Recruiting auf dem Land

Mittelständler in ländlichen Regionen tun sich schwer, qualifiziertes Personal aufs Land zu locken. Da ist Überzeugungskunst gefragt. Headhunterin Nicole Osbelt weiß, wie man eine Karriere in der Provinz schmackhaft macht. Die Inhaberin der Osbelt CCP Consult sucht für KMUs geeignete Bewerber.

Welche Branchen leiden am stärksten unter der Entwicklung des Arbeitnehmermarktes?

In Branchen würde ich es in meinem Umfeld gar nicht runterbrechen wollen, eher auf Berufsgruppen. Schwierig wird es stellenweise im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, beispielsweise im Maschinenbau, in der Informatik oder in der Elektrotechnik. Durch die unaufhaltsame Digitalisierung, den branchenabhängig rasanten Innovationszyklen und dem Wettbewerbsdruck ist eine vorrausschauende Unternehmensstrategie von immer höherer Bedeutung. Wer rechtzeitig seinen Personalbedarf plant, kann sich entspannter auf dem Kandidatenmarkt umsehen. Ist der Bedarf an Spezialisten auf dem Markt so hoch, dass der freie Arbeitsmarkt keine anzubieten hat, kommen wir ins Spiel.

Was können Unternehmen selbst tun, um ihre Attraktivität zu erhöhen?

Viel mehr, als mancher Unternehmer denkt. Die Menschen sind unterschiedlich zu motivieren und das muss nicht immer das Geld sein. Hier hat ein Unternehmen viele Möglichkeiten: eine klare Karriere-Perspektive, Angebote und Kostenübernahme zur Weiterbildung, Bezuschussung von Kita-Plätzen sowie flexible Arbeitsplatzgestaltung. Heute spielen auch das Unternehmensklima und die Kultur eine maßgebliche Rolle. Die Mitarbeiter sollen und wollen sich wohlfühlen! Das muss jedoch glaubhaft gelebt und sichtbar gemacht werden. Stichpunkt: Employer Branding und Personal Marketing - und zwar nach innen und außen. Die Kandidaten machen sich im Netz über das zukünftige Unternehmen schlau. Wer da bei den Bewertungsplattformen schlecht abschneidet, hat Schwierigkeiten, die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen. Die positive Sichtbarkeit am Markt ist heute eine wichtige Säule.

Womit kann die Region außerdem punkten?

Die Menschen, die in Unternehmen außerhalb der Stadt arbeiten möchten, schätzen die Vorteile, die kleinere Strukturen bieten. Es ist doch so: In Großstädten ist es oft leichter, einen Job zu finden, als eine Wohnung oder ein Haus. Das ist auf dem Land anders. Außerdem bieten ländliche Regionen Charme und Flair. Je attraktiver eine Region wahrgenommen wird, desto leichter tun sich Unternehmen, Personal zu finden.

Wo besteht der höchste Bedarf an Personal?

Wir suchen kaufmännische und technische Führungskräfte und Spezialisten in einem Gehaltsspektrum von 75 – 350T€ Jahresgehalt. Das sind Geschäftsführer, Bereichsleiter oder Spezialisten mit „seltenen“ Kompetenzen. Ob für Bauwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Luft- und Raumfahrt, wir finden Experten für alle Felder. Wir stammen als Berater selbst aus diesen Bereichen und verstehen daher als Sparringspartner auch die Sprache der Branchen. Ein großer Vorteil, wie sich gezeigt hat.

Wie gehen Sie bei der Suche vor?

Ein wesentlicher Punkt ist  unser Netzwerk sowie Empfehlungen zur Direktansprache. Der größte Anteil der Positionen ist verdeckt auf dem Markt zu besetzen  - da ist immer ein waches Ohr am Markt gefragt. Wir kennen unsere Kandidaten und Kunden persönlich und setzten jede Anfrage sehr individuell um.

Was kostet es Unternehmen, einen Headhunter zu beauftragen?

Das variiert von Headhunter zu Headhunter leicht, aber wir liegen je nach Anspruch der zu besetzenden Stelle zwischen einem Viertel und einem Drittel des Jahresbruttogehaltes. Unser Ziel sind langfristig besetzte Positionen, denn ein Mitarbeiter, der das Unternehmen wieder verlässt, kostet dem Unternehmen viel Geld und Zeit.

Viele Headhunter bringen nicht nur Bewerber und Unternehmen zusammen, sie sind auch beratend tätig.

Mit der reinen Jobvermittlung ist es im seltensten Fall getan. Es gilt, mit dem Kunden Anforderungsprofile sowie Funktionsbeschreibungen zu erstellen. Zudem muss häufig das Organigramm erneuert und die Änderungen, die sich daraus ergeben können, besprochen werden.  Dann gilt es, die Bewerbungsgespräche zu führen und diese auszuwerten. Außerdem begleiten wir Kunden und Kandidat eng die ersten 100 Tage und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Wir haben uns als Partner der Unternehmen etabliert, mit dem offen kommuniziert werden kann. Schließlich bedeutet jeder neue Mitarbeiter eine Veränderung für das Unternehmen, aber auch für den Mitarbeiter selbst verändert sich viel. Diesen Prozess begleiten wir auf Wunsch auch  über die Zeit auch hinaus.

Wie lange dauert es vom ersten Gesuch bis zur Einstellung?

Das kann nicht pauschal beantwortet werden und ist abhängig von der Attraktivität der Firma und Funktion, der Enge der Nische, der marktbedingten Verfügbarkeit der Kandidaten, und so weiter. Im Durchschnitt ist die Position innerhalb von drei Monaten besetzt, es gibt jedoch auch Stellen, bei denen selbst wir einen langen Atem benötigen. Das muss dann auch mit dem Kunden offen und ehrlich besprochen werden. 

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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