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„Lassen Sie mal den Löffel fallen“
20/06/2016 08:30

„Lassen Sie mal den Löffel fallen“

Meinen Artikel beginne ich dieses Mal anders und zwar mit der These, von der ich überzeugt bin: Wertschätzung ist der Schlüssel für Ansehen und Erfolg. Mein Artikel ist zwar kein Patentrezept oder hat für jedes Unternehmen das Erfolgsrezept parat, doch möchte ich Sie vielmehr zum Nachdenken anregen. Gelingt mir das, so freut mich das, denn das kann ein Anstoß für Veränderung sein.

Kennen Sie das positive Gefühl, wenn Sie gelobt, bewundert oder angelächelt werden? Bestimmt. Und es tut einfach gut. Sie fühlen sich wohl dabei und genießen es. Und: Dieses Gefühl „wertvoll zu sein“ erzeugt positive Energie.


Hat Sie Ihr Chef heute schon gelobt? Haben Sie den Chef, die Kollegen oder Mitarbeiter heute gelobt oder angelächelt?


Jeder Mensch benötigt Energie zum Leben. Gleichzeitig ist der Mensch eine Energiequelle für andere. Gelingt es uns nicht selbst Energie zu erzeugen, dann klauen wir diese von unseren Mit-Menschen. Und Menschen die auf Ihr Lächeln oder Lob nicht reagieren, klauen Ihnen Energie. Manche Psychologen diagnostizieren bei Menschen, die lange in diesem Zustand verweilen, eine Depression.


Eine Depression wird laut Duden als eine psychische Störung beschrieben, bei der man sich sehr traurig, lustlos oder ohne Hoffnung fühlt und oft keine Aktivität mehr zeigt. Aber auch als Phase des wirtschaftlichen Niedergangs. Das sollte uns allen zu denken geben. Also raus aus der Depressionsspirale.


Der wirksamste Weg, um Energie zu erzeugen, ist Wertschätzung zu verteilen. Wertschätze die Menschen und vermittele, dass Sie die anderen für wertvoll halten. Verteilen Sie Wertschätzung großzügig, dann werden Sie wiederum große Mengen an Wertschätzung erhalten.


Zum Ausdruck gebrachte bedingungslose Wertschätzung führt zu positiven Veränderungen. Im  privaten Alltag und im Arbeitsleben. Ein gesundes Selbstbild  hilft Wertschätzung zu verteilen und selbst von anderen anzunehmen.


Fragen Sie sich:


  • Wer bin ich?
  • Was für eine Person bin ich?
  • Worin bin ich wirklich gut?

Gerade in unserer Leistungsgesellschaft denken viele, dass sie nur etwas wert sind, wenn sie etwas leisten, schaffen, erreichen. Meist wurde dies von den Eltern vorgelebt und übernommen. Machen Sie sich klar, dass es in den Kriegs- und Nachkriegsjahren ums Überleben und um Sicherheit ging. Es ging um Leistung, denn die sicherte die Existenz. Dabei wurde oft ein stärkendes „Ich glaube an Dich oder Du bist toll!“ vernachlässigt, dass einem zum gesunden Selbstbewusstsein verhilft. Machen Sie sich klar: Ihr Wert entsteht nicht durch Leistung, sondern durch Ihre bloße Existenz. Wertschätzung beginnt damit, die eigenen Bedürfnisse zu akzeptieren und gipfelt im Annehmen und Verteilen von Wertschätzung.


Gehören Sie zu den Menschen, denen es schwer fällt, Wertschätzung zu geben oder anzunehmen? Neigen Sie dazu, sich und die eigenen Leistungen oft abzuwerten? Machen Sie Ihren Wert von der Bestätigung anderer abhängig? Dann sollten Sie mir die Frage gestatten: Meinen Sie das ist der richtige Weg?


