Was macht eigentlich ein Data Scientist?

Durch die fortschreitende Digitalisierung entstehen permanent neue Berufsbilder, unter denen man sich wenig vorstellen kann. Eines davon heißt Data Scientist. Diese Spezialisten sind stark nachgefragt. Bei Gehaltsrankings rangieren sie weit oben. Die Einstiegsgehälter liegen bei etwa 45 000 Euro. Mit zirka fünfjähriger Berufserfahrung ist das Jahresgehalt bei zirka 60 000 Euro angesiedelt.

Miriam Rauch, die in München an der LMU Statistik studiert hat, arbeitet in diesem Beruf bei Netzeffekt, einer Agentur für Digital-Marketing. Das Unternehmen ist Teil der Jung-von-Matt-Gruppe und ist vor allem im Bereich Performance Marketing tätig. Miriam Rauch verrät im Interview, was sich hinter ihrer Jobbezeichnung verbirgt

Was macht eigentlich ein Data Scientist?

Ich betreue alle Projekte, die mit der Analyse von Daten zu tun haben. Ich versuche, Licht in den Datendschungel zu bringen und kümmere mich um alle statistischen Fragestellungen. Im Wesentlichen geht es darum, gesammelte Informationen zu verknüpfen, zu entschlüsseln und sie dann auszuwerten und graphisch darzustellen. Das Ziel ist dabei meist, Wissen zu generieren, das den Unternehmen hilft, ihre Prozesse zu optimieren und die Geschäftsziele besser zu erreichen. Ich  kann hier bei Netzeffekt beispielsweise aus den Daten ablesen, wie gut oder schlecht Kampagnen laufen und gebe die Informationen an die zuständige Fachabteilung oder den Key Account weiter.

Wie muss man sich Ihre Arbeit konkret vorstellen?

Ich erstelle beispielsweise Clusteranalysen für Kampagnen. Ziel ist es, nicht für jede Merkmalkombination (z.B. aus Altersgruppe und Geschlecht) eine Kampagne erstellen zu müssen, sondern Gruppen herauszufinden, die sich ähnlich verhalten und für die somit eine übergreifende Kampagne erstellt werden kann. Ich muss also entschlüsseln, welche Gruppen sich ähnlich zueinander verhalten und diese, da wo es sinnvoll ist, zusammenzufassen.

Wichtig ist ebenfalls die Attributions-Modellierung. Das bedeutet, im Auftrag des Kunden und für unser eigenes Know-How zu schauen, welche Kampagnen zum Abschluss geführt haben. Wobei Abschluss bei den meisten Kunden heißt, dass sie gekauft oder ein Kundenkonto eröffnet haben. Attribution ist ein sehr komplexes Thema, das auf statistischen Modellen basiert und als Entscheidungsgrundlage für die Budgetverteilung wichtig ist.

Für unser eigenes Unternehmen baue ich im Augenblick unter anderem ein Reporting, das Aufschluss darüber gibt, welche Keywordkombinationen am besten laufen.

Wie wird man Datenwissenschaftler?

Es gibt viele Wege, in den Beruf einzusteigen. Viele Datenspezialisten haben, wie ich, Statistik studiert und darin erst den Bachelor und dann den Master absolviert. Andere kommen aus Studiengängen wie VWL, BWL oder Mathematik und setzen dann beispielsweise einen Master in Statistik oder Informatik drauf.

Welche Skills sollte man außerdem mitbringen?

Man sollte nicht nur logisch denken können und keine Angst vorm Programmieren haben, sondern auch über Kreativität verfügen, da es auf ein Problem immer verschiedene Lösungsmöglichkeiten gibt. Sie sind oft abstrakt, da braucht es ein großes Vorstellungsvermögen. Ein gewisses Geschick für  Kommunikation ist ebenfalls hilfreich. Es gibt zwar auch Datenspezialisten, die ausschließlich in ihrem stillen Kämmerlein sitzen und über Lösungen brüten, aber sie sind eher die Ausnahme. In unserer vernetzten Arbeitswelt ist dann doch Teamworking gefragt. Außerdem sollte man Innovationsgeist mitbringen, denn im seltensten Fall bringt einen das Standardvorgehen weiter. Häufig schiebt man Projekte an, für die es kein Vorbild gibt. Man darf sich dann nicht scheuen, ganz neue Wege zu gehen.

In welchen Branchen werden Data Scientists eingesetzt?

Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung findet man sie inzwischen in fast allen Branchen und auch in fast allen Unternehmen. Vorrangig werden in der Finanz-, Versicherungs-  Medien- und der Autobranche vermehrt Spezialisten gesucht, die sich auf die Analyse großer Datenmengen verstehen. Aber auch in der Medizinbranche werden sie gesucht. Dort gibt es beispielsweise für den Bereich Genetik Biostatistiker.

Wie sind die Berufsaussichten?

Ausgesprochen gut. Es ist ein sehr schnell wachsendes Berufsfeld. Durch die Zunahme von Artificial Intelligence und Machine Learning ist der Bedarf an Spezialisten inzwischen höher als das Angebot.

Profilbild von Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

 ist freie Journalistin und schreibt über die deutsche Medienlandschaft, vorwiegend für das Fachmagazin Werben & Verkaufen, aber auch für Kontakter, Welt am Sonntag, SZ sowie den Blog der BLM. Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Digitalwirtschaft sowie Printmedien. Nach einem Volontariat bei Hubert Burda Media und dem Besuch der Deutschen Journalistenschule in München arbeitete sie für Bunte, Bild, Freundin, Antenne Bayern und die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, Jetzt.

Mehr