Wie lassen sich Arbeitnehmer am besten motivieren?

Motivation leitet sich aus dem lateinischen Verb movere ab und bedeutet „in Bewegung setzen“. Laut dem Marktforschungsunternehmen Gallup haben deutsche Arbeitgeber jedoch Probleme, die Mitarbeiter nachhaltig zu motivieren. Die mangelnde Mitarbeitermotivation kostet der deutschen Wirtschaft jährlich zwischen 98,5 Milliarden und 118,4 Milliarden Euro.

Grund dafür ist oft die emotionale Bindung zum Unternehmen. Fehlt die Begeisterung und Bindung der Mitarbeiter, so wird dessen Motivation alles andere als „in Bewegung gesetzt“. Das äußert sich schnell in häufige Abwesenheiten, innerlicher Kündigung oder „Dienst nach Vorschrift“. Dabei zählen motivierte Mitarbeiter mit zum größten Kapital eines Unternehmens. Und genau aus diesem Grund zeigen wir Ihnen Tipps und Maßnahmen, wie Sie als Chef Ihre Mitarbeiter nachhaltig motivieren können.

Nur Bares ist Wahres? – Eine Unterscheidung in extrinsische und intrinsische Motivation

Viele Arbeitgeber und Vorgesetzte vergessen, dass der Aufbau von Mitarbeitermotivation ein langfristiger Prozess ist. Natürlich können Sie bei Unzufriedenheit schnell die Karte „Lohnerhöhung“ oder „Erfolgsprämie“ ausspielen. Die Frage ist jedoch, ob diese Maßnahme zu einer nachhaltigen, positiven Motivation Ihrer Arbeitnehmer führen.

Motivation kann grundsätzlich in intrinsische und extrinsische Motivation unterteilt werden. Der Anreiz extrinsischer Motivation kommt von außen und ist häufig materieller Natur, zum Beispiel Lohnerhöhungen. Im Gegensatz zur intrinsischen Motivation nimmt hier die Wirkung mit der Zeit deutlich ab. Das wirkt sich besonders negativ aus, wenn Ihre Mitarbeiter keinen Spaß an der eigentlichen Arbeit haben, sondern nur des Geldes wegen arbeiten. So haben mittlerweile viele Studien gezeigt, dass Motivation nicht käuflich ist (Unternehmensberatung Hay Group).

Intrinsische Motivation steht für das Arbeiten aus eigenem, innerem Antrieb. Intrinsisch motivierte Tätigkeiten werden, im Gegensatz zu extrinsischen Motiven, um Ihrer selbst Willen (Causa Sui) durchgeführt. Faktoren, wie Lohnerhöhungen oder Prämien spielen hierbei nur eine untergeordnete Rolle. Denn ihr Mitarbeiter arbeitet wegen der persönlichen Befriedigung, die er durch die tägliche Arbeit frönen kann.

Im Arbeitsalltag kann intrinsische Motivation durch eine hohe Beteiligung am Entscheidungsprozess, flachen Hierarchien und Mitarbeiterschulungen gefördert werden. Wichtig ist, dass diese Maßnahmen langfristig angelegt sind, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen.

Wie kann ich nachhaltig die Mitarbeitermotivation erhöhen?

Vorweg sei erwähnt, dass es kein allgemeingültiges Erfolgsrezept gibt, das die Motivation bei allen Arbeitnehmern garantiert verbessert. Vielmehr sollte immer im Einzelfall entschieden werden, welche extrinsischen und intrinsischen Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitermotivation beitragen. Allerdings gibt es grundlegende Tipps, die Sie immer im Zusammenhang mit Mitarbeitermotivation im Hinterkopf behalten sollten.

1.      Lob & Anerkennung

Auch wenn viele Aufgaben im Arbeitsalltag selbstverständlich erscheinen, seien Sie ab und an dankbar für die Unterstützung Ihrer Mitarbeiter. Achten Sie aber darauf, dass Sie Lob und Anerkennung konkret, sachbezogen und gut formulieren. Eine wirre Aneinanderreihung von Lob, schlimmstenfalls beiläufig erwähnt, kann sich im Worst Case schnell konterproduktiv auf die Motivation auswirken.

Nehmen Sie sich also Zeit und gehen Sie konkret auf die erbrachte Leistung ein. Vergessen Sie dabei nicht ein ausgewogenes Verhältnis aus Lob und konstruktiver Kritik. Ansonsten kann die Ernsthaftigkeit Ihrer Aussagen schnell ins Wanken geraten.

