Mittelständler bereiten sich auf Generationswechsel vor

Der bevorstehende Generationenwechsel bleibt ein Dauerthema in den Führungsetagen des deutschen Mittelstands: Allein bis Ende 2020 suchen 227.000 deutsche Mittelständler einen Nachfolger für ihr Unternehmen. Speziell für 36.000 KMU wird die Zeit knapp. Sie streben eine Unternehmensnachfolge in den kommenden zwei Jahren an, haben aber noch keinerlei Aktivitäten unternommen. Zusätzliches Problem: Die nachrückende Unternehmer­generation ist zu dünn besetzt.

Der Geschäftsmann, der sich hinter Chiffre A060119 verbirgt, ist Inhaber eines erfolgreichen, familiengeführten Unternehmens mit 15 Mitarbeitern. Für seinen Sanitärbetrieb in der Nähe von Tübingen, der hauptsächlich im Objektbereich tätig ist und Großprojekte abwickelt, sucht er auf der Plattform Nexxt-Change einen Nachfolger. „Der derzeitige Inhaber möchte sich rechtzeitig um seine Nachfolge kümmern und sucht deshalb einen Meister Sanitär, der anfänglich zusammen mit ihm als Geschäftsführer die kaufmännische und operative Führung des Unternehmens übernimmt“, heißt es da. Interessierte können sich an die IHK Bodensee-Oberschwaben wenden.

Bis Ende 2020 wollen über 200 000 Mittelständler in Deutschland ihre Firma übergeben. Das geht aus dem aktuellen Nachfolge-Monitoring Mittelstand der KfW Bankengruppe für 2018 hervor. Damit liegt die Zahl der Chefs, die ihre Firma binnen zwei Jahren in die Hände eines Nachfolgers geben wollen, weiter auf hohem Niveau. Laut KfW wächst dabei erfreulicherweise das Bewusstsein der Unternehmenslenker, sich den Herausforderungen des bevorstehenden Generationenwechsels frühzeitig zu stellen. Noch nie haben sich mehr von ihnen mit den möglichen Optionen bei einem altersbedingten Rückzug aus der Firma beschäftigt (59 Prozent gegenüber 55 Prozent). Auch die Zahl der bereits gesicherten Übergaben steigt: Fast zwei Drittel der Mittelständler, die bis 2020 eine Übergabe anstreben, sind bereits weg vom Markt. Sie haben die Nachfolge entweder bereits unter Dach und Fach gebracht oder führen konkrete Verhandlungen mit dem Nachfolger. Damit ist für etwa 141.000 kleine und mittlere Unternehmen absehbar, wer die Firma nach dem Rückzug des aktuellen Inhabers weiterführen wird (Vorjahr: 137.000).

„Dass das Nachfolgemanagement auf der Agenda der aktuellen Inhabergeneration ein ordentliches Stück nach vorne gerückt ist, freut mich“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Derzeit sind etwa vier von zehn Chefs mittelständischer Betriebe älter als 55 Jahre. Für sie stelle sich in absehbarer Zeit die Frage nach dem Renteneintritt und damit nach dem Fortbestand des Unternehmens. „Wenn man das wirtschaftliche Gewicht dieser Unternehmen beleuchtet, wird klar, dass vom Gelingen des Generationenwechsels viel abhängt. Allein die bis 2020 zur Übergabe anstehenden 227.000 Mittelständler sind Arbeitgeber für fast zwei Millionen Erwerbstätige und 76.000 Auszubildende“, so Zeuner weiter.

Die meisten Unternehmer, 45 Prozent, wünschen sich einen Nachfolger aus der eigenen Familie. Eine Option, die nur für einen Teil der Mittelständler in Frage kommt. 45 Prozent können sich daher einen externen Käufer vorstellen, fast ein Viertel die Übernahme durch einen Mitarbeiter und ein knappes Drittel die Abgabe an einen Miteigentümer. Dabei erschwert die demographische Entwicklung die Lage: „Zentraler Engpassfaktor für das Finden externer Nachfolger ist die dünn besetzte nachrückende Unternehmergeneration. Die Gründerzahlen sinken seit Jahren aufgrund der guten Lage am Arbeitsmarkt. 2017 machten sich nur noch 557.000 Menschen selbständig. Insbesondere die übernahmewilligen Gründer werden seltener, ihre Zahl lag zuletzt bei 57.500 im Jahr“, sagt KfW-Chefvolkswirt Zeuner.

Auch wenn der Anteil an Mittelständler, die ihre Nachfolge bereits geregelt haben, relativ hoch ist, so wird für eine nicht unerhebliche Zahl an Firmen die Zeit knapp: 36.000 Inhaber sind laut KfW bisher nicht in den Prozess eingestiegen oder haben lediglich Informationen gesammelt. Eine geordnete Übergabe erfordert in der Regel mehrere Jahre Planung, erst recht, wenn der Nachfolger nicht aus der Familie stammt. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Unternehmenslenker nicht an ihren bisherigen Ruhestands- und Übergabeplänen werden festhalten können, ist groß.

Der Bericht legt auch offen: Nicht jeder Mittelständler sucht einen Nachfolger. Für 16 Prozent der Inhaber, vor allem sehr kleine Betriebe mit weniger als fünf Mitarbeitern, wollen diesen mit dem Rückzug aus dem Arbeitsleben stilllegen.

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Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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