7 Praxistipps für frischgebackene Führungskräfte

Wer den Job wechselt und plötzlich eine Führungsrolle einnimmt, sieht sich großen Herausforderungen gegenüber. Gerade die ersten 100 Tage in der neuen Rolle entscheiden darüber, ob der Jobwechsel von Erfolg gekrönt wird. Wie Sie das Vertrauen Ihrer neuen Mitarbeiter gewinnen, verrät Alexander Benedix. Er ist Führungskräftetrainer und weiß, worauf es in der Anfangsphase ankommt

1. Machen Sie die Mitarbeiter mit Ihrer neuen Rolle bekannt

„Man hat nie eine zweite Chance für den ersten Eindruck“, sagt Alexander Benedix. Sein Rat: Halten Sie in jedem Fall eine Antrittsrede und stellen Sie sich dem ganzen Team vor. Bei diesem „Vorstellungsgespräch“ nennen Sie ein paar Details zu Ihrem beruflichen Lebenslauf und geben Sie ruhig auch etwas Persönliches preis. „Verraten Sie, was Sie antreibt“, rät Benedix, „und lassen Sie das Fachliche erst einmal außen vor.“ Überfrachten Sie das Gespräch nicht; Humor hilft übrigens.

2. Ändern Sie nicht gleich alles

Die ersten ein, zwei Wochen sollte man es eher ruhig angehen und erst einmal die Abläufe beobachten. Fragen Sie ruhig, warum diese oder jene Prozesse so gehandhabt werden. Sätze wie „In meiner letzten Firma haben wir das so gemacht….“, sollte man sich tunlichst verkneifen, damit sammelt man keine Sympathiepunkte. „Das heißt aber nicht, dass alles genau beim Alten bleiben muss“, sagt der Experte. Sollte sich in Einzelgesprächen herausstellen, dass es Situationen gibt, mit denen die Mitarbeiter unzufrieden sind, können Sie durchaus erste Zeichen setzen. Dabei kann es hilfreich sein, neue Rituale einzuführen, wie beispielsweise jeden Freitag einen Teamkaffee zum Ausklang der Arbeitswoche.

3. Nutzen Sie den Wissensvorsprung der Mitarbeiter

Es ist gefährlich zu meinen, als Führungskraft müsse man alles wissen. „Ihre Mitarbeiter sind Fachexperten. Nutzen Sie das Knowhow auch im Hinblick auf Motivation“, sagt Alexander Benedix. Vor allem, wenn die Mitarbeiter unter dem vorherigen Chef gelitten haben, ist es wichtig, sich auch bei anderen Führungskollegen sowie der Nachbarabteilung zu erkundigen.

4. Veränderungen brauchen Zeit

Tappen Sie nicht in die Falle, sofort alles ändern zu wollen. „Setzen Sie zunächst auf Quick Wins“, rät der Experte. Wählen Sie Veränderungen, bei denen Sie schnelle Erfolge erzielen können. Suchen Sie sich Punkte, hinter denen die Belegschaft steht, die wenig Geld kosten und trotzdem einen  Nutzen bringen. So sehen die Mitarbeiter sofort, dass etwas passiert. Geben Sie ihnen Zeit, sich an die Veränderungen zu gewöhnen. Und vor allem: Investieren Sie viel Zeit in die Kommunikation, vor allem, wenn es gilt, unangenehme Nachrichten zu vermitteln. Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar was passiert, wenn nichts passiert – also, wenn alles beim Alten bleibt. „Veränderungen sprechen das Schmerzzentrum an“, sagt Benedix, „das ist der Grund, warum sich Menschen häufig dagegen sperren.“ Die wahre Kraft von Führungspersönlichkeiten zeigt sich erst, wenn es nicht so gut läuft.

5. Chefs sollten konsequent und berechenbar sein

Heute hüh, morgen hott – das funktioniert auch bei Mitarbeitern nicht. „Hüten Sie sich vor schnellen Versprechungen, die Sie nicht halten können und stehen Sie zu Ihren Aussagen“, rät Benedix. Sonst ist die Loyalität schnell perdu. Gerade in schwierigen Unternehmensphasen ist es wichtig, dass Chefs Vorbild sind und vorleben, was sie von den Mitarbeitern erwarten. Beispielsweise der Verzicht auf neue Büromöbel könnte zum Start ein wichtiges Signal sein.

6. Sparen Sie nicht mit Lob

„Hüten Sie sich vor beliebigem, zu schnell und wahllos ausgesprochenem Lob“, sagt Alexander Benedix. Anerkennung zu geben, habe mit erkennen zu tun. Daher ist es wichtig, Augen und Ohren offen zu halten und zu überlegen, was einem an der Arbeit des Mitarbeiters gut gefallen hat. Das geht in der täglichen Routine häufig unter. Daher empfiehlt Benedix, sich im Kalender Erinnerungen einzutragen, um die Mitarbeiter „beim Gutsein zu erwischen“. Der Führungskräftecoach wird in seinen Seminaren häufig gefragt, ob man nicht zu viel loben kann. Seines Wissens nach habe jedoch noch nie jemand gekündigt mit der Begründung: Ich wäre hier ja ganz glücklich, aber mein Chef lobt mich zu viel. Gleichzeitig empfiehlt der Coach auch, regelmäßig Feedback zu geben. „Es ist immer auch eine Lernchance für den Mitarbeiter. Sagen Sie ruhig, wenn etwas nicht so gelungen ist und kommunizieren Sie, welche konkreten Veränderungen Sie vom Mitarbeiter erwarten.“

7. Entwickeln Sie Ihren eigenen Führungsstil

„Niemand kann erfolgreich kopieren“, sagt Benedix. Der eigene Stil kommt mit der Erfahrung. Dazu gehört auch, regelmäßige Boxenstopps einzulegen und den Tag, beziehungsweise die Woche Revue passieren zu lassen und zu überlegen, was gut gelaufen ist, was weniger gut und sich selbst Feedback zu geben. Wenn etwas nicht funktioniert, müsse man eben etwas anderes ausprobieren. Er hält es auch für ratsam, gemeinsame Teamwerte zu erarbeiten. Das stärkt den Zusammenhalt im Team.

Sollten Sie an weiteren Informationen zu Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation interessiert sein, finden Sie unterschiedliche Podcast-Beiträge von Alexander Benedix hier.

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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