitskräfte und muss deshalb bereits Aufträge ablehnen, berichtet Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMV).

So verwundert es nicht, dass mittelständische Unternehmer den Fachkräftemangel als risikoreicher als die Rohstoffpreise oder die politischen Rahmenbedingungen bewerten. Auch die aktuelle Analyse der Bundesagentur für Arbeit bestätigt: Es sind immer mehr Regionen und Berufe betroffen, wie der neue Mangel in den Bereichen Klempnerei, Sanitär, Heizung-, Energie- und Klimatechnik zeigt. In diesen Berufssparten fehlt es vor allem an Spezialisten ohne akademische Ausbildung. Daher bleiben vakante Stellen durchschnittlich 110 Tage ohne geeignete Kandidaten unbesetzt.

Was ist zu tun?

Für Unternehmen ist es daher wichtig, selbst aktiv zu werden und durch Aus- bzw. Weiterbildungsmaßnahmen zur Entspannung der Situation beizutragen. Solche langfristig angelegten Strategien tragen zwar nicht unmittelbar zur Verbesserung der Lage bei, jedoch sollte im Hinblick auf die Zukunft eines Unternehmens, eine Kombination aus kurz- und langfristigen Lösungsansätzen gewählt werden.

Ein eher kurzfristiger Ansatz wäre die Rekrutierung aus dem Ausland. Eine Studie der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) macht deutlich, dass in Deutschland im internationalen Vergleich kaum auf Arbeitskräfte von außerhalb der EU zurückgegriffen wird. Der EU-externe Arbeitnehmeranteil beträgt jährlich nur 0,02% der Bevölkerung. Als Hürde erweist sich laut Studie auch das mit einem schlechten Ruf behaftete deutsche Antragssystem zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.

Auf Bundesebene gibt es jedoch seit April 2012 ein Gesetz, welches die Integration qualifizierter Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt verbessern soll und die Anerkennung eines Berufsabschlusses vereinfacht. Dennoch sind bisher nicht so viele Anträge eingegangen wie erwartet. Obwohl beispielsweise bei den Handwerkskammern bis Dezember knapp 7.300 Anfragen bearbeitet wurden, sind nur rund 1.300 Anträge auf Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses eingegangen. Bei Bewerbungen aus dem Ausland sollten Sie den Bewerber daher nicht sofort ablehnen, da die bürokratischen Hürden einer Anerkennung zu hoch sind. Weisen Sie entsprechende Bewerber auf diese Möglichkeit hin, da in den meisten Fällen eine Anerkennung des entsprechenden Abschlusses erfolgt.

Ein weiterer Lösungsansatz für die Verbesserung des derzeitigen Fachkräftemangels ist Einstellung von älteren Arbeitnehmern. Bereits 14% der mittelständischen Unternehmen setzten auf diese erfahreneren Mitarbeiter und bei einer konsequenten Umsetzung dieser Strategie können bis 2025 circa 1,2 Millionen Fachkräfte gewonnen werden.

Falls Sie selbst keinen geeigneten Bewerber finden, können Sie sich bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeiter auch an eine Personalvermittlung in Ihrer Nähe wenden, welche in Absprache mit Ihnen nach entsprechenden Fachkräften sucht.