Verbessern Sie Ihr Selbstwertgefühl


Stoppen Sie dieses Selbstwertproblem, indem Sie sich die möglichen Auslöser vor Augen führen. Meist liegen die Ursachen in einem desinteressierten Verhalten wichtiger Bezugspersonen in der Kindheit, vorgelebtes mangelndes Selbstwertgefühl der Eltern oder anderer Vorbilder.


Führen Sie sich innerlich vor Augen, worin Ihre persönlichen Fähigkeiten liegen. Schreiben Sie Ihre Fähigkeiten auf einen Notizzettel und hängen Sie diesen gut sichtbar in der Wohnung auf. Ergänzen Sie diese Liste über mehrere Wochen und notieren Sie sich alle Ihre positiven und liebenswerten Eigenschaften. Und denken Sie daran: kein Mensch ist perfekt und die eine Mischung aus Ihren Stärken und Schwächen verleihen Ihnen Ihre individuelle Note. Gerade das Zugeben von Schwächen gilt oft als Zeichen von Stärke. Wichtig ist, sich selbst mögliche Fehler zu verzeihen und aus Fehlern zu lernen. Sagen Sie sich in irritierenden Situationen: „Ich bin so in Ordnung wie ich bin“ und „Das werde ich schaffen“.


Warten Sie nicht auf ein gutes Selbstwertgefühl, um anschließend selbstbewusster aufzutreten. Gehen Sie umgekehrt vor:


Üben Sie Ihre Meinung zu äußern, natürlich nicht mit dem Holzhammer, sondern mit Diplomatie. Seien Sie authentisch und spielen Sie keine Rolle oder taktieren Sie. Orientieren Sie sich an selbstbewussten Vorbildern und lösen Sie sich aus der Anonymität der Menge. Aber seien Sie dabei nicht überheblich und arrogant.


Benutzen Sie das Wort „ich“ statt „man“ oder „wir“. Sprechen Sie präzise an, was Sie wollen („Ich möchte …). Drücken Sie sich bildhaft und schlagfertig aus. Erspare Sie es anderen Menschen, Ihre Meinung und Bedürfnisse erraten zu müssen. Verzichten Sie auf Unterwürfigkeit und Rechtfertigungsreden. Denken Sie daran: Mit Selbstaufgabe und übermäßiger Anpassung erkaufen Sie sich nur eine Scheinsicherheit.


Schauen Sie Ihrem Gegenüber direkt in die Augen und lächeln Sie. Stehen Sie aufrecht und sprechen Sie langsam und deutlich – möglichst im Unterhaltungston. Gehen Sie auf Unbekannte aufrecht, selbstbewusst und mit Blickkontakt zu.


Psychologen raten, um Ihr Selbstbewusstsein zu stärken, zu folgenden Übungen. Entscheiden Sie selber, ob Sie diese annehmen möchten.


Stellen Sie sich in den Mittelpunkt und üben Sie sich darin. Lassen Sie beispielsweise im Restaurant laut einen Löffel auf den Boden fallen oder rufen Sie in der Öffentlichkeit einem entfernt stehenden Bekannten laut etwas zu. Tragen Sie Kleidung, die Aufmerksamkeit erregt. Bitten Sie,  an der Supermarktkasse vorgelassen zu werden, wenn Sie nur wenige Sachen kaufen. Singen Sie laut und kraftvoll ein Lied, wenn Ihnen danach ist. Teilen Sie den Menschen in Ihrem Umfeld Ihr Befinden, Wünsche und Gedanken mit. 


Überprüfen und verbessern Sie Ihr Selbstbild


Bitten Sie Menschen aus dem persönlichen Umfeld, Ihnen mitzuteilen, was Ihnen an Ihnen gefällt und was Sie aus Ihrer Sicht besonders gut können. Bedanken Sie sich freundlich für Komplimente, ohne diese weiter selbstkritisch zu kommentieren. Mit Dankbarkeit gegenüber anderen und gegenüber sich selbst, tanken Sie Energie und Kraft. Bedanken Sie sich daher recht oft und herzlich bei anderen für Gefälligkeiten, Hilfe und Lob. Lassen Sie den Tag immer positiv enden. Lassen Sie die Dinge am Abend „Revue passiere“, die an diesem Tag gut gelaufen sind und die Sie gut gemacht haben. Oft schaffen wir es im Alltag nicht, dankbar für das zu sein, was wir sind, was wir können und was wir tun.


