04/02/2019 08:00

Wie KMUs ihre Nachwuchssorgen lösen könnten

Deutsche Arbeitgeber beklagen den Fachkräftemangel, er ist neben der Digitalisierung das größte Erschwernis, mit dem sie zu kämpfen haben. Dabei könnten gerade kleine und mittelständische Unternehmen bei der Nachwuchsrekrutierung weitaus geschickter vorgehen. Sie vernachlässigen die Kontaktpflege zu jungen Talenten, die bereits im Unternehmen ein Praktikum geleistet haben – und verpassen dabei wichtige Chancen.

Das ist ein Ergebnis des aktuellen "Future Talents Report“, der Unternehmensberatung CLEVIS Consult, die früher unter dem Namen Praktikantenspiegel veröffentlicht wurde. Für die Studie wurden 7.664 Talente befragt. Demnach sind 90 Prozent der Berufsstarter nach dem ersten Kennenlernen eines Arbeitgebers im Rahmen eines Praktikums an einer Stelle interessiert. Diese Rekrutierungschance verpassen allerdings 49 Prozent der Unternehmen, indem sie keinen Kontakt zu ihren ehemaligen Praktikanten halten. Bei den KMUs liegt der Anteil gar bei alarmierenden 61 Prozent.

Kontakt zu Talenten bricht oft bereits am letzten Arbeitstag ab

In vielen Unternehmen beginnt der Abbruch des Kontaktes zu den so genannten „Future Talents“ bereits in den letzten Tagen eines Praktikums. Denn nur in 40 Prozent der Fälle endet das Arbeitsverhältnis mit einem abschließenden Feedbackgespräch. Auch Alumni-Netzwerke als Kontaktpflege-Tool sucht man in Zeiten der Digitalisierung in den meisten Unternehmen vergebens. Nur jede zehnte Nachwuchskraft wird über ein solches an den Arbeitgeber gebunden. In den besonders gefragten MINT-Fächern ist es sogar nur jede zwanzigste Nachwuchskraft. Auch die Gelegenheit talentierte Absolventen über Abschlussarbeiten zu binden, nutzen wenige Arbeitgeber - jeder sechste Konzern und nur 10 Prozent der KMU´s.

„Die Kommunikation zu jungen Talenten auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist besorgniserregend schlecht. Zwar unternehmen Arbeitgeber erhebliche Anstrengungen, um sie während eines Praktikums von sich zu überzeugen. Allerdings operieren sie anschließend nach dem Motto ´Aus den Augen aus dem Sinn´. So drängt sich der Eindruck auf, dass der oft beklagte Fachkräftemangel auch ein hausgemachtes Problem vieler Unternehmen ist“, so Kristina Bierer von CLEVIS Consult.

Überstunden schon in der Kennenlernphase - auch in Mangelberufen

Ob junge Talente zufrieden mit ihrem Praktikum sind, hängt in erster Linie mit der Anleitung ihres Arbeitsverhältnisses zusammen. Hier gilt: Wer zufrieden mit seiner Führungskraft ist, kann sich auch eine erneute Bewerbung beim jeweiligen Unternehmen vorstellen. Im Umkehrschluss ist der Anteil derjenigen, die sich nicht noch einmal bei einem Arbeitgeber bewerben würden vor allem dann groß, wenn schwache Führungsarbeit geleistet wurde. Ein Risiko stellt zudem die fehlende Flexibilität in Sachen Arbeitszeit dar. So leistet derzeit jeder dritte Praktikant Überstunden. In vielen Mangelberufen ist der Anteil sogar noch höher. 40 Prozent der Maschinenbauer, 41 Prozent der Wirtschaftsingenieure und gar 52 Prozent der Chemiker arbeiten demnach schon in der beruflichen Kennenlernphase zwischen Arbeitgeber und -nehmer länger als acht Stunden täglich. „Wir haben festgestellt, dass die Zufriedenheit mit einem Praktikum sinkt, je höher der Anteil der Überstunden ist. Demgegenüber steht das ausgeprägte Bedürfnis der Generation Z nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Diesen Spagat sollten Arbeitgeber beispielsweise durch flexible Arbeitszeitmodelle schon in der beruflichen Orientierungsphase bewältigen“, so Kristina Bierer.

Konzerne zahlen ein Fünftel mehr als KMU´s

Die Bezahlung der „Future Talents“ unterscheidet sich indes je nach Unternehmensgröße. Während in Konzernen durchschnittlich 1.318,75 Euro brutto monatlich gezahlt werden, sind es in den KMU´s 1.087,36 Euro. Im Durchschnitt verdienen Praktikanten in Deutschland nach diesen zahlen 92 Euro weniger als noch im Vorjahr. Immerhin: 93 Prozent aller Praktika werden vergütet. Allerdings ist die Vergütung kein entscheidender Zufriedenheitsfaktor in der beruflichen Orientierungsphase. Hier stehen das Lernpotential, die Aufgabengestaltung und der positive Einfluss des Arbeitsverhältnisses auf den Lebenslauf ganz vorne.

Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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