„Und immer schön an den User denken“

Das Thema Suchmaschinenoptimierung ist deutlich komplexer geworden. Wer im Netz gefunden werden will, muss sich mächtig ins Zeug legen und die neuesten Trends in Sachen SEO beherzigen. Heute gilt bei der Content-Erstellung in erster Linie Relevanz vor Masse, die Sprachsuche nimmt zu und Mobile ist ein Muss. Jetzt heißt es, die Maßnahmen an die sich ändernden Suchvorlieben anzupassen. Felix Neuchl, SEO Consultant bei der Agentur Netzeffekt erklärt, wie sich das Nutzerverhalten verändert hat und wie Unternehmen darauf reagieren sollten.

Worauf muss man bei der Suchmaschinenoptimierung heute besonders achten?

Das wichtigste bei der Suchmaschinenoptimierung ist die Nachhaltigkeit. Alle Maßnahmen, die im Rahmen von SEO-Optimierungen durchgeführt werden, sollten in erster Linie auf Langfristigkeit abzielen. Es bringt keinen, beziehungsweise nur kurzzeitigen Erfolg, veraltete Optimierungs-Techniken und Strategien anzuwenden. Letzten Endes schaden derartigen Maßnahmen nämlich. Stattdessen sollte man sich an den neuen Standards orientieren und versuchen, seine Seite auf Rankingfaktoren zu optimieren. Dazu gehören neben Mobilfreundlichkeit, Ladegeschwindigkeit, Absprungrate, Verweildauer noch viele weitere Punkte, die zunehmend an Relevanz gewinnen. Nur so kann gewährleistet werden, dass eine Seite Chancen auf langfristigen Erfolg hat.

Das Suchverhalten der Nutzer ändert sich laufend. Welche neuen Trends entstehen daraus?

Ein Trend der letzten Jahre, der mit Sicherheit auch für die Zukunft von Relevanz sein wird ist die Voice Search. In Bezug auf den User Intent und die Content Qualität sind holistische Landingpages, also Seiten, die ein Thema umfassend behandeln, seit einiger Zeit immer stärker im Kommen. Alles in Allem kann man auch auf jeden Fall sagen, dass man zukünftig nichts falsch machen kann, wenn man den Fokus auf den User legt und diesen in den Mittelpunkt der eigenen Suchmaschinenoptimierungsmaßnahmen stellt.

Apropos Sprachsuche. Wie wirkt sie sich auf SEO-Maßnahmen aus?

Möchte man aktuell erfolgreiche Suchmaschinenoptimierung betreiben, so sollte man die Entwicklung rund um Voice-Search auf jeden Fall im Auge behalten, jedoch nicht seinen Haupt-Fokus hierauf legen. Wichtiger ist es, dem User genau das zu bieten, was er sucht und ihm den Content möglichst Benutzer-optimiert zu präsentieren. Insgesamt gibt es einen Trend weg von „starren Suchanfragen“ beziehungsweise Keywords hin zu komplexeren Suchanfragen und Longtail-Keywords. Also Begriffen, die relativ speziell sind und nicht so oft gesucht werden. Wer es schafft, seine Seite auf diese Punkte zu optimieren und außerdem den User in den Mittelpunkt seiner Bemühungen stellt, der hat seine Seite damit gleichzeitig auch zum Großteil bereits fit gemacht für Voice Search.

Bei der Content-Erstellung gilt in erster Linie Relevanz vor Masse. Was ist sonst noch wichtig beim Thema Inhalt?

Keinem User hilft es, wenn er von Content regelrecht erschlagen wird, ohne dass dieser wirklich wichtig ist oder zum Gesamt-Thema beiträgt. Es macht keinen Sinn, seinen Inhalt künstlich „aufzublähen“, der Text sollte immer Substanz und Relevanz aufweisen. Dennoch sollte er möglichst holistisch, also umfassend gestaltet sein, sodass dem Suchenden alle seine Fragen adäquat beantwortet werden. Es gilt aber, auf Redundanzen zu verzichten. Darüber hinaus ist es wichtig, den User Intent genauestens zu treffen. User, die sich über ein Thema informieren wollen, können nichts mit einer Produkt-Seite anfangen, auf der man etwas kaufen kann. Das Gleiche gilt natürlich auch umgekehrt. Trifft man den User Intent zu den verschiedenen Arten von Suchanfragen nicht, so wird es sehr schwer für eine Seite, für die dementsprechenden Keywords auffindbar zu werden.

Immer mehr Spezialisten empfehlen, auf Themencluster zu setzen, statt auf Keywords. Sie auch? 

Themencluster haben gegenüber klassischen Keywordlisten den Vorteil, dass sie den Textern einen größeren Spielraum lassen und diese somit deutlich besser auf die User-Freundlichkeit, die User-Experience, den User-Intent, und so weiter, eingehen können. So entstehen Texte, die auch wirklich für den User geschrieben wurden und nicht nur für die Suchmaschine. Früher ging man noch strikt nach den Keywordlisten vor und versuchte diese Keywords auf jeden Fall möglichst prägnant im Text unterzubringen. Heute dienen die Keywordlisten viel mehr als Richtwert, an welchem sich der Texter orientiert. Ganz auf Keywords sollte man jedoch auf keinen Fall verzichten, da Google diese immer noch für die Relevanz-Bewertung von Content und Texten heranzieht. Jedoch ist Google mit der Zeit immer besser geworden, Sinnzusammenhänge und verschiedene Themengebiete zu erkennen und zuzuordnen. Aus diesem Grund sollte man die Keywords möglichst natürlich und User-freundlich in den Text einbauen und von Keyword-Stuffing, also dem massiven Einfügen von Keywords in einen Text, absehen.

Wie wichtig ist es, in Sachen SEO nicht nur Google, sondern auch Youtube, Amazon und andere im Blick zu haben?

YouTube ist die zweitgrößte Suchmaschine der Welt und die meisten Produktsuchen finden über Amazon statt. So ist es natürlich wichtig auch diese Bereiche nicht außer Acht zu lassen. Jedoch sollte man sich selbst auch immer fragen, welches Ziel man mit seinen Maßnahmen verfolgt und welche Suchmaschinen dafür überhaupt von Relevanz sind. Vertreibt man keine Produkte, so macht Amazon natürlich wenig Sinn. Übt man keine Tätigkeiten im Bereich Video aus, so ist YouTube wiederum hinfällig. Es hängt also ganz davon ab, was man tut beziehungsweise was man tun möchte. Weitere Suchmaschinen wie Bing oder Baidu sollte man ebenfalls nicht vergessen. Zwar haben sie einen deutlich kleineren Marktanteil als Google, jedoch handelt es sich in Summe um eine signifikante Anzahl an Nutzern, die man erreichen kann.

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Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

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