Unterscheiden Sie zwischen dem eigenen Wert als Mensch und dem Wert Ihrer erbrachten Leistung. Beziehen Sie nicht jede Meinungsäußerung auf sich. Überprüfen Sie aber Kritik auf ihre Berechtigung und entscheiden Sie selbst, ob Sie etwas verändern wollen, können oder gar müssen.


Fordern Sie Wertschätzung ein


Zeigen Sie anderen, dass Sie etwas wert sind und entsprechend respektiert werden wollen! Das setzt natürlich voraus, dass Sie sich auch so verhalten wie Sie es von den anderen erwarten.


Äußern Sie Wünsche und setzen Sie Grenzen: Bitten Sie zum Beispiel um eine Gehaltserhöhung. Bitten Sie um Ruhe, wenn die Nachbarn zu laut sind. Fordern Sie Ihren Partner zur mehr Mitarbeit im Haushalt auf. Beschweren Sie sich im Restaurant über Mängel an Speisen und Getränken. Tauschen Sie fehlerhafte Ware um. Lassen Sie den Vorgesetzten kommen, wenn ein Angestellter unwillig wirkt. Lehnen Sie unangemessene und zu umfangreiche Ansprüche und Erwartungen anderer ab, die Sie nicht erfüllen können oder wollen. Begründen Sie Ihr „Nein“, wenn es Ihnen leichter fällt, und bedanken Sie sich für das in Sie gesetzte Vertrauen. Damit wertschätzen Sie den Bittenden ohne Ihr „Nein“ in Frage zu stellen.


Weisen Sie unsachliche Kritik, einen herablassenden Ton oder ungeduldige Unterbrechungen zurück.


Verzichten Sie auf Vergleiche mit anderen. Legen Sie die Maßstäbe nicht zu hoch an. Das bringt Sie persönlich nicht weiter. Aber messen Sie sich durchaus mit anderen in einem fairen und gesunden Wettbewerb, um Lob und Anerkennung zu erfahren.


Erweitern Sie Ihr Kontaktnetzwerk mit guten Freunden. Reaktivieren Sie frühere Bekanntschaften, gehen Sie in einen Sportverein, besuchen Sie Themen-Veranstaltungen oder nutzen Sie die Vielfältigkeit des Internets. Vermeiden Sie Bekanntschaften von denen Sie das Gefühl haben, dass sie Sie nur ausnutzen. Das Geben und Nehmen sollte sich die Waage halten.


Ein starkes Selbstwertgefühl hat immer etwas mit „Persönlichkeit“ zu tun und kommt nicht über Nacht. Lassen Sie sich Zeit und lassen Sie Ihr Selbstwertgefühl langsam heranwachsen. Setzen Sie nicht unter Druck.


Etwas Besseres für sich, Ihr Ansehen und Ihren Erfolg sowie für Ihr privates und berufliches Umfeld können Sie nicht tun! Ran ans Werk, es ist nie zu spät.

Matthias Pawlowski

ist Jurist, Betriebswirt und Journalist. Er ist Partner sowie Director Marketing and Communications einer internationalen Unternehmensberatung. Er hat Erfahrungen als Chefredakteur des „SCOUT“, Pressesprecher und Büroleiter im Deutschen Bundestag sowie als Unternehmenssprecher und Leiter der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit und Werbung von nationalen und internationalen Wirtschaftsunternehmen, wie zum Beispiel der Dresdner Bank AG und der Lloyds Banking Group.

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