2.      Flexible Arbeitszeiten

In einer Studie der „ManpowerGroup Deutschland“ zum Thema Arbeitsmotivation wurden über 1.000 deutsche Bundesbürger ab 18 Jahren befragt, was Sie am meisten im Beruf anspornt. Neben der richtigen Chemie im Unternehmen, wurden vor allem auch flexible Arbeitszeiten genannt.

Der starre „Acht-Stunden-Job“ ist schon länger auf dem Rückzug, denn die Anforderungen an Arbeitszeiten verändern sich im Laufe des Berufslebens. Familienpflichten, berufliche Weiterbildungen und vieles mehr können den Wunsch für mehr Flexibilität in der Arbeitszeiteinteilung wecken.

Mit Freiräumen bei der Zeiteinteilung schaffen Sie bei Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, Berufliches und Privates „unter einen Hut“ zu bekommen. Und obendrein sorgt die Maßnahme für motivierte und zufriedenere Mitarbeiter.  

3.      Weiterbildungsmaßnahmen

Die Förderung und Entwicklung des eigenen Personals ist eng verwurzelt mit der Mitarbeitermotivation. Vor allem jüngere Arbeitnehmer bis zum 35. Lebensjahr lassen sich mittels Weiterbildungsmaßnahmen stark motivieren (Studie der deutschen Universität für Weiterbildung, 2012). Zudem spielt der Faktor Weiterbildungsmaßnahmen eine ausschlaggebende Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers.

Kurzum sollten Sie dafür sorgen, dass Sie engagierten Mitarbeitern die Möglichkeit geben sich stetig weiterzuentwickeln. Dafür müssen Sie Talente erkennen und durch gezielte Maßnahmen fördern. Ein wichtiges Mittel dafür sind regelmäßige Mitarbeitergespräche.

4.      Vorbildfunktionen

Wer Wasser predigt und heimlich Wein trinkt, wird nicht respektiert. Nur wenn Sie als Vorgesetzter Ihre Werte selbst vorleben, können Sie von Ihren Angestellten dasselbe erwarten. Andernfalls wirkt Ihr Verhalten alles andere als authentisch und begeisternd. Gehen Sie also mit gutem Beispiel voran und sorgen Sie dafür, dass Ihr Team die gesteckten Ziele gemeinsam erreicht.

5.      Lösungsorientierung vs. Fingerpointing

Fremde Fehler sehen wir, die eigenen aber nicht. Doch das letzte, was Mitarbeiter hören wollen, sind Schuldzuweisungen und Fingerpointing. Es bringt nichts, bei Problemen nach dem Schuldigen zu suchen. Fokussieren Sie sich lieber auf die passenden Lösungen und Verbesserungen. Besonders bei Teamarbeiten wirkt das Gefühl des Zusammenhalts bei Problemen sehr motivierend und kann die Chemie innerhalb des Teams langfristig verbessern.

6.      Lernen, nicht nur sich selbst zu motivieren

Während die meisten Arbeitnehmer nur dafür verantwortlich sind, sich selbst zu motivieren, sollten Sie als Chef oder Vorgesetzter auch in der Lage sein, andere zu motivieren. Schaffen Sie es, Ihre Mitarbeiter für Aufgaben zu begeistern und mitzureißen, sorgen Sie zudem für eine bessere Arbeitsatmosphäre.

7.      Realistische Ziele und klare Erwartungen

Nichts ist schlimmer, als zu hoch gesteckte Zielvorgaben. Als Vorgesetzter oder Chef müssen Sie Ihre Mitarbeiter gezielt fördern und fordern. Setzen Sie realistische Ziele und vergewissern Sie sich durch regelmäßige Feedback- und Mitarbeitergespräche, ob die Zielvorhaben eingehalten werden können.  Im Falle des Falles sollten Sie eventuell die Zielvorgaben anpassen oder über die potenziellen Probleme sprechen, die die Zielerreichung gefährdet haben.

Profilbild von Klaus Becker
Klaus Becker

ist Geschäftsführer, Gründer und Berater. Er baute 2002 die Personalberatung für den Mittelstand auf. Formt und formuliert mit dem Team die Beratungsprozesse für den bundesweiten Markt der Personalberatung.

Mehr