Mit digitalen Mitarbeiterempfehlungsprogrammen nachhaltig rekrutieren

Jeder gute und leistungsbereite Arbeitnehmer kennt wahrscheinlich andere gute und leistungsbereite Leute. Digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramme nutzen genau diese sozialen Netzwerke, um neue Mitarbeitende zu finden. Das ist nicht nur gut für das Unternehmen, sondern auch für die Unternehmenskultur.

Mitarbeiterempfehlungsprogramme sind relativ einfach erklärt: Anstatt auf Stellenausschreibungen und Headhunter zu vertrauen, bietet ein Unternehmen seinen Mitarbeitenden die Chance, Personen aus ihrem Netzwerk zu empfehlen. Folgt aus dieser Empfehlung eine tatsächliche Neueinstellung, erhält der Empfehlende eine Belohnung. So weit, so klar. Mit dem Begriff „digital“ wird das Social Web integriert: Empfehlungen laufen über Xing oder LinkedIn, aber auch Facebook oder Twitter. Dadurch werden die Empfehlungen natürlich schnell unübersichtlich. Aus diesem Grund bieten inzwischen mehrere Anbieter einfache Apps und Programme an, die den Prozess für Recruiter, Belegschaft und potenzielle Kandidaten so simpel wie möglich macht.

Doch haben Empfehlungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirklich einen Vorteil gegenüber klassischen Personalmarketingmaßnahmen?

Jeder Mitarbeitende als Headhunter

Die Wirksamkeit von Mitarbeiterempfehlungen im Recruiting ist inzwischen sehr gut belegt. So münden drei von sieben Empfehlungen tatsächlich in einem Arbeitsvertrag. Dem liegt der wissenschaftlich fundierte Gedanke zugrunde, dass sich die meisten Menschen mit Leuten umgeben, die Interessen teilen und ähnlich qualifiziert sind. Schließlich hat man mit diesen Kontakten zusammen gelernt oder gearbeitet oder man hat zumindest Gesprächsthemen.

Digitale Mitarbeiterempfehlungsprogramme machen sich diesen Umstand zunutze: Ein guter Informatiker hat in seinem Bekanntenkreis wahrscheinlich ein paar gute Informatiker, IT-Spezialisten und Technikinteressierte. Dafür kennt er vermutlich weniger Psychologen und Grundschullehrer. Als IT-Unternehmen ergibt es daher Sinn, dem Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, offene Stellen an sein persönliches Netzwerk weiterzugeben und ihn dafür zu belohnen. In Zeiten Sozialer Netzwerke und Smartphone-Apps ist eine geteilte Stellenanzeige meist nur einen Wisch entfernt.

Wirksamkeit bestätigt

Das Prinzip wird vom Erfolg bestätigt. Erste Zahlen zeigen eine Zeitersparnis von bis zu 50 Prozent weniger „time to hire“, eine Kostenersparnis von bis zu 75 Prozent weniger „cost per hire“ und zur Unternehmenskultur passende Bewerber. Gerade der letzte Vorteil ist nicht zu unterschätzen. Bei Kandidaten aus dem persönlichen Netzwerk der Mitarbeitenden ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese zur gelebten Arbeitskultur passen, wesentlich höher. Dies wirkt sich auf die Mitarbeiterbindung aus. Eine Studie von Jobvite zeigt: Während neue Mitarbeitende, die über eine Jobbörse auf ein Angebot gestoßen sind, nur zu 14 Prozent länger als drei Jahre im Unternehmen verweilen, bleiben bis zu 47 Prozent der angestellten Mitarbeiterempfehlungen ihrem Arbeitgeber länger als drei Jahre treu.

Die vielversprechenden Statistiken machen die Programme natürlich insbesondere interessant für Unternehmen, die im „war for talents“ stehen. Hoch qualifizierte Fachkräfte sind nur schwer über Stellenanzeigen zu locken. Die persönliche Empfehlung eines Freundes oder Bekannten, der oder die schon seit Jahren für ein Unternehmen arbeitet und positiv von diesem berichten kann, erzeugt eine ganz andere Anziehungskraft. Somit steigert der Mitarbeitende als Botschafter der Arbeitgebermarke die Unternehmensattraktivität. Eine Wohltat für das Employer Branding.

Usability die überzeugt

Inzwischen gibt es einige Anbieter, die das Potential der digitalen Mitarbeiterempfehlungen erkannt haben. Namen wie Talentry oder Firstbird gehören zu den Vorreitern der Branche. Beide funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip. Die Mitarbeitende eines Unternehmens oder Multiplikatoren im eigenen Netzwerk werden mit der Software ausgestattet. Diese ist natürlich auf jedem Gerät egal ob Smartphone, Tablet oder PC verfügbar. Ein Personaler kann über dieses Tool über offene Stellen informieren. Mitarbeitende, die Leute mit den passenden Qualifikationen kennen, können diese schnell und einfach über den Kanal ihrer Wahl teilen. Wird tatsächlich jemand auf die Stelle aufmerksam, kann der potentielle Bewerber über die geteilte Anzeige direkt sein CV an den Personaler schicken.

Die Vorteile in der Usability liegen damit auf der Hand: Der Personaler kann alle Vorgänge bequem tracken. Er weiß, wie oft und von wem und über welche Kanäle die offenen Stellen geteilt werden. Für den Kandidaten verläuft die Candidate Journey mit dem Start in einer persönlichen Empfehlung und der unbürokratischen Empfehlung von Anfang an positiv ab. Die Mitarbeitenden, die Empfehlungen aussprechen, können Angebote einfach teilen und erhalten bei erfolgreicher Vermittlung eine Belohnung. Die Belohnung kann dabei materiell eine bestimmte Geldsumme sein oder aber auch immateriell in Form von Wertschätzung im programminternen Netzwerk. Denn auch hier kann man sich gegenseitig folgen, Punkte sammeln und sich mit anderen austauschen.

Wohin geht die Reise?

Im Moment heben sich Anbieter wie Firstbird oder Talentry noch von der Masse an Stellenanzeigen ab. Kritiker befürchten, dass es durch eine Belohnung für das Teilen von Angeboten zu einer Inflation kommen könnte. Wer einen oder mehrere sehr aktive Jobmultiplikatoren im Netzwerk hat, könnte die Stellenangebote im eigenen Umfeld schnell als Spam empfinden. Der positive Ansatz verspricht zufriedene Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Arbeitgeber, weil sie umkämpfte Fachkräfte finden, Arbeitnehmer, weil sie ein Unternehmen finden, bei dem sie gerne arbeiten und länger bleiben wollen.

Sollte sich das System bewähren, könnte es den klassischen (vor allem teuren) Headhunter ersetzen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich die Mitarbeiterempfehlungssyteme zur Spammaschinerie oder zur Lösung des „war for talents“ entwickelt.